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Rockszene.de Interviews

Mother Tongue im Gespräch
Aktuelles und Amüsantes zur Tour 2004
von André Bromberger

Mother Tongue im Gespräch-Aktuelles und Amüsantes zur Tour 2004Mother Tongue sind für ihre fesselnde Bühnenperformance bekannt und obwohl retro, schafft die Band dennoch den Brückenschlag zur Moderne.
Rock, Blues Soul und Funk – bei Mother Tongue klingt Hendrix, Doors, Led Zeppelin genauso durch wie beispielsweise Red Hot Chili Peppers oder Rage Against The Machine. Auch in Hannover hat sich die US-Band mittlerweile ein treues Publikum erspielen können, wenn Mother Tongue im Faust zu Gast sind, zählen die Konzerte zu den Höhepunkten der Saison.

Wenige Tage vor dem Start ihrer Sommertour durch Europa sprach André Bromberger mit Mother Tongue-Gitarrist Bryan Tulao über die Pläne und Erwartungen der vier Kalifornier. Nicht immer gab es direkte Antworten auf unsere Fragen, weswegen das Interview aber nicht minder unterhaltsam ausgefallen ist.
Rockszene.de:
Hallo Bryan,
Mother Tongue stehen kurz vor dem Beginn ihrer Sommertour durch Europa. Wie ist die Stimmung innerhalb der Band ?

Bryan Tulao:
Wir zählen förmlich die Minuten bis zur Tour, sind sehr gespannt und wollen zum Teufel hier mal raus aus L.A. für ein paar Wochen. Ich selber lebe fürs Touren, wenn es nach mir ginge, würde ich niemals mehr heimkommen und jeden Abend Konzerte spielen. Vielleicht sage ich dieses Mal ja „Fuck it“ und bleibe mit den Jungs einfach für immer weg…dann seht ihr mich irgendwo mit ´nem Marshall-Amp auf der Straße stehen und hungern !

Rockszene.de:
Soweit wird es hoffentlich nicht kommen…
Eure neue Veröffentlichung ist ein Minialbum namens „Now or never“. Warum dieser konsequente Titel ?

Bryan:
„Now or never“ bringt eigentlich den Status innerhalb der Band auf den Punkt, wir hatten immer diese „Do or die“-Mentalität, jetzt oder nie sozusagen.
Die 4 Songs auf der EP sind ein Vorgeschmack auf das neue, bevorstehende Album, welches irgendwann ab Herbst erscheinen wird.
Falls die EP-Tracks es auf die neue Platte schaffen sollten, werden sie dann aber definitiv anders klingen. Von daher ist die EP halt ein einzigartiges „Now or never“-Ding.

Rockszene.de:
Mit dem Berliner Label Noisolution habt ihr eine kleine aber feine Plattenfirma gefunden. Diese soll „Now or never“ aber nicht veröffentlichen, was sehr ungewöhnlich ist.

Bryan:
Verglichen mit dem Rest der Musikindustrie, arbeiten wir auf Grashalmhöhe. Wir stehen halt zu unserer Attitüde, wie sie auch schon Bands wie Black Flag und Fugazi vertreten haben, dass es vorteilhafter sein kann, quasi alles selbst in der Hand zu haben.
Normalerweise haben wir ja Distribution Deals und ein cooles Verhältnis zu Noisolution aber für „Now or Never“ wollten wir etwas Spezielles machen und werden die CD direkt bei unseren Konzerten verkaufen. Ihr müsst dann also direkt auf uns zukommen, wenn ihr ein Exemplar haben wollt.

Rockszene.de:
Apropos Konzerte…ihr habt ja schon einige Male in Hannover gespielt. Wie sind denn so deine Erinnerungen an die Shows im Faust ?

Bryan:
Es gibt einige Locations und Städte auf die wir uns freuen. Faust und Hannover gehören definitv dazu, die Auftritte waren stets etwas Besonderes. Mother Tongue übernehmen gerne mal die Energie, die vom Publikum ausgeht mit auf die Bühne und die Besucher in Hannover waren in dieser Hinsicht immer sehr gut zu uns.
Außerdem erinnere ich mich an jeden Menge Rotwein und hübsche Mädels…

Rockszene.de:
In dem Visions-Magazin seid ihr von den Lesern auf den 4.Platz als beste Liveband des Jahres 2003 gewählt worden, noch vor Metallica.
Nimmt man so etwas lediglich zur Kenntnis oder ist man da richtig stolz darauf ?

