Gehört und Gesehen - Puppet On A String

08.12.2006Nikki Puppet

Nikki Puppet

Puppet On A String

Eigenproduktion (2005)

Es gibt Bands, auch in Hannover, die (sound)technisch arg bescheidene bis minderwertige CDs für elf, zwölf Euro plus erhöhte Versandkosten als „amtliche Alben“ vermarkten und dann gibt es Bands wie Nikki Puppet, die unter dem Titel „Puppet On A String“ ein „neues Demo mit zehn Songs“ ankündigen und damit mindestens viele in der schreibenden Zunft in Erstaunen versetzen. Wenn das hier das Demo sein soll, wie bitte soll dann erst ein „richtiges“ Nikki-Puppet-Album klingen ?

„Puppet On A String“ wurde von Victory-Gitarrist Hermann Frank auf absolut professionellem Niveau produziert. Die Scheibe klingt frisch und druckvoll – im Mittelpunkt dabei die knackigen bis messerscharfen Breitwand-Gitarren von Christos Mamalitsidis und die Power-Röhre von Nicky Gronewold. Von der Grundausrichtung ist „Puppet On A String“ dem klassischen Hardrock zuzurechnen; bei vielen Songs klingen einige Anleihen aus dem typischen 80er-Jahre-Heavy-Rock durch, wie er auch in Hannover von so vielen Bands seinerzeit erfolgreich gespielt wurde.

Trotz dieser eher klassischen Ausgangsposition und des recht „konservativ“ gehaltenen Gesangs-, Gitarren und auch Schlagzeug-Styles, ist die CD alles andere als eine schon mit dicken Staubschichten belegte Achtziger-Heavy-Retro-Geschichte in Gedenken an Röhren-Lederhose, Cowboystiefel, Sonnenbank und Fönfrisuren. Die Band klingt modern, hungrig und spielfreudig- auch das Songwriting und so manche Sounds weisen sehr zeitgemäße Elemente auf, zudem besticht die Platte durch allerlei originelle Details, insbesondere was die Gitarrenarbeit angeht.

Das ist kraftvoller Rock mit guten, eingängigen Melodien – was für die reiferen Herrschaften mit alten Accept-, Scorpions- oder Victory-Platten zu Hause, wie auch für jüngere, die es eher mit zeitgemäßem NuRock und NuMetal halten. Diesen Brückenschlag muss man erst mal schaffen, Nikki Puppet ist er gelungen: Musikalisch reif sein, dabei aber nicht „alt“ zu klingen, gelingt leider wenigen auf ein solche Weise. Ein Demo, das eigentlich die Bezeichnung „amtliches Album“ verdient – mindestens für die hannoversche Szene eine positive Überraschung. Respekt !

www.nikkipuppet.de


Andreas Haug
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