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Horus-Chef und Produzent Frank Bornemann
Gezielte Förderung talentierter Nachwuchsbands
von Andreas Haug Frank Bornemann, Produzent und Geschäftsführer des hannoverschen Horus Studios und nebenbei Entdecker der Guano Apes macht sich intensiv Gedanken darüber, was eine gezielte und effiziente Förderung talentierter Nachwuchsbands angeht.Im Interview mit Rockszene.de spricht Bornemann über die problematische Situation von Newcomern, die die ersten Schritte ins professionelle Musikgeschäft wagen, die Einstellung von Plattenfirmen zu neuen Themen und stellt dabei ein Konzept vor, wie das Team des Horus Studios, in dem neben den Guano Apes Bands wie Eat No Fish, Donots, Such A Surge, Helloween oder Victory aufgenommen haben, durch vergünstigte Studiotage verbunden mit intensiver Betreuung und Beratung durch renommierte Produzenten und Techniker sowie weiterführendem Coaching auch im Verbund mit dem zur Verfügung stehenden Creative Network von Horus, talentierten Musiknachwuchs fördern will und die ein oder andere Tür öffnen kann. Scheinprofessionalismus und Keller-Frickelei bei der mal eben ein paar Aufnahmen zusammengebastelt werden sollen, bringen eine Band nicht weiter, Qualität ist oberstes Gebot und Perspektiven für Musiker müssen her so die Grundhaltung von Frank Bornemann. Andreas Haug traf Frank Bornemann am 21. Oktober 2003 im Horus Studio zum Gespräch. Rockszene.de: Hallo Frank. Du machst dir Gedanken über Nachwuchsförderung und willst talentierten Newcomern im Horus Studio neue Möglichkeiten bieten, weiter zu kommen. Wie siehst du die Situation im Allgemein wenn es um Nachwuchsarbeit geht ? Frank Bornemann: In unserer Branche wird für den Nachwuchs sehr wenig getan. Es wird immer viel geredet, es kommt viel Halbgares auf den Tisch, aber getan wird letztlich wenig. Und dann gibt es oft Bands, die es aus eigenem Antrieb versuchen ins Profilager zu gelangen und dabei leider häufig an Leute geraten, die sie nicht wirklich weiterbringen, weil sie es gar nicht können und ihnen am Ende womöglich noch das wenige Geld was sie haben, für Dinge abnehmen, die die Band nicht voranbringt. Rockszene.de: Sind viele Bands nicht auch ein wenig naiv ? Bornemann: Was fehlt, ist das Consulting für Bands, d.h. sie werden nicht vernünftig in die Musikbranche eingeführt. Die Bands kommen mit ganz, ganz wenig Informationen über die Zusammenhänge an und haben oft nur den Enthusiasmus für ihre Musik und wollen etwas machen, was sie vom Übungsraum auf die nächste Ebene bringt. Ich denke, dass man diese Gruppen da abholen muss, wo sie sind. Wir brauchen keinen Scheinprofessionalismus. Es wäre wünschenswert, wenn talentierte Gruppen auf Leute treffen, die ihnen tatsächlich etwas bringen. Rockszene.de: Bands wollen ja meist auf die großen Bühnen, Platten machen, erfolgreich sein, vor vielen Menschen spielen... Bornemann: Genau, die haben durchaus professionelle Ambitionen und wollen nicht nur einmal im Jahr in der Dorfkneipe um die Ecke spielen, sondern ins Musikgeschäft, regelmäßig auftreten, Platten machen und am besten noch mit der Musik Geld verdienen, sich etablieren. Rockszene.de: Wie beurteilst du die derzeitige Lage im Musikgeschäft, insbesondere bei den Plattenfirmen und welche Chancen haben junge Bands aus deiner Sicht ? Bornemann: Die Branche durchläuft eine recht schwierige Phase, Bands haben noch weniger Chancen und vor allem weniger Zeit Fuß zu fassen, deshalb ist es noch wichtiger, zu wissen was man tut, sich professionell darstellt und von vornherein schon fast fertige Produkte und Material anbietet. Kaum eine Plattenfirma baut noch Bands auf und wenn man mal die Chance hat, für eine Plattenfirma eine Platte zu machen, dann ist es oftmals auch nur ein erster Versuch und wenn der Erfolg