| Rockszene.de Interviews |
Anja und Zotte von Muff im Gespräch
Emergenza, New Sensation und viele Gigs
von Andreas Haug Den harten Weg gehen, so oft wie es geht Live spielen wo man kann aus Liebe zur Musik, Basisarbeit leisten, sich für nichts zu schade sein, an sich arbeiten und somit langfristig Erfolg haben, ohne dass es an Spaß und Rock ´n Roll Party mangelt.Die Band Muff ist in den vergangenen Monaten auf diese Weise ziemlich weit nach vorn gekommen. Zunächst der Emergenza-Sieg in Hannover im Jahr 2003, sehr gutes Abschneiden im Europafinale im Rahmen des Taubertal Open Airs, Gewinner weiterer regionaler Bandcontests, sehr, sehr viele Gigs in Deutschland, ein eigenes Technikteam und als vorläufiger Höhepunkt der 1.Platz beim diesjährigenNew Sensation-Wettbewerb, der mit einer Studioproduktion im Wert von 30.000 Euro dotiert ist, die es jetzt im renommierten Peppermint Park einzulösen gilt. Ein Interview mit Muff auf Rockszene.de war schon lange fällig Hier ist es. Rockszene.de: Bei Muff fällt mir auf, dass ihr unheimlich viel unterwegs seid, in diesem Jahr beinahe jedes Wochenende auf irgendwelchen Bühnen zu sehen seid. Wie wichtig ist für euch das Live spielen und vor allem, wie kommt man an diese vielen Gigs ran ? Bucht ihr die selbst oder habt ihr mittlerweile eine Agentur, die das für euch übernimmt ? Zotte: Live spielen ist für uns unheimlich wichtig. Die Konzerte sind bis zum jetzigen Zeitpunkt die einzige Basis, da wir noch keine richtige Platte haben. Außerdem trainiert das ungemein, man lernt den Umgang mit dem Publikum. Anja: Ja, und es macht auch am meisten Spaß Zotte: Genau. Eine Agentur haben wir offiziell nicht, die Gigs buche ich schon alle selbst, das ist echt viel Arbeit. Es muss viel telefoniert werden, Kontakte aufgebaut und gepflegt werden, aber auch das macht an manchen Stellen Spaß, wenn man merkt, dass alles irgendwie wächst und man vorankommt. Über Rainer Schumann, den Drummer von den Furys, haben wir Kontakt zu einer Agentur in Holland bekommen, die uns einige Gigs dort besorgt hat, allerdings ohne festen Agenturvertrag. Dort spielen wir demnächst so rund fünf bis sechs Shows. Seit unserem sehr erfreulichen Abschneiden beim Emergenza-Festival 2003 kommen aber auch einige Angebote von selbst. Was die Open-Airs, die zum Beispiel in diesem Sommer gelaufen sind angeht, sind die Leute auf mich zugekommen. Rockszene.de: Stichwort Emergenza. Ihr hattet ja das Regionalfinale in Niedersachsen gewonnen und habt einen der vorderen Plätze beim Europafinale des Bandcontests auf dem Taubertal-Open-Air belegt. Soweit ich informiert bin, haben sich für euch im Zuge dessen gute Kontakte, vor allem auch zu den Emergenza-Machern ergeben. Kann man sagen, dass für euch Emergenza sehr von Nutzen war ? Wie wirkt sich das aus ? Zotte: Ja, definitiv. Für uns war es früher fast unmöglich, in Hannover irgendwelche Gigs zu bekommen, außer vielleicht mal im Nashville bei einem Berenstark-Abend, das war aber auch nicht schlecht für die damalige Zeit. Durch Emergenza hat sich dann einiges gerührt. Der Veranstalter hat dann auch gesehen, dass bei unseren Auftritten auch einige Leute kommen und so sind wir verstärkt an weitere Gigs rangekommen. Außerdem haben wir von Sergio (von Mostar Promotions, Dortmund Emergenza-Veranstalter für Niedersachsen und Rhein/Ruhr d.Verf.) jede Menge Hilfestellung bekommen, was die Entwicklung der Band angeht. Er hat gesagt, wo es fehlt, wo es hapert, wo was wie besser gemacht werden kann und so kamen wir auch erst auf den Gedanken, uns mit dem Thema Bühnen-Choreographie eingehender zu beschäftigen. Dann haben wir angefangen jedes Konzert mit einer Kamera aufzunehmen, uns in den Übungsraum vor den Spiegel gestellt und uns überhaupt mal Gedanken gemacht, wie das