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Rockszene.de Interviews

Sebastian Lindner von Sometree im Gespräch
Vor dem Start der Europatour im Herbst 2004
von André Bromberger

Sebastian Lindner von Sometree im Gespräch-Vor dem Start der Europatour im Herbst 2004Sometree aus Hannover haben sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp der alternativen Musikszene zu einer der innovativsten und eigenständigsten deutschen Gitarrenbands entwickelt. Ihre packenden Livequalitäten sind unbestritten, ihre Veröffentlichungen, speziell das erfolgreiche, aktuelle Album „Moleskin“, stehen für eine Mischung aus vertrackten, melancholischen Stücken mit durchdachten Wutausbrüchen.

Kurz vor dem Start ihrer Europatour Mitte September sprachen wir mit Sometree-Gitarrist Sebastian Lindner über die Stimmung innerhalb der Band, Songwritingprozesse und Publikumsreaktionen in Hannover.
Rockszene.de:
Mitte September steht bei Euch eine weitere Tour ins Haus, die Euch, neben in Clubs in deutschen Städten, auch nach England und Belgien führen wird. Wie ist die Stimmung dazu bei Sometree ?

Sebastian Lindner:
Eigentlich ganz gut. Zum Einen sind wir mit Marr unterwegs, was bestimmt viel Spaß bedeutet, zum Anderen zum ersten Mal allein in England unterwegs. Wir spielen in Margate und Glasgow, beides kennen wir schon und beides ist irgendwie besonders. England ist einfach auch etwas mehr Abenteuer als zum Beispiel Deutschland. Es ist alles etwas unkalkulierbarer.

Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich schon auf die Zeit nach der Tour freue. Wir wollen uns dann eigentlich auf eine neue Platte konzentrieren.

Rockszene.de:
Eure Musik zu beschreiben ist nicht leicht, im Musikbusiness wird jedoch immer in Schubladen und wirren Stilbezeichnungen gedacht. Fällt Dir eine Bezeichnung für die Musik von Sometree ein ?

Sebastian:
Wenn mich jemand fragt, sage ich eigentlich immer: wir machen laute Schlagzeugmusik mit noch lauteren Gitarren – das ist eine recht vage Antwort, aber das Ganze näher einzugrenzen vermag ich nicht. Dazu bin ich vielleicht einfach zu dicht dran.

Rockszene.de:
Beschäftigt man sich intensiv mit Euren bisherigen Alben, fällt immer wieder auf, wie detailliert und clever Eure Songs arrangiert sind. Wie lange braucht Ihr im Schnitt für einen komplett fertiggestelltes Lied ?

Sebastian:
Das ist ganz unterschiedlich. Es kann sein das ein Song innerhalb einer Probe fertig ist. Das ist allerdings eher selten der Fall. Es kann auch mal sein, dass es einen Monat dauert, oder wir zwischenzeitlich an einem anderen Song weiterarbeiten. Das hauptsächliche Augenmerk liegt dann häufig darauf, den Song auf den Punkt zu bekommen und ihn so zu arrangieren, dass er jeden in der Band irgendwie anschockt.

Rockszene.de:
Habt Ihr textlich ein spezielles Konzept oder schreibt Euer Frontmann Bernd über unterschiedlichste Themen ?

Sebastian:
Wenn du das Konzept auf inhaltliche Dinge beziehst, so glaube ich nicht, dass es eins gibt. Es gibt verschiedene Themen. Das vermute ich zumindest. Bernds Texte sind nichts was innerhalb der Band zur Diskussion steht. Das ist sein Ding und wir anderen handhaben es wie jeder Zuhörer es kann; wir ziehen uns inhaltlich das raus was wir zu hören meinen. Natürlich wissen wir bei einigen Songs worum es geht, aber wie gesagt, nicht bei allen.


Rockszene.de:
Musikmagazine wie zum Beispiel die Visions haben Euch bislang nur mit Lob überhäuft und Euch bestimmt auch zu mehr Aufmerksamkeit verholfen. Meinst Du, Ihr wärt auch ohne diesen Support da, wo Ihr momentan steht ?

Sebastian:
Schwere Frage. Der von Dir angesprochene Support war und ist mit Sicherheit wichtig. Den hatten wir in recht vielen Magazinen. Ich weiß jedoch nicht, ob der ausschlaggebend dafür ist wo eine Band steht. Es gibt genügend Beispiele wo Bands sich einfach eine große Promoagentur leisten, die die Band dann überall reinbringt, dann spielt die Band ´ne Tour und das wars dann.
Ich denke, bei uns hat es einfach auch viel mit unserer Livepräsenz zu tun. Wir spielen seit vielen Jahren konstant sehr viele Konzerte. Zumindest für unsere Verhältnisse. Wir haben uns einfach auch sehr viel über die Konzerte erarbeitet und ich denke, das ist dann im Endeffekt fast noch einen Tick wichtiger als viel Presse. Die beschränkt sich oft auf die Zeit kurz nach Veröffentlichung. Live spielen findet aber das ganze Jahr statt.


Rockszene.de:
Sometree sind ziemlich oft on the road, so seht ihr eine Menge Clubs und Städte. Gibt es generell, grob gefragt, einen enormen Unterschied zwischen Hannover und einem anderen Ort, wo Ihr schon aufgetreten seid (Publikumsreaktionen, Szene) bzw. ist in Hannover irgendetwas besonders speziell (positiv oder negativ), wenn Ihr hier auftretet ?

Sebastian:
Es ist ja kein Geheimnis, dass Hannover, trotz der Tatsache, dass es unsere Homebase ist, nicht der allerbeste Liveort für uns ist. Hamburg, Berlin sind da ganz weit vorn. Das Publikum dort reagiert anders und ist meiner Meinung nach etwas begeisterungsfähiger. Das Hannoveraner Publikum erscheint mir manchmal etwas reservierter zu sein. Das ist eine Erkenntnis, die auch von vielen anderen Bands, die nicht aus Hannover kommen über das hiesige Publikum gesagt wird.

Surftipp zum Thema:
www.sometree.de
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