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Orange bei den Scouting Days im Big House Studio
Ein Blick hinter die Kulissen
von Andreas Haug, Fotos: Brigitte Haug Zweimal im Jahr veranstaltet das hannoversche Big House Studio die Scouting Days. Die Aufnahmetage für Bands und Solisten werden von den Organisatoren als eine Form von Talentsichtung präsentiert, ohne dass "Versprechungen auf Plattenfirmen oder sonstige Gewinne" gemacht werden, wie es in der offiziellen Info heißt.
Im Rahmen dieser Scouting Days spielen die teilnehmenden Bands in der Regel während einer 60-minütigen Live-Aufnahmesession über weitestgehend bereitgestelltes und sound-gechecktes Equipment so viele Titel ein, wie sie in der Zeit möchten oder schaffen.
Im Anschluss folgt ein rund 20-minütiges Gespräch mit dem betreuenden Produzenten über die Musik, die Stärken und Schwächen der Songs, der Arrangements und den Perspektiven mit der jeweiligen Musik zu "landen". Die Bands bezahlen eine Teilnahmegebühr/Studiokosten von insgesamt 115 Euro und erhalten in jedem Fall eine CD ihrer Aufnahmen im Big House zu freien Verwendung, unter Umständen kann auch ein Kontakt zur Musikindustrie über die Schiene Produzent / A+R der Plattenfirma zustande kommen.
Wir haben die hannoversche Alternative-Funk-Grunge-Rockband Orange vor Ort bei den Scouting-Days beobachtet.Freitag, 4. April kurz vor 19.00 Uhr... Fliegender Wechsel bei den Scouting Days. Während die Musiker der aus dem fernen Stuttgart angereisten Vorgänger Band ihre Instrumente aus dem großen Aufnahmeraum des Big House-Studios räumen, trudeln die Jungs von Orange ein. Im Regieraum findet noch das Produzenten-Gespräch mit den Stuttgartern statt, CDs werden gebrannt, also noch ein bisschen Zeit für Orange zum Entspannen und zur mentalen Einstimmung auf die bevorstehende Live-Aufnahmesession. Entpannt im Studio vorbereiten Das Bighouse-Studio verfügt über großzügige, gemütlich eingerichtete Aufenthaltsräume. Bequeme Sofas, Fernseher mit Videorekorder, Hifi-Anlage. Das alles macht einen sauberen, aufgeräumten Eindruck. Während in der Küche frischer Kaffee durchläuft, schnappen die Orange Musiker Olli, Peter und Stylo noch ein wenig frische Luft auf der Dachterasse, auf der man bei ganz schönem Wetter auch noch Grillen kann. "Wir haben für heute Abend gleich zwei Stunden gebucht", verrät Stylo. "Die Verlängerungsstunde ist zu einem günstigeren Kurs machbar, wir zahlen für zwei Stunden 200 Euro, da sollte was zu schaffen sein", erklärt der Sänger. Mit dem Ziel, evtl. einen "großen Plattendeal" an Land zu ziehen sind Orange nicht angetreten. "Für uns stellt sich die Frage, ob das überhaupt erstrebenswert ist, wir wollen einfach neue Songs in guter Qualität aufnehmen. Vielleicht eignet sich das Material dann ja für die nächste CD", meint Stylo, der es sich daraufhin in einem Sessel bequem macht um noch an einigen Textpassagen zu feilen. Soundcheck Im Aufnahmeraum sind derweil Gitarrist Thorsten und Drummer Martin damit beschäftigt ihr Equipment aufzubauen bzw. das bereitgestellte Schlagzeug mit eigenen Becken und Snare-Drum zu bestücken. Olli probiert verschiedene Kofferverstärker aus, die das Studio zur Verfügung stellt, Peter checkt seinen Bassverzerrer, nutzt aber auch die Bassanlage des Big House-Studios, Stylo macht sich mit der engen, nach vorne hin offenen Gesangskabine vertraut. Ins Auge fällt sofort ein SM 58-Mikrofon in der Gesangskabine. Auf Konzertbühnen ein gewohnter Anblick aber im Studio nimmt man doch