aussieht und wirkt, wenn wir spielen und so konnten wir dann auch New Sensation (Bandcontest von Radio ffn, den Muff im Sommer 2004 in Hannover gewannen d.Verf.) bestehen (lacht). Rockszene.de: Anja, du bildest als Sängerin und Frontfrau gemeinsam mit deiner Gesangspartnerin Sunny eine tragende Rolle, was die Choreographie, die Bühnenshow bei Muff angeht. Habt ihr ein professionelles Coaching bekommen, hat ein Choreograph/in euch dabei geholfen ? Anja: Wir machen das schon selber. Einen Choreographin oder Coach hatten wir nicht. Wir hatten uns in der Band überlegt, was das Interessante ist und das sind offensichtlich zwei Frauen und wir hatten uns gedacht, dass wie wir uns hinter der Bühne benehmen auch auf die Bühne bringen. Die Bewegungen haben Sunny und ich untereinander abgestimmt, es gibt Eckpfeiler in der Show an die wir uns halten, damit es einen sortierteren Eindruck macht, eine richtige Choreographie würde ich das aber nicht nennen. Aber man muss das schon untereinander koordinieren, wenn zwei Leute auf der Bühne rumrennen, sonst rennt man sich um oder es gibt Kabelsalat oder ähnliches (lacht). Rockszene.de Macht ihr neben den eigentlichen Bandproben extra Trainings was diese Dinge angeht ? Anja: Nein, wir machen das alles mit der Musik. Wir schauen in die Texte, überlegen was an Bewegungen passen könnte. Schließlich haben wir viel Spaß beim Proben, springen durch die Gegend und einer sagt dann, hey das sah richtig gut aus und dann nehmen wir den Bewegungsablauf für den Song. Spiegel haben wir aber auch aufgestellt um zu gucken, ob das auch mit der Band hinter uns passt. Zotte: Das war richtig Arbeit diese Zeit. Wir waren wirklich acht Stunden im Proberaum und dann voll Attacke, immer und immer wieder das war richtig Hochleistungssport. Anja: Aber das trainiert. Da bekommt man gleich mal ein bisschen mehr Ausdauer... Zotte: ....Und das hat Spaß gemacht. Das hat schon richtig gerockt (lacht) Rockszene.de: Eure Bühnenshow weckt ja schon Erinnerungen an diese Sex ´n Drugs ´n Rock´n Roll Klischee Kiste. Insoweit kommt ihr ja wie eine echte Rock ´n Roll Band rüber. Ist das im Rahmen der Show eine Illusion für´s Publikum oder sind Muff auch im wirklichen Leben so: Rock ´n Roll, Party, On-the-Road-sein ....? Anja: Das ist sowas von echt (lacht). Es ist wirklich so, dass wir das was wir hinter der Bühne sind, so auch auf die Bühne bringen wollen. Das ist nicht gestellt, das ist wirklich echt. Auch on the road ist das eigentlich immer voll Attacke. Ein bisschen unmöglich, ein bisschen derb aber nett. Wir machen nichts kaputt...wir sind nur ein bisschen... Zotte: Aber du schon....(grinst) Anja: Aber nicht mit Absicht...(grinst) Rockszene.de: Ihr seid aber auch Backstage eine ordentliche Partyband, ihr seid gute Kumpels und feiert auch mal gern bei den Gigs... Zotte: Das hatte auch ein Jury-Mitglied (der Name ist der Redaktion bekannt) des New-Sensation-Wettbewerbs im Vorfinale in Holzminden so beeindruckt. Der hatte unseren Auftritt nicht gesehen und uns nur Backstage erlebt, der war zu spät da und sagte zu einem anderen Jury-Mitglied (der Name ist der Redaktion ebenfalls bekannt): Das ist ´ne Band ! Die will ich haben ! Das ist nicht so eine Rumgeweicheierei sondern richtig Rock ´Roll. Die brauch ich! (lacht) Rockszene.de: Ihr habt ja den New-Sensation-Wettbewerb beim Finale im Rahmen des Maschseefestes in Hannover gewonnen und diesen sensationell hoch dotierten Preis in Form eines Pop-Stipendiums von 30.000 Euro gewonnen, die wohl in erster Linie in eine Studioproduktion fließen sollen. Das war Ende Juli. Was hat sich konkret ergeben ? Zotte: Gekoppelt ist dieser Gewinn in irgendeiner Weise an den Peppermint Park und das Studio. Die Studiowahl bleibt quasi aus, das hat uns streckenweise, ich