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Rockszene.de Porträt

C wie Capitol
Das Veranstaltungszentrum feiert 20-jähriges Bestehen
von Mark Preisegger

C wie Capitol-Das Veranstaltungszentrum feiert 20-jähriges BestehenIn der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist Hannovers Kulturleben alphabetisch geordnet. Und zwischen S wie Schützenfest, O wie Opernhaus, G wie Gemüseschlacht oder B wie Ballhof findet sich unter C ganz selbstverständlich auch ein Eintrag über das Capitol – als traditionsreiches Veranstaltungszentrum in Linden. „Es ist im Capitol-Hochhaus aus den 1920er Jahren untergebracht, das an der Benno Ohnesorg-Brücke am Platz Schwarzer Bär liegt“, steht dort zu lesen. „Als ehemaliges Kino wurde es Mitte der 1980er Jahre zur Diskothek umgebaut.“

Dabei stand das Capitol schon damals nicht nur für Disconächte. Gleich zur Eröffnung am 20. September 1986 feierte der Club mit dem Frankfurter Kurorchester und den Lokalmatadoren Moulin Rouge auch die Feuertaufe als Live-Spielstätte. Bis heute sind in dem Club rund 2100 Auftritte über die Bühne gegangen, wie Michael Lohmann schätzt. „Mir persönlich macht es am meisten Spaß, dort ein Konzert zu sehen“, eröffnet der Capitol-Chef. „Man ist näher dran am Künstler als in einer Riesenhalle.“
Der Club lockte Lindenberg und Westernhagen, Gary Moore und The Kinks nach Hannover. Sogar Robbie Williams spielte 1999 im Capitol. „Der war noch nicht ganz so groß, aber schon ein absoluter Star“, erinnert sich Michael Lohmann. Die Tour hatte eigentlich ein halbes Jahr vorher stattfinden sollen, musste aber abgesagt werden. Obwohl die Nachfrage inzwischen enorm war, bestand Williams’ Management damals darauf, die Shows in Hallen mit Kapazitäten bis zu 2000 Besuchern auszutragen. Die Veranstalter wären wohl locker doppelt und dreifach so viele Karten losgeworden. „Das zeichnet einen Künstler aus“, findet Lohmann. „Da ging es gar nicht ums Geld, sondern um die Stimmung.“

„Es gab natürlich auch Flops“, gesteht der Geschäftsführer. Als einst etwa Queen-Drummer Roger Taylor sein Soloprojekt vorstellte, rechnete Michael Lohmann mit mehreren hundert Besuchern - „und dann hatten wir exakt zwölf zahlende Gäste“. Kurz entschlossen bat er hinter den Kulissen die Beschäftigten vor die Bühne und schließlich erlebte die zusammengetrommelte Minimeute eine erstklassige Show von bestens aufgelegten Musikern. „Das war ein super Konzert“, denkt der Rockfan zurück. „Finanziell war es nicht so schön, aber so etwas passiert.“

Allein mit Live-Auftritten, so Michael Lohmann, ließe sich der Gesamtbetrieb ohnehin nicht aufrechterhalten. Umso problematischer schlugen sich die rapide rückläufigen Besucherzahlen in Großdiskotheken ab Mitte der Neunziger nieder. „Das haben wir natürlich auch gemerkt“, bestätigt Lohmann. Ende 2004 überlegten die Capitol-Betreiber sogar, „das ganze Thema zu beenden. Da standen wir wirklich kurz davor, denn die Verluste, die wir uns da jedes Jahr eingefahren hatten, waren einfach zu hoch.“ Doch mit einem stark veränderten Kostenmanagement und frischen Konzepten startete das Veranstaltungszentrum im vorigen Jahr neu durch.

Vorbei ist damit die Zeit der gewöhnlichen Disco-Kost, stattdessen setzt das Capitol auf Motto-Nächte. Die ToteÄrzteHeldenScherbenStiller-Partys (TÄHSS) laufen seitdem genauso erfolgreich wie die Ü40-Veranstaltungen. „Das ist der Renner vor dem Herrn“, freut sich Michael Lohmann und verweist auf weitere Neuigkeiten im Programm. So findet ab dem 16.9. auch die Partyreihe Sympathy For The Devil im Capitol statt, im Oktober soll zudem unter dem Namen Queer ein neues Event für Schwulen und Lesben an den Start gehen.

Die offizielle Feier zum 20-jährigen Jubiläum steigt übrigens am 23. September. Rund um die Cover-Band Hausarrest wird sich dann eine vierstündige Jam-Session entwickeln, zu der auch diverse bekannte Musiker aus der hannoverschen Szene stoßen dürften. Nach Mitternacht sollen schließlich sämtliche DJs der Capitol-Geschichte abwechselnd auflegen. „Das soll sich eigendynamisch entwickeln und ein netter Abend werden, an dem wir zeigen wollen, was wir in den letzten 20 Jahren gemacht haben“, erklärt Michael Lohmann.

www.capitol-hannover.de
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