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CD-Kritik-Detail
Marillion-Anorak in the UK Live

Marillion

Anorak in the UK Live

(EMI, 2002)


Nach der 1996er-Doppel-CD „Made again“ ist mit „Anorak in the UK Live“ nun wieder ein neues, offizielles Live-Album der englischen Band Marillion auf den Markt gekommen.

Hatte „Made again“ noch eher die Funktion, einen zusammenfassenden Überblick über das Schaffen der Band in den Jahren 1989-1995, bereichert um große Hits aus der Fish- Ära wie „Kayleigh“ und „Lavender“, zu liefern sowie mit der kompletten Live-Version des grandiosen 1994er-Albums „Brave“, den Fans der Band ein besonderes Bonbon zu bieten, gleicht „Anorak in the UK Live“ eher einer aktuellen Standortbeschreibung.

So klingen Marillion live in den Jahren 2001/2002 zur Zeit der Anoraknophobia-Tour, könnte man es auf den Punkt bringen.

Wie einige andere Bands, die seit über 20 Jahren im Geschäft sind und ihre ganz großen Erfolge in den ersten Jahren der Bandgeschichte und mit den ersten Alben feierten, haben auch Marillion seit geraumer Zeit das Problem, immer wieder an den Jahren 1983-1988 gemessen zu werden, Jahre, in denen die Band als so etwas wie das Flaggschiff des „neuen“ Progressive-Rock galt und dazu in der Person von Fish über einen außergewöhnlichen Sänger und Frontmann verfügte.

Obwohl Marillion nach der Trennung von Fish seit 1989 mit Sänger Steve Hogarth bereits wesentlich mehr Platten veröffentlicht haben, verbinden viele Menschen die Gruppe ausschließlich mit Fish, dem Single-Hit „Kayleigh“ und heften der Band das zweifelhafte Prädikat des 80er-Jahre-Stadion-Bombast-Rock ans Revers.

Dass dies alles völlig unzutreffend ist, Marillion sich längst zu einer zeitgemäßen, modernen, jederzeit aber sehr individuell klingenden Band weiterentwickelt haben, hat das Quintett aus dem englischen Aylesbury nicht erst seit der letzten Studioproduktion „Anoraknophobia“ aus dem Jahr 2001 eindrucksvoll verdeutlicht.

Marillion rücken längst eher in die Nähe von Bands wie Radiohead oder Massive Attack, als dass sie wie die frühen Genesis oder Pink Floyd daher kämen. Gleich fünf der insgesamt zehn Songs auf „Anorak in the UK Live“ sind dann auch vom aktuellen Studioalbum, also keine durch Applaus, Feedbacks und Ansagen getarnte Best-of-Compilation von Songs oder abgestandenen Hits die man eh schon seit zig Jahren kennt. Auch dieser Umstand ist alles andere als gewöhnlich.

Wem die Studio-Scheibe „Anoraknophobia“ von der Produktion zu kalt, zu künstlich oder zu düster erschien, wird mit der neuen Live-Platte seine wahre Freude haben. Songs wie „Separated Out“, „Between you and me“ oder das ohnehin schon meisterhafte „Quartz“ entfalten in den äußerst warm klingenden, sehr groovigen Live-Versionen völlig neue Qualitäten.

Der Sound ist brilliant und druckvoll, wesentlich besser als noch bei der „Made Again“. Kein überflüssiger Technik-Schnickschnack verschleiert die Songs, die Band findet für die Stücke das richtige Tempo und beweist Spielfreude. Live-so scheint es- sind Marillion immer noch am stärksten.

Dennoch: ein Doppelalbum und ein paar mehr Songs hätte es nach so vielen Jahren schon sein dürfen.

Mehr Infos unter www.marillion.com

Andreas Haug
(08.12.2006)

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