Gehört und Gesehen - Shout It Out

08.12.2006Elli

Elli

Shout It Out

BMG (2004)

Auf die Zusammenarbeit mit Produzent Dieter Bohlen legte die 24-jährige DSDS-Siegerin Elli (bürgerlich: Elisabeth Erl) keinen Wert – das sorgte in den deutschen Klatsch-Medien vor Monaten für einigen Wirbel – wie konnte es eine junge Nachwuchskünstlerin wagen, einem so arrivierten und prominenten Macher mit Erfolgsgarantie einen Korb zu geben ? Songs und Produktionstechnik Marke Bohlen gefielen der Sängerin aus Regensburg nicht – das kam seinerzeit ehrlich, geradlinig und konsequent rüber und machte zugleich neugierig.

Haben wir es endlich mal mit einer Künstlerin aus der DSDS-Welt zu tun, die abseits ausgetretener Pfade ihren eigenen Weg gehen will und statt Retortenhits am Fließband ihre Stimme zu leihen, lieber bodenständig und handgemacht zu rocken beabsichtigt ? Das wäre ja mal was, durfte man sich mit Recht denken und umso gespannter war man auf das Debütalbum „Shout It Out“, das im hannoverschen Horus Studio von Frank Bornemann (u.a. Guano Apes) entstanden ist.

„Elli´s erstes Album (...) spiegelt die große künstlerische Bandbreite und das unglaubliche Stimmvolumen dieser authentischen Künstlerin wider“, heißt es gleich zu Beginn der Presseinfo zu „Shout It Out“. Das klingt sehr vielversprechend. Eine gute Sängerin ist sie, die Elli, ob Rock, Pop, Soul, Balladen oder Uptempo-Nummern – stimmlich überzeugt das, was die Künstlerin auf der Platte abliefert.

Mit der neuen Single „Not My Type“, vom langjährigen Robbie-Williams-Songwriter Guy Chambers komponiert, kommt nach dem als „rockigen Opener“ angepriesenen, aber unglaublich flachen wie schwachen „Ready Steady Go“ als Track 2 auch ein richtig guter Song. Im Folgenden kann das Album die hochgesteckten Erwartungen selten erfüllen. Statt den so oft gerade auch aus Kreisen von Produzenten und Plattenfirmen reklamierten Mut aufzubringen, zumindest den Versuch zu unternehmen, ein markantes, eigenständiges Künstlerprofil durch eine entsprechende CD-Produktion verbunden mit originellem Songwriting herauszuarbeiten, geht man hier wieder einmal lieber auf Nummer sicher.

Aus der Radio-, Fernseh und Werbejingle tauglichen Wundertüte Pop, Soul und Rock nimmt man von jedem ein bisschen- alles nett, schmerzfrei und vorhersehbar komponiert und arrangiert, soundtechnisch in der gewohnten, Massenmarkt-kompatiblen Verpackung, wie man das aus dem Mainstream-Pop-Rock seit Jahren kennt.

Hier soll offenbar wieder einmal ein nach den bewährten Strickmustern von beauftragten Songschreibern und Produzenten gezielt gesteuertes Pop-Industrieprodukt am Markt durchgesetzt werden, alles nach Schema F.

Man hat auch bei diesem Album leider verstärkt den Eindruck, Elli liefert ihre Stimme für ein von Musikmarketingexperten mehr oder weniger nach bewährten, bislang erfolgreich umgesetzten Konzepten der Musikunterhaltungsindustrie am Reißbrett entworfenes Produkt, das nur eine einzige Aufgabe erfüllen soll: sich zu verkaufen und Geld in die Kassen zu spülen und das alles möglichst schnell, risikolos und ohne Umwege. Das ist natürlich aus wirtschaftlicher Sicht eine legitime Angelegenheit, aber vom Ansatz auch nicht anders als bei Dieter Bohlen. Schade.

www.elli-e.com


Andreas Haug
()

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Brian May & Kerry Ellis - The Candlelight Concerts -Live At Montreux 2013 (2014)
Ellie Goulding - Halcyon Days (2013)
Ellie Goulding - Halcyon (2012)
Elliot Murphy - Coming Home Again (2007)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite