Gehört und Gesehen - Apocalyptica

08.12.2006Apocalyptica

Apocalyptica

Apocalyptica

Universal Music (2005)

Kaum eine Band bietet Puristen mehr Angriffsfläche als diese. Als im Jahr 1996 das Album „Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos“ erschien, mögen viele engstirnige Zeitgenossen verächtlich die Nase gerümpft haben. Vier Absolventen der renommierten Sibelius Akademie in Finnland machten sich als Streicherquartett über das Werk einer Metal-Koryphäe her. Aufgeschlossene Klassikfreunde allerdings erkannten an, wie virtuos das Klangspektrum des Instruments ausgeschöpft und wie lebendig die Arrangements daherkamen. Metalfans hingegen wundert sich, welche Wucht die vier Cellisten insbesondere live entfachen konnten.

Als sie auf nachfolgenden Veröffentlichungen einen Schlagzeuger und diverse Gastsängerinnen wie Sandra Nasic (Guano Apes) oder Nina Hagen hinzuzogen, waren nicht wenige Fans darüber enttäuscht. Apocalyptica hatten ihr einzigartiges Konzept, ihren ursprünglichen Sound aufgegeben und sich den gängigen Rockkonventionen angenähert. Die pure Kraft der Celli schien gestört. Mittlerweile ist das Streicherensemble auf Eicca Toppinen, Paavo Lotjonen und Perttu Kivilaakso zusammengeschrumpft, derweil der Schlagzeuger Mikko Sirén als fest assoziiertes Mitglied gilt.

Die bereits Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Single „Bittersweet“ schreibt auch den Einsatz von Gastvokalisten fort. Allerdings werden selbst die größten Skeptiker zugeben, dass dieses Konzept auf der von Lauri Ylönen (The Rasmus) und Ville Valo (H.I.M.) eingesungenen Ballade glänzend aufgeht. Der sehnsüchtig wehende Chorus und die eindringlichen Bogenstriche bringen noch die kühlsten Puristenherzen zum Schmelzen.

Das von der Band selbst produzierte, mittlerweile fünfte Album „Apocalyptica“ besteht aus elf Eigenkompositionen. Eröffnet wird es von dem handfesten Kracher „Life Burns!“, ausgestattet mit den Vocals von Lauri Ylönen. Ansonsten regieren mit der Ausnahme von „Bittersweet“ allerdings reine Instrumentalstücke. Auffällig ist, dass neben treibenden, von Metal-Riffs geprägten Nummern wie „Distraction“ die atmosphärischen Momente ausgiebiger als bisher betont werden.

„Farewell“ etwa beeindruckt nicht durch Wucht, sondern durch tragfähige Melodik und einen behutsamen, balladesken Aufbau. Und nachdem Gastdrummer Dave Lombardo (Slayer) in dem Stück „Betrayel/Fogiveness“ das Tempo fulminant forciert, setzen Apocalyptica mit „Ruska“ und „Deathzone“ zwei ruhevolle und wunderschöne Schlusspunkte.

www.apocalyptica.com


Mark Preisegger
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