Gehört und Gesehen - Deftones

08.12.2006Deftones

Deftones

Deftones

Maverick (2003)

Die Deftones sind wieder da! Mit ihrem vierten Album, dass schlicht den Bandnamen als Titel trägt. Bedeutet dies, das man hier die Verwirklichung der Deftones sehen kann?

Das endgültige, optimale Werk aus ihrer Sicht? Dies kann durchaus möglich sein, denn kaum eine andere Band ist so konsequent ihren Weg im Musikbusiness gegangen, ohne sich von äußeren Einflüssen korrumpieren zu lassen, wie die Deftones.

Erinnern wir uns: Es begann 1995 mit ihrem Erstling „Adrenaline“, das auf dem Madonna Label Maverick veröffentlicht wurde, was bei dieser Musik erstaunlich war. Brüllende Gitarren über leidenden Raps. Außer Korn gab es damals noch nicht so viel in dieser Richtung. Wenn Korn also die Väter des Nu-Metal sind, dann sind die Deftones die Mutter. Mindestens.

Der Song „7 Words“ ist reine kreative Wut, wie sie bis heute von kaum einer anderen Band wieder erreicht wurde. Mit „Around The Fur“ folgte 1997 ein musikalisch ähnliches, jedoch deutlich besser produziertes Album. Dann holten sie drei Jahre Luft, um einen unglaublichen Paukenschlag folgen zu lassen. „White Pony“, ein großer Schritt für die Deftones und die Sparte des Nu-Metal, von der sich die Band mit diesem Werk endgültig emanzipierte.

Hier war plötzlich Atmosphäre, hier wurde immer noch gelitten, jedoch nicht mehr so aggressiv, hier drückten verschachtelte Melodien eher dezenten melancholischen Schmerz aus. Der ein oder andere Fan wird heftig geschluckt haben, weil dies wohl keiner erwartet hatte. Gab man dem Album jedoch Zeit, sich zu entwickeln, wurde es nach und nach immer größer und größer.

Hier hatte eine Band einen künstlerischen Befreiungsschlag hingelegt, der, und das ist der Unterschied zu Korn, nicht im Ausverkauf endete. Gut, es gab da dieses Hochglanzvideo zu einer verkürzten Version des Songs „Pink Maggit“, das unter dem Titel „Back To School“ lief. An dieser Single werden sie in Verbindung mit dem Video ein paar Dollar verdient haben, aber das kommt in den besten Familien vor.

Und jetzt sind sie zurück mit einem Album, das sich zwar an „White Pony“ orientiert, aber auch Erinnerungen an die ersten beiden Alben wach werden lässt. Gleich der erste Song „Hexameter“ macht direkt klar, woher die Relevanz kommt, die die Deftones in der Musik besaßen und besitzen. Chino schreit und singt mit dem Atem der Verzweiflung (im wahrsten Sinne des Wortes!).

Songs wie „Minerva“, der auch die erste Single wird, erinnern stark an „White Pony“. Doch dann kommt plötzlich wieder so eine Verzweiflungstat wie „When Girls Telephone Boys“ um die Ecke, in der Chino die ganze Zeit schreit. Ohne Pause, ohne Atem, ohne Ruhe. Es gibt aber auch Songs die aus dem bisherigen Raster völlig ausbrechen wie das elegische „Lucky You“, das sich nur noch aus verschiedenen Soundfetzen zusammensetzt und Chino in Flüsterlaune zeigt. In „Bloody Cape“ hingegen treffen zunächst wieder die bekannten brachialen Gitarrenriffs aufeinander, um schließlich aber in völliger Verwirrung ins Leere zu laufen.

Die Deftones sind wieder da! Genauso großartig wie zuvor. Wer bis jetzt noch kein Fan war, möge sich das bitte noch einmal erneut überlegen. Es lohnt sich.

www.deftones.com


Tobias Lehmann
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