nicht da ist, wird die Gruppe wieder rausgeschmissen. Wir müssen gerade was das Artist Development angeht, das was wir bisher gemacht haben um einiges erweitern. Rockszene.de: Wie ist das, wenn Bands auf dich zukommen und dir ihr Material vorstellen ? Bornemann: Die Bands kommen hier an und legen mir ein Demo vor, wo schon Beträge geflossen sind, wo mir zum Teil ganz anders wird. Die haben zum Teil schon 5000 oder 10.000 Euro bezahlt, sag ich mal so, und dann habe ich hier mit Aufnahmen zu tun, mit denen ich nichts anfangen kann. Dann fragen sie mich, ob ich ihnen nicht einen Plattendeal, einen Produzenten, Verlag und dergleichen besorgen kann. Ich stehe dann oft vor der nicht ganz angenehmen Aufgabe, diesen Bands klar zu machen, dass es gar keinen Zweck hat, damit zu den Plattenfirmen zu gehen, weil das Material, um einen Deal zu bekommen, oft unterirdisch schlecht ist. Wenn man heutzutage an eine Plattenfirma rangeht, muss man ein fast fertiges Produkt vorlegen. Die Leute dort haben wenig Phantasie, die wollen zum Beispiel auch vom Sound beeindruckt werden, nicht nur vom Songwriting. Wenn das Produkt sehr erklärungsbedürftig ist und man viel argumentatives Beiwerk liefern muss, hat man meist schon verloren. Rockszene.de: Demnach brauchen die Bands schon möglichst früh professionelle Unterstützung, die du ihnen im Horus Studio mit der Production Unit bieten willst. Was kann ich mir darunter vorstellen ? Bornemann: Wir haben hier zwei Aufnahmeräume von denen meist nur einer benutzt wird. In dem einen läuft eine größere Produktion mit einer etablierten Band im anderen nehmen dann Nachwuchsbands zu Sonderkonditionen auf. Mir geht es um die Tuchfühlung zwischen Newcomerbands und den Gruppen die schon ein oder zwei Schritte weiter sind. Wir haben hier sehr renommierte Toningenieure und Produzenten im Haus, die dann die jungen Bands auch unterstützen oder die Assistenten der Ings., die wissen, wie man eine Aufnahme richtig aufstellt, damit die Bands die Anforderungen eines professionellen Aufnahmebetriebes kennen lernen, anstatt in irgendeiner Frickelbutze Aufnahmen zusammenzukleistern die anschließend kein Mensch braucht. Rockszene.de: Hast du da schon mit einigen Produzenten gesprochen ? Bornemann: Ja, da ist man sehr aufgeschlossen, den Bands unter die Arme zu greifen und evtl. auch mal ein Arrangement zu schreiben. Der Nachwuchskünstler von heute ist ein potenzieller Erfolgskünstler von morgen und wir müssen was für den Nachwuchs tun, den letztlich leben wir von den Bands und deren Musik. Rockszene.de: Zu welchem Zeitpunkt möchtest du das umsetzen ? Muss man sich bewerben ? Bornemann: Wir machen das ab sofort. Eine Bewerbung ist nicht nötig. Die Bands können uns ansprechen, wir setzen uns dann mit ihnen zusammen und sprechen über ihre Musik und wie wir das sehen, bevor es an die eigentlichen Aufnahmen geht. Am besten schickt man uns vorher ein Demo, damit wir uns vorbereiten können. Und wenn Bedarf besteht, vermitteln wir auch gern ein paar Branchenkenntnisse. Man muss mit den Bands in Dialog treten um ihnen zu vermitteln wie die Dinge im Musikgeschäft zusammenhängen. Rockszene.de: Das Angebot richtet sich aber schon an Bands, die schon etwas weiter sind und nicht an ganz blutige Anfänger, die seit einem halben Jahr zusammenspielen und gerade mal ein, zwei oder drei kleinere Konzerte in ihrer Heimatstadt gespielt haben und ein Demo brauchen... Bornemann: Nicht unbedingt, wenn sie talentiert genug sind. Als ich damals Eat No Fish kennen gelernt habe, als sie beim New Sensation Wettbewerb mitgemacht haben, hatten die bis dato noch kein Konzert gespielt und aus dem Stand den Wettbewerb gewonnen. Manchmal sind es gerade auch die ganz frischen, unverbrauchten Bands, die plötzlich zum Höhenflug ansetzen, wo noch jede Menge Schwung dabei