Gehört und Gesehen - Everything´s Not Right

08.12.2006Seedcake

Seedcake

Everything´s Not Right

Solaris Music (2005)

Unter dem Titel “Everything´s Not Right“ legt die Göttinger Band Seedcake ein neues –wie sie es nennt- Demo vor und führt den Konsumenten mit dieser Bezeichnung ein wenig schlitzohrig und listig in die Irre. Die sieben Tracks umfassende CD ist von der Aufmachung und von der Soundqualität alles andere als Demostandard bzw. das, was man sich gemeinhin bei einer semiprofessionellen Gruppe ohne Plattendeal unter „Demo“ vorstellt. „Everything´s Not Right“ ist eine nahezu amtlich produzierte Platte geworden, die im Vergleich zu den vorherigen Outputs von Seedcake ziemlich nah an das herankommt, was die vier Jungs bei ihren von ihrer wachsenden Fanschar bejubelten Live-Shows, vor allem auf größeren Bühnen, präsentieren.

Das Songmaterial und die musikalische Umsetzung zeichnen sich dabei durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit aus. Stilistisch sind Seedcake irgendwo in der Schnittmenge zwischen Him, Placebo, A-ha und (den neueren) Marillion anzusiedeln und das macht die Band zu einer recht spannenden Angelegenheit. „Druckvolle, melancholische Rockmusik“, nennen das die Musiker, „ein bisschen Rock, ein bisschen Prog und eine Prise Alternative. Hauptsache es tritt Emotionen los“, liest sich das in der Bandinfo.

Seedcake mischen die verschiedenen Elemente sehr geschickt und setzen ihre Songs überaus stimmungsvoll in Szene. Bei rockigen uptempo-Nummern wie „Inside Out“ in denen Sänger-und Gitarrist Jan „Hage“ Hagerodt durch punktuelle Fills und Soundwahl durchklingen lässt, dass ihm auch kleine und effektvolle Spielereien von 70er-/80er Hard-Rock-Gitarrenheroen wie Eddie Van Halen oder Brian May nicht fremd sind, wirken zeitweise noch etwas zappelig und stilistisch wie vom Arrangement ein wenig unentschlossen. Ähnliches gilt zum Teil für „Don´t Lose Your Head“.

Die Stärken der Band liegen in den gut und kräftig auf den Punkt gesetzten Mid-Tempo-Songs wie „Uptight“, das kompositorisch und von der kompakten, wie ausgfeilten Präsentation genauso einen Höhepunkt der CD markiert wie etwa die unaufdringlich schöne Ballade „Morning View“, die ohne Übertreibung als kleines Meisterwerk bezeichnet werden kann. Da klingt die tiefer gestimmte, cleane Gitarre nach Marillion´s Steve Rothery und das Keyboard-Thema im Mittelteil lässt Erinnerungen an das legendäre „Plague Of Ghosts“ von Fish (Progressive-Spezialisten bekommen hier regelmäßig leuchtende Augen) wach werden. Mit diesem Song errreichen Seedcake dann gar deutlich internationales Prog-Pop-Rock-Niveau.

Fazit: eine über weite Strecken sehr gute bis glanzvolle Demo-CD die unterstreicht, dass Seedcake in dieser Verfassung zu den ganz viel versprechenden Bands-und das nicht nur im Raum Göttingen- gehören.

www.seedcake.de


Andreas Haug
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