Menschen und Hintergründe

03.12.2009

„Ich war schon immer ein bisschen rebellisch“
Daniel „Der Schulz“ Schulz im Gespräch
von Jan Hagerodt

- Regional ist er schon lange ein bekannter Musiker, er gibt Gesangsunterricht, singt auch mal Songs von Frank Sinatra und Jim Morrison und stand schon bei Bands wie Engelhai, den Superstarfuckers oder auch Pinkostar hinter dem Gesangsknüppel.

Höchste Zeit also diesem Daniel Schulz mal ein bisschen seiner kostbaren Zeit für ein Interview zu stehlen. Vor allem da er am 09. Dezember sein erstes Solo Album veröffentlicht und das in Hannover präsentiert.


Rockszene.de:
Hallo Daniel, was macht die Kunst?

Daniel Schulz:
Alles gut bei mir! Ich bin ein bisschen platt, weil wir seit Wochen Tag und Nacht an meiner Platte arbeiten. Gestern war quasi Endspurt, weil das Teil heute Morgen ins Presswerk musste, damit bis zum Release Termin auch wirklich alles fertig ist.

Rockszene.de:
Damit sind wir gleich beim Thema. Am 09.12.09 stellst Du Deine neue Cd im Mephisto in Hannover vor. Was genau können die Besucher von dem Abend erwarten?

Daniel Schulz:
Um 20:00 Uhr ist Einlass, das Konzert beginnt um 21:00 Uhr. Den Kern des Programms wird natürlich das neue Album ausmachen. Wir werden die Songs unplugged präsentieren, Hagen an der Gitarre, b.deutung am Cello und einige Überraschungsgäste werden auch erwartet. Es soll ein abwechslungsreicher und vor allem schöner Abend in lockerer Atmosphäre werden, so ist zumindest der Plan. Ach ja und Schaumwein gibt¥s auch!

Rockszene.de:
Schaumwein? Ist das nicht ein bisschen wenig Rock¥n Roll für so einen Abend?

Daniel Schulz:
Ach quatsch, Schaumwein hat doch ¥ne schöne ostdeutsche Tradition. Natürlich darf auch das ein oder andere Herri gekippt werden.

Rockszene.de:
Du hast sehr ausgiebig an Deinem Album gewerkelt, warum hat es so lange gedauert?

Daniel Schulz:
Na ja, es sollte ja auch gut werden, ne (lacht)? Auflerdem hatten wir mit einigen Schwierigkeiten, Krankheiten und Verletzungen zu tun, irgendwas kam immer dazwischen. Unser Tonmann, der Micha Priess hat sich quasi auf den "letzten Metern" das Sprunggelenk gebrochen und fiel dadurch aus. Gott sei Dank ist Thorsten "dim" Dölle kurzfristig für ihn eingesprungen. Den Mix haben wir dadurch gröfltenteils im Arena 20 Studio hier in Hannover durchgezogen.

Rockszene.de:
Du bist vor kurzem zum Künstler des Monats bei myspace gewählt worden und wurdest dadurch z.B. auch vom Stern vorgestellt. Was hat Dir das Ganze gebracht?

Daniel Schulz:
In erster Linie natürlich Promo, ganz klar. Wir hatten innerhalb von einer Woche neue Visits im fünfstelligen Bereich, dass ging schon gut ab. Ich fand es persönlich sehr cool, dass ein Magazin wie der Stern ausgerechnet einen Song wie "Die wahren Asis" vorstellt, wo doch deren Verlag häufig für die Klientel steht von der dieser Song handelt. Das habe ich schon ein bisschen abgefeiert, kann ich Dir sagen!

Rockszene.de:
Du warst bereits in vielen Bands aktiv: Gasoline, Pinkostar, Superstarfuckers, EngelhaiÖda kann man den Eindruck bekommen, dass Du nicht besonders bandverträglich bist.

Daniel Schulz:
Das würde ich so nicht sagen. Ich habe ja zum Beispiel mit Gasoline mehr als zehn Jahre zusammen gemuckt. Das war schon fast so was wie ne Beziehung. Bei den meisten Bands war einfach irgendwann die Luft raus und man hat sich meistens im Guten voneinander getrennt. Natürlich wird man irgendwann auch ein bisschen vorsichtiger was freundschaftliche Bande angeht, insgesamt würde ich mich aber nicht als schwierig bezeichnen. Ich war einfach oft derjenige, der das Ganze am Professionellsten gesehen hat.

Rockszene.de:
Wie professionell gingen denn die Aufnahmen zur neuen Cd vonstatten?

Daniel Schulz:
Die Aufnahmen waren der Hammer. Wir haben uns im Studio in Berlin getroffen, ein paar Tage lang die Songs gejammt und dann die komplette Cd in nur neun Tagen eingespielt. Es war wie Arbeit unter Freunden. Ständig kamen irgendwelche Leute vorbei, haben sich dazugesetzt oder einfach mit gejammt. So kam es z.B. dass der Drummer von Element Of Crime Bock hatte, auf ein paar Tracks zu trommeln. Ich habe mich gestern Abend zum ersten Mal hingesetzt, ganz in Ruhe das fertige Ding angehört und ich muss sagen, es ist ein Album heraus gekommen, dass ich mir für mein Leben lang gerne anhören werde. Teils verstärkt, teils akustisch, immer ehrlich und direkt.

Rockszene.de:
Zum Thema "Die wahren Asis seid ihr da oben"? Wie viele politische Statements gehören in Rockmusik und wie politisch korrekt ist eigentlich ein Daniel Schulz so privat?

Daniel Schulz:
Na ja, was ist schon politisch korrekt? Ich war schon immer ein bisschen rebellisch und generell wenig an materiellen Dingen interessiert. Mich begeisterte die künstlerische Seite des Lebens schon immer mehr. Auch damals bei meinem Bürojob hatte ich schon lange Haare und die habe ich mir auch nie abschneiden lassen, obwohl das alle immer forderten. Wie viel Politik man in seine Texte packt, sollte jeder Künstler für sich selbst entscheiden. Aber wenn wir nicht die Missstände der Gesellschaft thematisieren, wer tut es dann?

Rockszene.de:
Daniel Schulz, der "Sokrates des Harz" oder wie?

Daniel Schulz:
(Lacht) Ja genau, das klingt doch geil.

Rockszene.de:
Wie schlimm ist es speziell für jemanden wie Dich, der jahrelang über die Bühnen der Welt ackert, zu sehen, dass "Bad Taste Music" und Casting Flittchen den Erfolg haben, den man selbst nie in dieser Form erreichen konnte? Wie viel Neid und Missgunst reift da im Hinterstübchen heran?

Daniel Schulz:
Eigentlich null. Du sprichst von einer Welt, die mich nie interessiert hat. Mir geht es um Musik und nicht um Kohle. Und das sieht bestimmt jeder ernsthafte Musiker genau so.

Rockszene.de:
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Release Konzert. Alles Gute für Dich!

Daniel Schulz:
Ich habe zu danken und hoffe man sieht sich am 09.12. im Mephisto!

www.myspace.com/dschulz

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