in der Regel ganz andere, wesentliche höherwertige, spezielle Gesangsmikrofone... Doch hier und heute ist alles live im Großen Aufnahmeraum, da muss man auch das Übersprechen der Signale auf die Mikrofone in Kauf nehmen, d.h. auch auf dem Kanal für den Gesang hört man im Hintergrund Schlagzeug und ein wenig Gitarre. Akustik-Trennwände z.B. vor dem Schlagzeug fehlen ebenfalls. Es ist eine Situation beinahe wie auf der Bühne, nur dass Floor-Monitore fehlen, die Musiker sich im Kreis aufstellen und sich sowohl untereinander als auch mit dem Mann im Regieraum über die Mikrofone/Kopfhörer verständigen. Aufnahmen unter der Regie von Jochen Wollenhaupt Der Mann im Regieraum ist Toningenieur und Produzent Jochen Wollenhaupt, ein ruhiger, freundlicher Mann, der sich nicht groß einmischt, aber stets den kompletten Überblick über das Geschehen zu haben scheint. Es werden nochmals kurz die einzelnen Instrumente und der Monitor-Sound auf dem Kopfhörer gecheckt, dann geht es los. Orange machen einen gut vorbereiteten Eindruck, spielen routiniert einige neue Songs in verschiedenen Varianten ein. Zwischen den Songs erfolgt eine kurze Abstimmung mit Jochen dann geht es gleich weiter mit der nächsten Nummer. Große Soundspielereien gibt es nicht. Ein einmal eingestellter Grundsound am Mischpult wird auch für die kommenden Stücke beibehalten. Wo nötig, wird noch ein wenig Kompression nachgeregelt, Hall nachgelegt oder die Lautstärkeverhältnisse angepasst. Orange scheinen sich wohl zu fühlen im Aufnahmeraum. Der Raum verfügt über Tageslicht (große Dachluke) und wirkt mit seinen Säulen, Schrägen, den weiß getünchten Wänden und dem Parkettfußboden warm und gemütlich. Auch im Aufnahmeraum steht eine Grünpflanze und hinten in der Ecke befindet sich ein Sofa zum Lümmeln. Musiker, die besonders stimmungsabhängig von den äußeren Gegebenheiten sind in denen sie arbeiten, finden im Big House Studio eine ausgesprochen heimelige Atmosphäre vor. Dort möchte man sich gern mal für ein paar Tage einmieten um in Ruhe tage-und nächtelang an der neuen Platte zu basteln " wenn man sich´s nur leisten könnte, denn das Studio ist im Vergleich nicht gerade billig. Während der Scouting-Days können sich Bands für einen Zeitraum von ein bis drei Stunden anmelden. Eine Stunde kostet 115 Euro, zwei Stunden 200 Euro und für drei Stunden muss die Bandkasse 280 Euro ausspucken. Bei drei Stunden kommt man da schon so langsam in die Größenordnung von Tagespauschalen anderer, wenn auch kleinerer Studios, dafür ist der Tonmann inklusive und die Qualität entsprechend gut. Orange spielen gerade ihren neuen Song "Circles", wir hören die Musik im Regieraum und sind positiv überrascht. Wenn der reine Live-Sound so auf CD kommt, genügt das allemal höheren Demo-Ansprüchen. Bass und Schlagzeug klingen fett, die Gitarren trocken und satt und selbst die Befürchtung, der Gesang könnte über das SM 58 nicht klingen, erweisen sich als unbegründet. Das Gesamtklangbild ist warm und organisch. Das klingt nach Band, nach Musikern die live spielen. "Eine Abmischung gibt es nicht mehr. Die Songs werden so wie sie jetzt sind, auf CD gebrannt", erklärt Jochen Wollenhaupt. Das Produzentengespräch Nach zwei Stunden ist für Orange Feierabend. Konzentriert aber dennoch locker hat man das Pensum erreicht, was man erreichen wollte, nun folgt-während die CD gebrannt wird und sich im Aufnahmeraum schon die nächste Band vorbereitetet- das Produzentengespräch zwischen den Orange Musikern und Jochen Wollenhaupt. Jochen