sage es mal so, nicht behagt, weil wir nicht unbedingt eine Band für den Peppermint Park sind. Die Aufnahmen sollen mit Wolfgang Sick, also Peppermint Park, und deren Produzenten und Toningenieuren laufen. Da kann aber schon was Interessantes bei rauskommen, was dann sicher nicht in der Masse untergeht, ich denke das ist schon recht anständig. Anja: Ja, das wird bestimmt eine gute Zusammenarbeit und das ist wichtig, dass man auf einem netten und guten Level was zusammenmacht. Zotte: Wir haben uns da auch schon ein wenig im Peppermint orientiert und haben gemerkt, mit welchen Leuten es Spaß gemacht hat. Rockszene.de: Welche Produzenten waren das ? Zotte: Nils und Stavros. Die eigentlich mehr in Remixen machen, sie sind aber unheimlich interessiert. Anja: Die verstehen auch unsere Musik, weil sie so was in der Richtung auch gern hören, haben ähnliches wohl noch nicht gemacht, gehen da aber mit sehr viel Enthusiasmus ran und das ist natürlich viel wichtiger, als jemand der von vornherein sehr festgefahren in seiner Arbeitsweise ist. Rockszene.de: Warum hat euch anfangs der Gedanke an das Peppermint nicht behagt ? Das ist doch ein international renommiertes Studio... Anja: Weil in den Bedingungen stand, dass wir das einfach dort machen müssen. Zotte: Und weil es eigentlich kein wirkliches Rock-Studio ist, da wäre ein Studio wie das Horus in Hannover aus unserer Sicht zunächst naheliegender gewesen, andererseits ist das Peppermint ein richtig gutes Studio mit den richtigen Leuten und dem richtigen Engagement. Anja: Und vom Equipment dort kann man ja nun wirklich nicht meckern. Das ist 1 A, das Studio hat halt nur nicht das typische Rock-Ambiente. Rockszene.de: Sind schon Termine für die Aufnahmen angedacht ? Zotte: Angedacht ist so ab Mitte Dezember. Rockszene.de: Gab´s sonst Feedback im Zuge New Sensation ? Zotte: Es sind einige Leute sehr interessiert am Thema Muff. Fabian Schulz zum Beispiel, dann das Management von den Furys, die holländische Agentur MBM, die uns die bereits erwähnten Gigs in Holland gebucht hat, Henning Rühmenapp (Guano Apes Gitarrist und Teilhaber des Horus Studios-d.Verf.) und Frank Bornemann haben sich auch gemeldet, bei denen waren wir auch, aber das hat sich dann schnell zerschlagen, wegen der Kopplung des Gewinns an Peppermint Park. Rockszene.de: Wisst ihr schon, wie viele Tage Aufnahme-/Produktionszeit ihr für die 30.000 Euro haben werdet ? Zotte: Ich hatte gerade heute mit Wolfgang Sick gesprochen, er sagte ein festgelegtes Limit würde es in dem Sinne nicht geben, wir würden da schon mit einer ordentlichen Platte rausgehen. Rockszene.de: Aber es ist sichergestellt, dass ihr nichts draufzahlen sollt ? Zotte: Ja, also...das werden wir sicherstellen. Das wird ja alles noch schriftlich fixiert. Rockszene.de: Habt ihr Kontakte zu Leuten, die euch auch in diesen rechtlichen Dingen beraten, gerade wenn es jetzt verstärkt um Verträge bei euch geht, einen Musikanwalt, Manager oder dergleichen ? Zotte: Wir müssen, wir müssen zum Anwalt das ist klar, ich habe auch einen an der Hand, denn ich bin der Meinung, man muss Verträge gerade auch im Musikbereich prüfen lassen. Rockszene.de: Inzwischen habt ihr euch ja auch ein gutes Umfeld aufgebaut, im technischen Bereich ist das ja Martin Kühlechner von Sound At Stage hier in Hannover, der euer fester FOH-Mann ist. Wie wichtig ist ein fester Soundmann für euch und ist Martin auch noch in andere Dinge bei euch involviert abgesehen vom reinen Mischen bei Konzerten ? Anja: Er ist sechstes Bandmitglied.... Zotte: Ja, sechstes Bandmitglied. Er hat schon Einfluss, zum Beispiel auf die ganzen Effekte, er hat Gesangseffekte kreiert nach eigenem kreativen Denken, dass die richtigen Delays an den passenden Stellen im Song sitzen...hat