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CD-Kritik-Detail
Planet Emily-10000 Volt

Planet Emily

10000 Volt

(Coconut Music / neo-Sony/ KontorNewMedia, 2009, CD)

Rockszene-Bewertung: 7 / 10 Pkt.
Wertungsbalken

Gut Ding will mehr oder weniger Weile haben und irgendwann ist es dann soweit, so wie in diesem Fall bei der Band Planet Emily. Vor etwa zwei Jahren wurde man in Hannover erstmals auf die Band aufmerksam, jetzt ist das Debütalbum “10000 Volt” fertig und veröffentlicht. Nach der Single „One Night Stand“, die schon vor einigen Wochen positiv aufhorchen ließ, kommt nun der Longplayer der jungen Band aus dem Raum Hannover. Die Aufmachung der Platte, der Gesamtauftritt der beiden jungen Herren und Damen, sei es die Internetpräsenz, die Bandfotos, die Merchandise-Artikel oder das Promomaterial: Alles ist durch und durch professionell und mitunter durchgestylt. Das macht natürlich richtig neugierig, was da aus Hannover und „Umzu“ nun am Start ist und vielleicht auch bundesweit für Furore sorgen könnte. Planet Emily, das nächste große Ding nach Bands der „Generation Silbermond?“

Was die Qualität der meisten Songs angeht, die vorzügliche Qualität der meisten Produktionen auf dem Album, brauchen Planet Emily überhaupt keine Vergleiche zu den so genannten Großen der Branche zu scheuen, eigentlich verbieten sich diese Vergleiche von vornherein. Warum? Weil Planet Emily augenscheinlich variabler und abwechslungsreicher unterwegs sind als viele arrivierte Bands des Genres, sich mit dieser Platte noch einige Optionen offen lassen, wohin die Reise im weiten Feld des deutschsprachigen Rock und Pop nun letztlich gehen wird. Von jugendlich-frechen und spritzigen Power-Pop-Rock-Songs bis hin zu sensiblen, ausgefuchsten Pop-Balladen ist die Bandbreite der Kompositionen recht groß. Dieser Umstand macht das Album dann auch zu einem kurzweiligen Hörvergnügen. Die Band klingt eher „major“ als „indie“, was wohl auch bei der Platzierung des, nennen wir es mal im Business-Jargon „Themas“ respektive „Produktes“ beabsichtigt sein dürfte.

Das Album „10000 Volt“ erschließt sich dann auch weniger als ein typisches Debüt von vier jungen (Nachwuchs-) Musikern, sondern als erstaunlich reifes und ausgefeiltes Werk. „Wenn, dann gleich richtig“, mag sich das personell umfangreich aufgestellte Team um Planet Emily gesagt haben, denn neben den Bandmitgliedern waren zahlreiche Komponisten und Produzenten an der Entstehung der Songs und der Platte beteiligt, sehr entscheidend beteiligt, wie ein Blick in das Booklet unterstreicht. Der Großteil der Songs sind Fremdkompositionen von langjährigen Profis auch Aufnahmen, Mix und Mastering wurden entsprechend von „oberamtlicher“ Hand erledigt.

Aus diesem Grund kann sich das Ergebnis besonders hören lassen. Songs wie „One Night Stand“, „10000 Volt“, „Wunderjahre“ oder „Nr.1“ haben Hitpotenzial, das kann man sich neben den arrivierten Namen locker in der Heavy-Rotation der gängigen Radiosender vorstellen, die sich vorwiegend an einer jugendlichen Hörerschaft oder an jungen Erwachsenen orientieren. Statt sich über untere Klassen, dritte oder zweite Liga über Jahre hochzuarbeiten, steigen Planet Emily mit diesem Album gleich in die erste Liga ein. Entweder hat man es im geschäftlichen Umfeld der Band besonders eilig, denn bekanntlich verkauft sich „jung“ ja besonders gut, oder die 1993, 1990, 1987 und 1985 geborenen Planet-Emily-Aktivisten sind echte Überflieger mit einem außergewöhnlichen Talent und Können, dass sie gleich mal ein paar Klassen überspringen dürfen.

Letzteres scheint offensichtlich, denn wann hat man in Deutschland das letzte Mal ein Debüt-Album von so jungen Pop-Rock- Musikerinnen und -Musikern gehört, das –besonders was die Instrumental-Arbeit angeht- handwerklich so gekonnt eingespielt wurde? Von der herausragenden Kompositionsqualität ganz zu schweigen. Man kann Pop-Rock rumpelig bolzen oder ästhetisch mit kleinen, feinen Details in Szene setzen. Planet Emily gehören, nimmt man diese Aufnahmen zum Maßstab, zu den Ästheten. Neben professioneller, geschmackvoller Gitarrenarbeit, einschließlich atemberaubender Soli, hört man in Songs wie „Wunderjahre“ eine erstaunlich gut eingespielte und musikalisch sehr reife Rhythmusgruppe grooven, dass es eine Freude ist. Die Abstimmung zwischen Schlagzeug, Bass und –in diesem Song- Akustikgitarre, das feinmotorische Handwerk bekommt man auf diesem Niveau anderswo oft nur von Musikern geliefert, die schon einige Jahre Erfahrung auf dem Buckel haben, sich nicht selten auch als professionelle Session-oder Studiomusiker verdingen.

Und da blättern wir doch mal im Booklet, ob da Hinweise auf Gastmusiker, so genannte Credits, zu finden sind. Das Mitwirken von prominenten Namen ist ja nicht unüblich, unter anderem Solo-Acts wollen ihre Alben so oft frischer gestalten, wenn sie hier und da mal mit verschiedenen Session-Musikern spielen.

Man blättert und blättert, aber siehe da: Fehlanzeige! „10000 Volt“ und Planet Emily sind Caro (Gesang), Timo (Bass), Lennart (Gitarre) und Daniela (Schlagzeug).

Hut ab oder Chapeau, wie der Franzose sagen würde. Wenn Planet Emily das hohe Niveau dieses Albums auch so auf die Bühne bringen, dann stehen die Zeichen für die nahe Zukunft auf Sturm. Liebe Konzertbesucher, ihr solltet euch wetterfest kleiden und gut festhalten…

Andreas Haug
(25.09.2009)

Link(s):
www.planet-emily.de
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