Gehört und Gesehen - Nature Always Wins

19.02.2021Maximo Park

Maximo Park

Nature Always Wins

Pias/Prolifica Inc/ Rough Trade (2021, CD, LP, digital)

Es ist etwas mehr als 15 Jahre her, dass die britische Indie-Rockband Maxïmo Park mit ihrem Debütalbum „A Certain Trigger“, an die Öffentlichkeit trat. Das Album schaffte es damals auf Anhieb in die deutschen Charts und hat in ihrer Heimat mittlerweile Platin-Status erreicht. Mit ihrem neuen Album „Nature Always Wins“ will die Band zu diesen Wurzeln zurückkehren und dennoch viel anders machen.

Die erste sehr augenscheinliche Veränderung ist der Weggang ihres Keyboarders Lukas Woller, der 2019 die Band verließ um sich in Australien niederzulassen. Nach dem ersten Schock über diese Entscheidung sahen es die restlichen Bandmitglieder aber auch als Chance an um ihren Bandsound noch einmal zu überprüfen, wie ihr Sänger Paul Smith erklärt: „Diese Unsicherheit darüber, wie das Album klingen würde, war aufregend. Wir wollten das Studio als eine Art Labor der Ideen betrachten und Dinge ausprobieren.“

Als Unterstützung für die Produktion, aber auch den Schreibprozess haben sie sich den US-Amerikaner Ben Allen mit ins Boot geholt, der ihnen den Auftrag gab so viele Songs wie möglich zu schreiben. Herausgekommen sind dabei über 40 Songs, von denen nun zwölf auf ihrem neuen Album „Nature Always Wins“ zu hören sind. Dies zeigt einmal mehr, dass Maxïmo Park viel ausprobiert haben um ihren Sound wiederzuentdecken.

Der Sound ist in der Tat anders als bei ihrem Vorgänger „Risk to Exist“ aus dem Jahr 2017. Generell blieben Maxïmo Park natürlich eine Indie- Rockband, dennoch scheint es so, dass bei ihrem neuen Album mehr Wert auf Effekte und insgesamt breiteren Sound gelegt haben.

Auch inhaltlich gibt es Veränderungen zu „Risk to Exist“. Ging es bei ihm vor allem um politische Themen, geht es „Nature Always Wins“ um die persönlichen Fragen: „Wer bin ich? Wer will ich sein? Habe ich darüber überhaupt Kontrolle, oder ist durch unsere Gene bereits alles vorgegeben?“, so kann man es in der offiziellen Pressemitteilung lesen.

Gleich ihr erster Song „Partly Of My Making“ ist ein gutes Beispiel für ihre neue Entwicklung im Sound. In ihm gibt es, neben den typischen Bandinstrumenten, auch noch Streicher zu hören, die dem ganzen Song eine größere Dynamik verleihen. Inhaltlich geht es in dem Song um das Älterwerden.

Ein weiteres Beispiel für ihren neuen Sound ist auch der Song „Baby Sleep“, der eher an einen Pop-Song mit Rock-Elementen erinnert. Ähnliches gilt auch für „All Of Me“. Der Song bleibt vor allem durch seine Synthie-Melodie, die Ben Allen beisteuerte, und den Gesang von Paul Smith im Ohr. Er gehört zu den Highlights des Albums.

Ein weiteres Highlight ist der Song „Versions Of You“, der musikalisch ein bisschen an die Produktionen von The Killers erinnert. Ob dies vielleicht an ihrem US-amerikanischen Produzenten Ben Allen liegt, sei mal dahingestellt. Ein etwas schwächerer Titel ist hingegen „Meeting Up“, der eher in Richtung Synthie-Pop geht, aber irgendwie ein bisschen zahm daherkommt.

Insgesamt sind die Songs des Albums aber alle gut produzierte Titel, die immer noch nach Maxïmo Park klingen. Dennoch merkt man ihnen den Weggang des Keyboarders Lukas Woller an. Komischerweise sind die Keyboard- beziehungsweise Synthesizer-Parts deswegen aber nicht weniger geworden, ganz im Gegenteil. Sie nehmen mehr denn je einen sehr wichtigen Teil in der Erschaffung ihres Sounds ein. Nun fragt sich also nur noch, wie die Fans der Band diese Veränderung aufnehmen.


Stephan Meßmann
(8 / 10 Pkt.)

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