erklärt die derzeitige Situation in der Plattenindustrie. "Die Plattenfirmen sind mit neuen Signings derzeit sehr zurückhaltend, alle warten, dass neue, frische, individuelle Musik kommt." Obwohl Orange alles andere als alt und verbraucht sind, basiert ihre Musik auf Grunge-und Alternative-Rock, wie man ihn in ähnlicher Art schon seit Jahren vom internationalen Markt kennt. "Ich denke nicht, dass ihr derzeit große Chancen auf einen Deal habt, bitte versteht mich nicht falsch, aber die Plattenfirmen haben eure Musik sozusagen im Original von internationalen Künstlern, da besteht dann kaum Bedarf einen weiteren Act aus Deutschland unter Vertrag zu nehmen." Jochen attestiert Orange eine gute Qualität: "Die Stücke sind gut durchkomponiert, das Zusammenspiel stimmt, dein Gesang ist gut, Stylo. Was das Arrangement der beiden Gitarren betrifft könnte man an manchen Stellen noch ein bisschen arbeiten. Zeitweise seid ihr häufig in der gleichen Tonlage, das könnte man noch interessanter gestalten." Scouting Days=Türöffner zur Musikindustrie " Was es denn für Möglichkeiten für Bands gibt, über die Scouting Days einen Kontakt zur Musikindustrie herzustellen und ob er der Schlüssel ist, der die Türen zu öffnen vermag, wollten wir von Jochen wissen. "Als Produzent verfügt man natürlich über Kontakte zu Plattenfirmen und deren Artist & Repertoire-Managern. Man wird ab und zu gefragt, ob man einen interessanten Act kennt den man aufgenommen hat. Es wird auch das Interesse an einzelnen Songs bekundet", erzählt Jochen. "Bei einer der letzten Scouting-Days Veranstaltungen habe ich die Aufnahmen einer Band hier aus Niedersachsen ein Plattenfirma vorgestellt. Die hatten dann Interesse daran, einen bestimmten Song dieser Band neu und mit einem anderen Gesang zu produzieren und zu veröffentlichen. Die Nachwuchsband hätte da nicht wenig Geld für bekommen aber trotzdem weiterhin die Rechte an dem Song behalten. Sie hätten ihn jederzeit selbst in irgendeiner Form veröffentlichen können. Die Band hat den Deal allerdings abgelehnt. Warum, das war uns allen ein Rätsel" Zweimal im Jahr veranstaltet das hannoversche Big House Studio die Scouting Days. Die Aufnahmetage für Bands und Solisten werden von den Organisatoren als eine Form von Talentsichtung präsentiert, ohne dass "Versprechungen auf Plattenfirmen oder sonstige Gewinne" gemacht werden, wie es in der offiziellen Info heißt. Im Rahmen dieser Scouting Days spielen die teilnehmenden Bands in der Regel während einer 60-minütigen Live-Aufnahmesession über weitestgehend bereitgestelltes und sound-gechecktes Equipment so viele Titel ein, wie sie in der Zeit möchten oder schaffen. Im Anschluss folgt ein rund 20-minütiges Gespräch mit dem betreuenden Produzenten über die Musik, die Stärken und Schwächen der Songs, der Arrangements und den Perspektiven mit der jeweiligen Musik zu "landen". Die Bands bezahlen eine Teilnahmegebühr/Studiokosten von insgesamt 115 Euro und erhalten in jedem Fall eine CD ihrer Aufnahmen im Big House zu freien Verwendung, unter Umständen kann auch ein Kontakt zur Musikindustrie über die Schiene Produzent / A+R der Plattenfirma zustande kommen. Wir haben die hannoversche Alternative-Funk-Grunge-Rockband Orange vor Ort bei den Scouting-Days beobachtet. Bei der ein oder anderen Band sollte es sogar dazu reichen, die Aufnahmen als Bonus-CD oder Live-im-Studio-EP zu verkaufen. Surftipps zum Thema: www.scouting-days.de www.bighouse.de |
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