Bryan:
Natürlich ist die Platzierung eine große Ehre für uns, besonders, wenn man in einem Atemzug mit Bands wie The Mars Volta oder Queens Of The Stone Age genannt wird. Dass uns die Leute mit diesen großartigen Bands in den Poll gewählt haben, hat uns sehr geschmeichelt und reflektiert, worum es in dieser Band geht.

Rockszene.de:
Speziell auf eurem letzten Album „Ghost Note“ kommen verstärkt Elemente aus den Siebzigern zum Tragen. Ich kann mir aber vorstellen, dass ihr privat auch andere Musik hört, als Sachen aus den 70s.

Bryan:
Ich bin mit viel Musik aus den Siebzigern aufgewachsen, die anderen in der Band ebenfalls aber selber höre ich auch gern PJ Harvey, QOTSA oder DJ Shadow. Eigentlich inspiriert mich alles was ich höre, ob gut, schlecht, hässlich, dunkel oder wunderschön…

Rockszene.de:
Auffällig niedrig sind die Eintrittspreise für eure Konzerte, im Schnitt bezahlt man zwischen 10 und 13 Euro für gute 2 Stunden Show. Wie lange noch ?

Bryan:
Was ? Unsere Ticketpreise sind zu niedrig ?! Verdammt, danke für die Information, ich werde sofort unseren Booker anrufen und ihm sagen, dass er die Preise in die Höhe treiben soll !! Kein Wunder, dass ich immer nur mit ´ner Tüte Gummibärchen und einer Miniflasche Jägermeister von der Tour nach Hause komme !

Rockszene.de:
Das hätte ich mir wohl lieber verkneifen sollen…
Ihr hattet in den letzten Monaten Ärger mit Sony Records. Erzähl doch unseren Lesern mal, wieso man sich mit einem Majorlabel anlegt.

Bryan:
Das Problem war, dass die anderen Bandmitglieder die Veröffentlichung meines Hip Hop-Soloalbums namens „The mystikal incantations of the Brown Wizard“ stoppen wollten. Brown Wizard ist nämlich mein Pseudonym, weißt du ?
Sie hatten halt Angst, dass meine Platte alles bisher Dagewesene von Mother Tongue in den Schatten stellen würde, so haben sie sich mit Arne von Noisolution zusammengetan und mit der Sony einen Streit angefangen, um den Release von „The mystikal incantations of the Brown Wizard“ zu verhindern.
Nein, Sony wollten unser Debüt von 1994 in einer Special Edition auf den Markt bringen, was in dieser Form Fanabzocke gewesen wäre, zumal Noisolution eigentlich eine richtige Special Edition veröffentlichen wollten, dafür aber erstmal an die Rechte der Sony kommen musste.
Ich verspüre nur Liebe für $ony Record$$$$, Gott schütze sie…
Aber trotzdem: Meine neue Soloplatte „The Brown Wizard vs. Mother Tongue“ wird kommen !!

Rockszene.de:
Du bist mittlerweile seit zehn Jahren Mitglied bei Mother Tongue. Hast du eine bestimmte Vision, die du mit der Band verfolgst ?

Bryan:
Meine persönliche Intention ist, jeden der unsere Platten hört, zu beherrschen, nein, die ganze Welt zu beherrschen.
Wenn du unsere Alben rückwärts abspielst und dir die Songs anhörst, bei denen ich singe, wirst du feststellen, dass sie von Leuten auf die Erde gebracht wurden, die viele als Aliens bezeichnen. Ich allerdings nenne sie Brüder und Schwestern.
Der Bann, der von den Stücken ausgeht, lässt den Zuhörer in eine liebliche Trance verfallen, nicht zu vergessen der Fingerzeig zur Depression, Übelkeit, Verstopfung, männlicher Ejakulation, vaginalen Orgasmen und dämonischer Besessenheit.
Naja, eigentlich gibt es kein Motiv dahinter, lediglich meine unsterbliche Langeweile.

Rockszene.de:
Nach diesen Auflügen in Überirdisches kommen wir mal wieder zur Realität. Was möchtest du den Lesern von Rockszene.de gerne noch zum Abschluss mitteilen ?

Bryan:
Ich möchte euch für das Lesen meiner Antworten danken und jeden in Hannover einladen zu einer kleinen Party, die ich im Faust-Club mit einer Band namens Mother Tongue feiern will.

Rockszene.de:
Danke für das Gespräch. Man sieht sich dann am 5.8. im Faust!

Danke an Arne von Noisolution für die Fotos.

Surftipps zum Thema:
www.mothertonguelives.de
www.noisolution.de
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