Gehört und Gesehen - Lamentations

08.12.2006Opeth

Opeth

Lamentations

Music For Nations (2003)

Opeth haben kein Image. Wenn sie ein Markeinzeichen besitzen, dann ihre absolut eigenständige Musik, eine Mischung aus progressivem Deathmetal, jazzigen Einlagen und Akustikparts mit wunderschönem Gesang.

Nach ihrer Gründung Anfang der Neunziger haben sich die vier aus Stockholm in die Herzen vieler Musikliebhaber gespielt, die nicht unbedingt nur aus der metallischen Ecke kommen, sondern in erster Linie Wert auf anspruchsvolles Songwriting mit unvorhersehbaren Wendungen legen.

Spätestens nach der Veröffentlichung ihrer letzten beiden Alben „Deliverance“ und dem rein akustischen „Damnation“ war es an der Zeit, eines der Konzerte von Opeth als Livemitschnitt zu veröffentlichen.

So jüngst geschehen mit der DVD „Lamentations“, auf der ein zweiteiliges Set zu sehen ist, dass die Herren um Gitarrengott Mikael Åkerfeldt vor einigen Monaten in London zum Besten gaben.Es beinhaltet ruhigere Songs von „Damnation“, sowie einige härtere Stücke von „Deliverance“ und dessen Vorgängerscheibe „Blackwater Park“, mit der Opeth endgültig den Durchbruch schafften und das erste Mal auf Welttournee gehen konnten.

Musik, zum Beispiel von etwas älteren Werken wie „Still life“ oder „My arms, your hearse“ gibt es leider nicht zu bestaunen. Die Tracklist steht also ganz im Zeichen der „neueren Opeth“, was eigentlich ziemlich schade ist, denn allein auf beiden genannten Platten befänden sich reichlich Songs, die gut zur Setlist gepasst hätten und Fans schmerzlich vermissen werden.

Wie immer mit langer Mähne versehen und schwarzen Schlaghosen bekleidet, arbeitet sich das Quintett, verstärkt mit Per Wiberg (Spiritual Beggars) an den Keyboards, durch ihre experimentellen Stücke und verzaubert das anwesende Publikum in atmosphärischer Lightshow sowie sparsamer Bühnenausstattung.

Opeth sind hochkonzentriert und spielfreudig zugleich. Das Publikum honoriert es mit euphorischem Applaus und Zwischenrufen und scheint genau das zu fühlen, was Åkerfeldt bereits nach dem ersten Song ins Mikrofon sagt: “This is pretty intense“.

Als Bonus gibt es eine 60-minütige Dokumentation zur Entstehung von „Deliverance“ und „Damnation“, wo die Musiker sich unter anderem über die Entstehung der Songs ausplaudern oder im Studio beim Herumexperimentieren an den Instrumenten zu sehen sind. Für Anhänger der Schweden natürlich absolute Pflicht, bekommt man doch sonst eigentlich kaum mit, wie es hinter den Kulissen von Opeth zugeht.

Wen es nicht interessiert, wie die letzten beiden Alben von Opeth enstanden sind, der kann sich aber zweifelsohne allein am knapp zweistündigen Konzert erfreuen, Gänsehaut, Inspirationen und herunterklappende Kinnladen (gerade bei Gitarristen und Drummern) sind garantiert.

Fazit: Lang ersehnte DVD in toller Bild-und Tonqualität, die jeder Musikfan gesehen haben sollte.

www.opeth.com


André Bromberger
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Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Opeth - Blackwater Park - Legacy Edition (2010)
Opeth - Ghost Reveries (2005)
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