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CD-Kritik-Detail
Bruce Springsteen-The Rising

Bruce Springsteen

The Rising

(Columbia/Sony, 2002)


Nach dem grandiosen Live-Comback Bruce Springsteens im Kreise seiner E-Street-Band im Jahr 1999 und des im vergangenen Jahr erschienenen Doppel-Albums „Live in New York City“ waren die Erwartungen hinsichtlich eines gemeinsamen neuen Studio-Outputs von „The Boss“ und „der besten Rockn´Roll Band der Welt“ gestiegen. Voilà : Auf „The Rising“ präsentiert uns Bruce Springsteen gleich 15 neue Songs, die nach Angaben des Künstlers alle nach dem 11.September 2001 geschrieben wurden und wohl auch im Zusammenhang mit den Ereignissen in New York und Washington zu sehen seien, allerdings sehr persönliche Gefühle widerspiegelten.

Ein übermäßig nachdenklich stimmendes oder gar düsteres Album ist „The Rising“ indes keinesfalls geworden. Tendenziell ein eher zurückhaltendes, getragenes Werk auf dem Balladen und Mid-Tempo-Nummern im zumeist typischen Bruce- Springsteen-Style überwiegen. Gleich die ersten fünf Stücke des Albums sind vom Songwriting Springsteen pur: „Lonesome Day“, „Into the fire“ oder „Nothing Man“, weisen die charakteristischen und vertrauten Melodiebögen auf, die viele an seinen Songs so schätzen.

Die Musiker der E-Street-Band-selbstredend alle Meister ihres Fachs-verleihen dabei den Stücken die nötige Atmosphäre- man nimmt sich bei ruhigen Titeln zurück und macht Druck dort wo es sein muss. Natürlich muss ein guter Song prinzipiell auch ohne Band funktionieren, was bei den Kompositionen Bruce Springsteens sicherlich auch der Fall ist; letztlich ist es aber die E-Street-Band, die den Stücken musikalisch das gewisse Etwas an Kraft und Ausdruck gibt, wie es –im Fall Springsteen-kaum eine andere Band zu tun vermag. Die Musik wird so nicht nur im Konzert, sondern auch auf Platte zu einem herausragenden und einzigartigen Erlebnis.

Nun darf der geneigte Hörer und Fan auf „The Rising“ jedoch nicht den schweißtreibenden Power- und Tempo-Rockn´Roll bzw. –Soul von Klassikern wie „Born to run“, „Badlands“, „Out in the streets“, „You can look – but you better not touch“, „Two hearts“, oder „10th Avenue Freeze Out“ erwarten – wem der ( eher jugendliche) Rocker Springsteen mit Wut im Bauch, der Faust in der Tasche, angetrieben von unbändiger Leidenschaft und Liebe im Herzen aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern vor dem geistigen Auge schwebt, muss akzeptieren, dass der Mann inzwischen 52 Jahre alt ist, sich die Lebensumstände geändert haben und sich das Wirken des Sängers in erster Linie durch Reife und Qualität auszeichnet- anno 2002 immer noch mit Lederjacke und/oder Muscle-Shirt plus Stirnband zu mimen, wäre sicher auch eher peinlich.

Die neuen Songs sind jedoch nicht minder intensiv als früher, nur das Tempo und die Härte werden ein wenig zurück-respektive herausgenommen.

Eine Ausnahme bildet dabei „Mary´s Place“, ein exzellenter, mitreißender Gospel/Soul-Titel in der Tradition der frühen E-Street- Band, unterstützt von einer hervorragenden Bläser-Sektion die an einigen Stellen an die Bläser Van Morrisons erinnert. „Mary´s Place“ ist ein Song der vor allem im Konzert zu den ganz, ganz großen Klassikern avancieren könnte, geschickt ins Set platziert, so irgendwann nach dreieinhalb oder vier Stunden im Stadion , wenn die Menschen sich schon längst von ihren Sitzen erhoben haben, um „mit ihrer Band“ und vielen Tausend Anderen eine ausgelassene und schöne Party zu feiern.

www.sonymusic.de/brucespringsteen

Andreas Haug
(08.12.2006)

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