Gehört und Gesehen - Amputechture

08.12.2006The Mars Volta

The Mars Volta

Amputechture

GSL / Universal (2006)

Über Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala braucht man wirklich nicht mehr viele Worte verlieren. Man kam ja in den letzten Jahren einfach nicht an ihnen vorbei. Zwei von Kritikern und Hörerschaft hochgelobte Alben, Tour-Support für die Red Hot Chili Peppers – The Mars Volta sind dick im Geschäft. Und das, obwohl ihre Musik alles andere als leicht verdaulich ist, im Gegenteil: Hier wird aufs Wildeste drauflos experimentiert.

Die Aufgabenteilung ist dabei klar definiert: Omar Rodriguez-Lopez kümmert sich um die Musik, nein, falsch, er schreibt einfach jede einzelne Note! Cedric Bixler-Zavala kümmert sich währenddessen um Texte und Gesangslinien. Eine durchaus umfangreiche Aufgabe, denn der Text zum 16 Minuten langen „Tetragrammaton“ umfasst allein zwei klein bedruckte Booklet-Seiten. Eingespielt werden die teilweise virtuosen Arrangements dann von der „Mars Volta Group“, einer Bande von neun Musikern, unter ihnen so illustre Namen wie John Frusciante. Da sind sie wieder, die Chilli Peppers.

Diese Arbeitsweise erinnert irgendwie an Frank Zappa. Und auch musikalisch lassen sich Parallelen ziehen: Minutenlange Soli, die teilweise an Zwölftonmusik erinnern, aber dennoch von der ersten bis zur letzten Note durchdacht und stimmig sind, sind in jedem einzelnen Song zu hören. Der Gesang von Cedric Bixler-Zavala ist wie gehabt melodisch und markant. Vergleiche zu Sängern wie Claudio Sanchez von Coheed & Cambria sind gar nicht mal so unpassend. Garniert wird die meisterliche Gitarrenarbeit mit geschickt eingesetzten Synthies, Saxophonen und allen möglichen elektrischen Effekten. Es knirscht und jault und schreit im Mars-Volta-Kosmos.

Alles beim Alten, könnte man also denken. Aber eine solche Power-Group kann eigentlich keine zwei Alben machen, die sich in auch nur einem Aspekt ähneln. Dazu quillt „Amputechture“ viel zu sehr über vor neuer Ideen und abgedrehter Kleinigkeiten. Neu ist auch, dass Sänger Bixler-Zavala diesmal keine zusammenhängende Geschichte erzählt, wie noch in den beiden Alben zuvor. Diesmal sind es acht kleine, abgeschlossene Storys, die aber alle durch eine bestimmte Stimmung miteinander verbunden sind. Dadurch soll ein Effekt erreicht werden, der ein bisschen an die Filme von Regisseur David Lynch erinnert.

Ein Album voller stimmungsvoller Höhen und Tiefen, technisch und musikalisch auf allerhöchsten Niveau. Live zu sehen wieder mal im Vorprogramm der Red Hot Chili Peppers im November dieses Jahres.

http://www.themarsvolta.de


Paul Schüler
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