ist, was ich sehr mag. Mit diesen Bands kann man häufig besser arbeiten bzw. erreichen, als mit Bands die seit Jahren irgendwie rumfrickeln und auch schon ein bisschen abgestumpft sind. Natürlich braucht man aber auch ein gewisses Durchhaltevermögen, denn ein Künstlerprofil entwickelt man nicht eben in wenigen Wochen. Da möchte ich Bands auch Wege und Möglichkeiten aufzeigen, ohne ihnen ein Image zu verpassen oder ihnen irgendwas überzustülpen, denn das ist nicht gut. Ich möchte aber, dass die Bands, wenn sie das Studio verlassen, was in der Hand haben, womit sie wirklich etwas anfangen können und nicht einfach so irgendwie ist. Das bringt doch nichts. Rockszene.de Die Bands buchen also bei dir das Studio zum Special-Preis inklusive Beratung und dann geht das los. Bornemann: Ja genau. Rockszene.de Musiker sind als Sparfüchse bekannt, wollen und können oft wenig investieren und ziehen meist eine low-budget Aufnahme beim Kumpel um die Ecke vor. Bei einen international renommierten Studio wie dem Horus, wird das trotz Sonderkonditionen sicher kein ganz billiges Unterfangen, oder ? Bornemann: Für die Production Unit rufen wir einen Tarif auf der sich auf ungefähr 250 Euro am Tag beläuft, natürlich dann aber ein enormes Niveau hat. Dort sitzt dann auch ein Ingenieur, von dem die meisten dann die Platten zuhause im Schrank stehen haben (schmunzelt). Also, das ist klar, da kommen die Bands auf eine ganz andere Ebene. Zum mal eben ausprobieren ist das natürlich nichts. Man sollte schon seine Songs sorgfältig ausgearbeitet haben und wirklich soweit sein, Aufnahmen zu machen. Man sollte auch erst mal nur drei bis vier Songs vernünftig aufnehmen, anstatt gleich zehn oder zwölf. Wichtig ist, dass die Songs auf einem möglichst hohen Niveau aufgenommen werden um Interesse bei potenziellen Partnern unter anderem auch in unserem Netzwerk zu finden. Dann haben wir ja auch noch einen eigenen Verlag der EMI angeschlossen ist und wenn uns eine Band hier besonders positiv auffällt, dann werden wir sie gemeinsam mit Partnern auch über ihre Möglichkeiten hinaus fördern und finanziell unterstützen. Rockszene.de Du erwähntest euer Netzwerk. Wie sieht das aus ? Bornemann: Das ist zum einen ein großer Pool von Produzenten, Toningenieuren und vocal coaches, es gibt dann noch einen organisatorischen Pool mit Managements und Bookingagenturen, die alle mit uns in einer engen Kooperation sind und die ich dann mit diesen Künstlern-wenn sie soweit sind-zusammenbringen möchte. So sind beispielsweise die Guano Apes entstanden. Da habe ich das Produktionsteam aufgestellt, den Manager besorgt, die Agentur, da gibt es fast nichts was ich nicht gemacht habe (schmunzelt) und das würde ich im Fall von neuen Talenten genauso machen, wenn ich das Gefühl habe, jetzt sind sie soweit. Rockszene.de: Welche Kontakte zu Managements und Agenturen sind das konkret in diesem Netzwerk ? Bornemann: Da ist z.B. Björn Gralla von Contra Promotion, der die Guano Apes macht, der Underwater Circus macht, HIM in Deutschland, große und kleine Themen und Bands dabei auch aufbaut. Da sind Agenturen wie Scorpio und A.S.S. in Hamburg, Undercover Entertainment oder auch K.O.K.S. hier in Hannover, die Firma von Achim Köller der eine sehr gute Arbeit macht. Der Kreis ist groß und die Reichweite entsprechend. Man muss natürlich schauen, wer zu wem passt. Generell ist es wichtig, dass man den Musikern Perspektiven aufzeigt, sonst werden sie orientierungslos. Die Bands brauchen Beratung durch erfahrene Leute, die sie auch ein bisschen lenken ohne sie zu bevormunden. Rockszene.de: Danke Frank für das ausführliche Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung deiner Ideen ! Bornemann: Ja, und vielen Dank für dein und euer Interesse. www.horus.de |
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