Gehört und Gesehen - Keeper Of The Seven Keys - The Legacy

08.12.2006Helloween

Helloween

Keeper Of The Seven Keys - The Legacy

Steamhammer/SPV (2005)

Fans von melodischem Speedmetal dürften sich vor Freude die Hände reiben. Endlich ein neues Album von Helloween, der Anfang der 80er Jahre in Hamburg gegründeten Band, die vor 20 Jahren begann, mit ihren Albumveröffentlichungen für Furore in der Szene zu sorgen und sich schließlich in der internationalen Spitze des Genres fest etablierte. In den Jahren 1987 und 1988 brachten Helloween die Alben „Keeper Of The Seven Keys – Part 1“ und „Keeper Of The Seven Keys-Part2“ heraus; Alben, die zu Klassikern der Band avancierten. Ihr aktuelles, mit 80 Minuten Spielzeit großzügig ausgefallenes Doppelalbum führt die Tradition der ersten beiden „Keeper“-Scheiben fort.

Die stärkste Veröffentlichung der Band seit über zehn Jahren soll diese Platte sein, heißt es in der umfangreichen Medieninformation. Von entfesselter Spielfreude, kompositorischer Vielfältigkeit und technischer Brillanz ist dort im weiteren Verlauf die Rede.

Doch, das mag man durchaus so unterschreiben. Helloween sind ja nicht die einzigen die sich im erweiterten Kreis der mitunter orchestral arg aufgemotzten, auf der Schwelle zum Kitsch operierenden Bands bewegen. Die Grenzen von Melodic-Speed-Metal zu Epic-/Power-Metal sind teilweise fließend. Bombastische Sounds, dick aufgefahrener Chorgesang der von der melodischen Struktur sehr durchschaubare Hymen präsentiert, glöckchengleich klimpernde Keyboards und „unten rum“ Double-Bass-Drum bis zum Abwinken. Man kann das mögen, darf es aber nicht zu unrecht auch schrecklich bis hin zu urkomisch finden, was so manche Bands da liefern.

Auch Helloween bedienen sich mitunter dieser Elemente, operieren aber mit dem was sie da auf „Keeper Of The Seven Keys“ veranstalten, auf einem ungleich höheren Niveau.

Helloween klingen auf diesen beiden CDs frisch, ausgeschlafen und spielfreudig. Die Band operiert sehr würzig und inspiriert. Bass und Schlagzeug machen ordentlich Druck, geschmackvoll eingesetzte Harmonizer-Gitarren lassen hier und da Erinnerungen an Brian May wach werden („My Life For One More Day“) und auch gesanglich sind Helloween brillant unterwegs. Das gilt vor allem auch für den herausragenden Gesamtsound der Produktion.

Man muss nicht eingefleischter Metaller sein um Helloween zu mögen. Diese Platte dürfte in ihrer kompositorischen Vielfalt auch Rockfans auf breiter Basis ansprechen, Hörer, die es mögen wenn eine Band etwas bissiger als der Durchschnitt zu Werke geht.

Und wer es tief romantisch liebt: In der Ballade „Light The Universe“ gibt es ein Duett von Andi Derris mit Blackmore´s Night Sängerin Candice zu genießen. Während der bevorstehenden Europatour von Helloween, dürften bei diesem Song so einige Wunderkerzen in den Rockarenen abbrennen.

Für viele etwas, für die Metaller und die Melodic-Speed-Metaller im Besonderen, wohl ein sehr amtliches Album der Sonderklasse.

www.helloween.org
www.spv.de


Andreas Haug
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