auch eingegriffen in die Gitarre....was auch immer etwas teuer ist (lacht) Rockszene.de: Wie ist das zu verstehen ? Anja: Kauf mal Dies kauf mal Jenes.... Zotte: Es muss immer Sennheiser sein, was Mikros angeht, die DI-Box für meine Gitarre, die ich habe, die passiv sein muss, irgendwie handgebaut, die kostet auch mal eben 460 Euro. So ist das eben mit einem Tontechniker, der möchte immer alles vom Feinsten haben. Rockszene.de: Also ist demnach auch Backline-Beratung inbegriffen... Zotte: Ja, natürlich. Der hat auch schon einen Bass zerlegt, damit er klingt. Die Elektronik ausgebaut. Martin gibt sich schon größte Mühe. Er kommt auch mit zu den Coachings, wir haben jetzt demnächst das mehrtägige Musikercamp in Celle, da ist er auch dabei, fünf Tage rund um die Uhr boff, einfach weil der dabei ist. Was weiterhin schön ist: Sound At Stage ist ein Team, viele Mischer, kann einer nicht, kommt der nächste, die sind auch eingewiesen, alle kennen uns inzwischen und das ist einfach ein schönes Arbeiten mit den Jungs. Rockszene.de: Wie ist der Kontakt zu Martin und Sound At Stage zustande gekommen ? Zotte: Durch Emergenza. Martin hat uns da am Monitorpult betreut und kam nach unserem Sieg zu uns und meinte: Hey, ich will euch mischen. Rockszene.de: Ihr spielt ja fast jeden Gig. Teilweise in einem sehr professionellen Ambiente, dann auch wieder ganz ganz kleine Konzerte unter einfachsten Bedingungen.... Anja: Wir spielen auch ohne Bühne oder auf dem Bürgersteig (lacht) Zotte: Einfach aus Liebe zu unserer Musik. Jeder Gig ist wichtig und manchmal entwickeln sich gerade aus den kleinsten Gigs die größten Kontakte, das ist meine Erfahrung. Die Fury-Geschichte bei deren alljährlichen Fußballturnier in Fulde zum Beispiel, wo wir in letzter Sekunde reingerutscht sind. Wir hatten an dem Tag schon einen Gig auf einer Party sind dann dort hingefahren und haben auf einem Fußballplatz nachts um halb eins gespielt, die Leute schon völlig durchgezecht und ich dachte, wir könnten hier keinen mehr dazu bewegen, Spaß zu haben und dann sind wir auf diese weiß beleuchtete Bühne rauf...und das hat so einen Spaß gemacht, da waren lauter 50-Jährige, die haben das dermaßen abgefeiert und dort kam dann auch der Kontakt zu den Leuten der holländischen Agentur zustande, die auch auf dieser Party waren. Rockszene.de: Der althergebrachte Weg, sich das Publikum praktisch durch viele Gigs und durchs Tingeln zu erspielen ist es heute auch noch ? Würdet ihr das jüngeren Bands empfehlen, die noch nicht so weit sind wir ihr, aber auch mal in die Richtung wollen, um nach vorne zu kommen ? Zotte: Ich glaube, anders geht es doch gar nicht. Anja: Ich denke, am Anfang darf man sich auch für nichts zu schade sein. Es ist halt so, da muss man durch, es ist eben der harte Weg und ich finde diesen Weg den besten, man bekommt auf diese Weise am meisten Erfahrung. Zotte: Wir lernen auf jeder Bühne, mit jeder Anlage, sei es in einer riesigen Halle wie die Live-Music-Hall in Köln vor 20 Leuten oder vor 1000 man muss es alles können und von daher macht es Sinn: Spielen wo man kann. Anja: Und ich halte es für wichtig, eine Fanbase aufzubauen. Wir würden auch jeden noch so kleinen und einfachen Gig annehmen, wenn der in einer Gegend ist, in der wir noch nicht waren, dann müssen wir da hin. Man muss sich so ein bisschen wie die Krankheit über´s Land ausbreiten (grinst) Rockszene.de: Wollt ihr euch langfristig einen Status erarbeiten, der es euch ermöglicht, von der Musik leben zu können ? Ist Vollprofitum angestrebt ? Anja und Zotte: Ja, absolut, auf jeden Fall Rockszene.de: Dann wünsche ich weiterhin viel Erfolg mit Muff und danke für das ausführliche Gespräch. Anja und Zotte: Auch von uns vielen Dank Muff im Netz unter: www.muff-band.de |
| zurück |