Gehört und Gesehen - Plastic Affairs

08.12.2006Everlaunch

Everlaunch

Plastic Affairs

Eigenproduktion (2005)

Aber Hallo ! Jetzt erst einmal tief durchatmen... diese E.P. überrascht und sitzt und das beides richtig! Everlaunch aus dem beschaulichen Rotenburg an der Wümme , wohlgemerkt (noch) ohne Plattendeal und (noch) nicht bei VIVA in der Rotation, (noch) nicht bei Frau Kuttner in der Live-Show und (noch) nicht Stammgast auf den größten und angesagtesten Indie/Alternative-Rock-Festivals der Republik, unterstreichen mit „Plastic Affairs“ eindrucksvoll ihr Können und ihre hohen künstlerischen Ambitionen.

Acht Songs, zeitweise stilistisch, kompositorisch und atmosphärisch in der Nähe von Bands wie Placebo, Muse, Slut oder Porcupine Tree anzusiedeln, machen nicht nur Appetit auf mehr, um mal wieder eine abgedroschene Phrase hervorzukramen, sondern richtiggehend Heißhunger auf die nächste Live-Show der tourfreudigen Gruppe. Everlaunch ist es auf „Plastic Affairs“ scheinbar problemlos gelungen, die Energie, Frische und Leidenschaft mit der sie ihre Songs gewöhnlich von der Bühne ins Publikum bringen, auf die CD mitzunehmen.

„Flächig geknüpfte Gitarrenteppiche, durchwoben mit melancholisch schüchternen Gesangslinien voll von herbstlich verträumter Färbung und Energie. Musik voller schöner Kleinigkeiten und kleinen Schönheiten die es zu entdecken gilt“, formuliert es die Biografie der Band mit einem Hauch von Poesie. Und das mag man ohne Weiteres auch so unterschreiben.

Das Songwriting, das Gespür für Dramaturgie und wunderschöne Melodien gleichermaßen sind herausragend gut, das Zusammenspiel der Band und die sehr organisch, warm und direkt klingende Produktion überzeugen auf der ganzen Linie.

Songs wie das nach vorn treibende „Love Yourself“, das in Melodieführung und Stimmung subtile und gleichzeitig sehr ergreifende „Strange“ und insbesondere das siebenminütige „Setting Sun“ gehören zu den absoluten Höhepunkten der E.P.

Das sind Songs, die sicher auch so manche Band gern geschrieben hätte, die heute wie selbstverständlich 400-500 Leute für 15 Euro Eintritt und mehr in die Clubs zieht und Festivals wie Hurricane, Haldern Pop, Open-Flair, Taubertal oder wie sie alle auch heißen, regelmäßig rauf und runter spielt. Everlaunch -kaum zu glauben aber wahr- sind noch für Eintrittsgelder im mittleren einstelligen Eurobereich zumeist in kleinen Clubs, Musikkneipen oder Jugendzentren zu erleben, wenn sie nicht gerade eingeladen sind, arrivierte Kollegen wie Slut oder Eskobar zu supporten, Bands, hinter denen sie sich qualitativ –legt man „Plastic Affairs“ als Maßstab zu Grunde- keinesfalls zu verstecken brauchen, ganz im Gegenteil.

„Plastic Affairs“ ist britischer Indie/Alternativ Pop-Rock mit sagenhaft viel Herz und Hingabe – wahrlich grandiose Songs mit einer Fülle von magischen Momenten.

Sollte Everlaunch in dieser Verfassung nicht in absehbarer Zeit der absolute Durchbruch gelingen, dann können die Vier aus Rotenburg an der Wümme vielleicht in ein paar Jahren stolz darauf zurückblicken, damals, im Frühsommer 2005, eine ganz großartige Platte abgeliefert zu haben, in die sich viele ihrer Besitzer wohl hemmungslos verliebt haben dürften.

www.everlaunch.de


Andreas Haug
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