Gehört und Gesehen - Parisian Waltz

08.12.2006It´s M.E.

It´s M.E.

Parisian Waltz

Megaphone Music (2004)

Das hannoversche Trio It´s M.E. hat unter dem Titel “Parisian Waltz” kürzlich sein fünftes Album veröffentlicht. Die selbsternannten Grenzgänger zwischen Bluesfestival, Jazzkeller und Kulturverein (Bandinfo) zeigen auf den elf Eigenkomposition ihre große stilistische Bandbreite. Man wandelt gekonnt zwischen Rock, Pop, Jazz, Boogie und Chanson, sogar Country haben Martina, Ecki und Christian auf der Pfanne.

Die große Vielfalt sorgt für mitunter starke Kontraste, dennoch wirkt „Parisian Waltz“ in seiner Gesamtheit sehr homogen und in sich schlüssig. Hört man die CD in einem Durchgang, ist es so, als präsentierten It´s M.E. eine Art Dia-Show einer langen Reise, die durch verschiedene Länder und Städte zu unterschiedlichen Jahreszeiten und Anlässen führt.

Man wähnt sich bei Titeln wie dem swingenden „Each Cat Got Claws“ oder dem bluesig-jazzigem „Still Crazy About You“ in einem verrauchten Großstadt-Nachtclub zu fortgeschrittener Stunde – beim humorigen Country-Song „Don´t Eat The Yellow Snow“ fühlt man sich dagegen eher in eine gesellige Kneipen-Runde einer US-Kleinstadt versetzt. Zum von Ecki gesungenen „Do it Baby“ kommt dann noch das Brass-Ensemble Savatoga Seven zum Einsatz, das mit Banjo, Waschbrett, Sousaphone, Klarinette und anderem Gebläse eine fröhliche und sonnige New-Orleans- Jazz-Atmosphäre zaubert. Zurück in den zugigen Straßen einer europäischen Industriestadt, haut einem Ecki beim hard-rockigen „Women Come Up“ scharfe und wimmernde Leslie-Sounds um die Ohren – wäre da nicht der It´s M.E.-Keyboarder am Werk, könnte man glatt meinen, der legendäre Jon Lord würde einen Kreuzungsversuch aus den Deep-Purple-Klassikern „Highway Star“ und „Speed King“ unternehmen, Martina´s Stimme wird dabei kompromisslos durch Distortion-Effekte gejagt-das hört man bei It´s M.E. auch nicht alle Tage

Zu den Höhepunkten des Albums und auch zu den großen Stärken der Band zählen die Balladen: Das melancholische „Watching The Rain“ oder „In My Dreams“ sind ungemein stimmungsvoll, absolut herausragend ist und bleibt aber der Titeltrack, das chansonartige, überaus emotionale „Parisian Waltz“ – Erinnerungen an einen Sommer in der Stadt der Liebe – wer sich Zeit nimmt und zur Musik den Text im Booklet verfolgt, dürfte bei dieser Geschichte mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen die ein oder andere Träne verdrücken. Eine großartige Komposition, perfekt in Szene gesetzt.

www.itsme-music.de


Andreas Haug
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