Gehört und Gesehen - :zeitlupezeitlupe

21.06.2007Jimi Berlin

Jimi Berlin

:zeitlupezeitlupe

Monstermusik/Finetunes (2007)

Schon verblüffend, Sänger Jimi Berlin klingt wie Udo Lindenberg. Und zwar total. Die gleiche Stimme, bei der man zwangsläufig vermutet, dass der Eigentümer irgendwie abgeklärt ist, und von einem langen erfahrungsreichen Leben geprägt. Musikalisch geht Berlin mit seiner Band aber eigene Wege. „:zeitlupezeitlupe“ ist das mittlerweile vierte Album der dreiköpfigen Formation. Darauf zu finden: Sanfter Poprock mit kopflastigen Texten, die ab und an auch mal kräftig zwischen die Beine grätschen.

„Mein Herz schlägt nur für dich / Weil du unter meine Haut gehst / Wie ne Tätowiermaschine“, singt Jimi Berlin in „Tätowiermaschine“ sehr bildlich. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen akustischen Schrabbelgitarren und sanftem Besen-Schlagzeug. Nichts, was es nicht schon gäbe. Nur Stimme und Texte des Sängers zeigen, dass hier eine Band spielt, die schon länger unterwegs ist – und wohl schon einiges erlebt hat.

Keine Frage – Jimi Berlin haben gute Songs im Gepäck. „Mmh... Evelyn“ und vor allem „Komm, wir nehmen Drogen“ sind wirklich sehr entspannte Popmusik mit genau dem Fünkchen Anspruch, was es bracht, um heutzutage beispielsweise unter Studenten schwer angesagt zu sein. Rio Reiser und eben Udo Lindenberg könnten Pate gestanden haben. Doch was fehlt, worauf der Hörer die ganze Zeit lang wartet, das ist ein Ausbruch. Eine echte Gefühlsregung. Dass die nicht kommt, ist sicher ein Schwachpunkt von „:zeitlupezeitlupe“. Dennoch: Die Songs taugen ebenso gut zur Abenderöffnung mit Freunden als auch zum Abendausklang in der Küche mit einem schönen Glas Rotwein.

Vielleicht sollten sich Jimi Berlin und seine Band mal an die Herren vom Grand Hotel van Cleef wenden. Da wären sie dann in der Gesellschaft von Tomte und Kettcar und wie sie alle heißen. Das könnte ein Umfeld sein, in dem Jimi Berlin absolut nicht negativ auffallen, sondern im Gegenteil neue Akzente setzen würden. Also, Album eintüten und hinschicken da!

www.jimiberlin.com
www.monstermusik.de


Paul Schüler
()
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite