Gehört und Gesehen - Angekommen

08.12.2006Neulich

Neulich

Angekommen

Ufer Records (2006)

Die Hamburger Band Neulich hat unter dem Titel „Angekommen“ im Juli ihr Debütalbum veröffentlicht, und das auf ihrem eigenen Label ufer records. So so, ein weiterer so genannter Newcomer mit der ersten Platte, der mit deutschsprachigem Pop-Rock auf einen seit nunmehr gut zwei, drei Jahren fahrenden Zug mit dem Namen „neueste deutsche Welle“ aufspringt, mag sich der oberflächliche Schlaumeier vom Dienst denken und liegt damit richtig daneben.

Neulich ist eine Band mit Geschichte, eine Band, die viele Erfahrungen mit den verschiedensten Menschen und Firmen im Musikgeschäft gemacht hat und sich nach beinahe jahrelangem Ringen um einen Plattendeal, letztlich entschieden hat, ihr Ding selbst durchzuziehen. Glückwunsch, möchte man da sagen. Neulich rockte schon extrem frisch, kraft- und druckvoll, als noch kaum jemand von den ganzen inzwischen zu Stars erkorenen Bands aus der Ecke „Deutsch, Jung, Frech und Spritzig“ oder „Deutsch, Ernsthaft, Romantisch-Melancholisch“ Notiz genommen hatte. Das war im Jahr 2001 und vielleicht waren Neulich damals noch ein, zwei Jahre zu früh am Start.

In jenem Sommer 2001 wurden über das VW Soundfoundation Coaching Kontakte zu Produzent und Horus Studio Boss Frank Bornemann geknüpft, der sich der Band Neulich annahm. Es wurden Aufnahmen gemacht, aufwändig gestaltete Promo-Mappen verschickt, im Endeffekt jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Zu einer zu erwartenden Album-Veröffentlichung im Jahr 2002 oder spätestens Anfang 2003 kam es nicht, Neulich waren irgendwie von der Bildfläche verschwunden.

Mittlerweile ist Sänger Alex Friedrichs von Hamburg nach Konstanz an den Bodensee gezogen, Detlev Martens kam als Schlagzeuger für Dennis Dreyer in die Band. Die Songideen für „Angekommen“ wurden mittels mp3 per E-Mail zwischen Hamburg und Konstanz hin und her geschickt. So entstand eine neue Form der Kreativität. Parallel zur E-Mail telefonierte man auch regelmäßig und immer wieder tauchte dabei die Frage auf, ob die Mail mit den mp3-Files schon angekommen sei. So entstand dann auch der Albumtitel „Angekommen“.

Neulich präsentiert sich als gereifte Band mit Pop-Rock-Kompositionen auf hohem Niveau, die obendrein im Studio mit sehr viel Detailliebe ausgearbeitet wurden. Da hört man die jahrelange Erfahrung und Qualität der Band heraus, der es gelungen ist, ihren eigenen Stil zu entwickeln. In jedem Fall klingen Neulich nach Neulich, eigenständig also und nicht „wie Band XY mit Anleihen an Band Z“. Band und Album passen weder in die deutsche Indie-Alternative-Ecke à la Grand Hotel van Cleef und im eher mainstreamig fahrenden Boot von Silbermond, Juli oder Christina Stürmer hätte Neulich wohl auch nichts zu suchen. Neulich gehören nicht in die Abteilung „hip“, klingen aber deshalb nicht unmodern. Für „Angekommen“ sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, es ist kein Album zum „mal eben“ oberflächlich reinziehen.

Auch wenn Neulich mit dieser Platte kaum Super-oder Megastar-Status erreichen werden, sie machen ihre eigenen Songs, bleiben sie selbst und überzeugen damit. Sie sind mit ihrem eigenen Label unabhängig und nehmen es sich heraus, auch mal zwischen allen Stühlen der facettenreichen deutschsprachigen Musiklandschaft Platz zu nehmen und den auch zu behaupten. Es muss sich gut anfühlen, angekommen zu sein....

www.neulich.com
www.ufer-records.de


Andreas Haug
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