Gehört und Gesehen - As The Love Continues

19.02.2021Mogwai

Mogwai

As The Love Continues

Rock Action / PIAS /Rough Trade (2021, CD)

Im vergangenen Jahr konnte die schottische Post-Rock-Band Mogwai immerhin schon auf eine 25-jährige Karriere zurückblicken, mit der Gewissheit, längst zu den einflussreichen, internationalen Größen ihres Genres zu zählen. Ihr aktuelles, mittlerweile zehntes Studioalbum entstand unter den Einschränkungen der Pandemie. Eigentlich sollte mit Produzent Dave Fridmann in den USA aufgenommen werden, doch dann blieb Fridmann daheim und die Band recordete in Worcestershire. Die Zusammenarbeit über den großen Teich wurde offensichtlich schnell zur Routine. „As The Love Continues“ ist ein raues Post-Rock-Album mit bekannten Mogwai-Elementen, Stärken und Längen.

Mogwai sind eine verlässliche Band, die weiß, wie man Post-Rock gut in Szene setzt, Spannung aufbaut mit Dramaturgien, Atmosphäre und Sounds geschickt und effektvoll umgeht. Für manche ist die Band eine Art Institution.

Die elf, überwiegend instrumental gehaltenen Tracks auf „As The Love Continues“, spiegeln dies wider. Analoge und elektronische Sounds gehen in ihrem rauen Gewand eine stimmige Symbiose ein. Wirklich überraschende oder neue Aspekte bieten die Schotten dagegen nicht wirklich. Um dieses Album so zu fühlen, wie es sich Mogwai-Gitarrist Stuart Braithwaite wünscht, dazu benötigt es den richtigen Zeitpunkt. Er hoffe, die Musik könne einen von irgendwoher anders dorthin bringen, wo man gerade ist, es sei denn man halte sich an einem tollen Ort auf, aber wenn dem so sei, würde sich die Frage auftun, warum man dann eine so seltsame Musik hören würde, so Braithwaite ein wenig kryptisch.

Man kann das neue Mogwai-Album gut nebenbei am Nachmittag hören, dann spielt es über weite Strecken den Erwartungen entsprechend solide vor sich hin, mit einigen starken, aber auch schwächeren Momenten. Ähnliches hat man im Post-Rock schon oft und oft auch spannender und inspirierter gehört, als auf dieser Mogwai-Platte. Gibt man sich dem neuen Werk abends oder in der Nacht mit Kopfhörern hin, kann das schon anders aussehen.

„Ritchie Sacramento“ ist mit Gesang versehen und einer der stärksten Tracks auf diesem Album. Auch wenn die Gitarre mit angenehmer Härte die Führungsarbeit übernimmt, wie in „Ceiling Granny“, dann sind da diese packenden Elemente in der Musik, die Spaß machen. Anders sieht es da mit „Fuck Money“ und der entfernten, fast unkenntlichen Vocoder-Stimme aus. Ein Song, der nicht so stark zündet. Von Ausnahmen abgesehen, kann das auf längere Sicht ein leicht zähes Hörerlebnis sein, dem Album konsequent zu folgen. Was an manchen Stellen, in einigen Tracks fehlt, ist das gewisse Etwas, das die Musik von einem guten Begleiter zu etwas wirklich Aufregenden machen könnte.

Gut denkbar aber, dass die Stücke bei einer derzeit nicht möglichen Live-Show vor real anwesendem Publikum voll zur Entfaltung kommen könnten, dann, wenn bestimmte Lichtshows und Visuals sowie harte, laute Gitarren und drückende Bässe wie kraftvolles Schlagzeug durch die P.A.-Boxen dringen.

Wer Mogwai schon einmal live gesehen oder gehört hat, wird nicht nur von einem Konzert berichten können, sondern von einer ganzheitlichen Erfahrung, die zu Glücksgefühlen führen kann. „As The Love Continues“ kann das so nicht ganz vermitteln. Ein ansprechendes Album ist es dennoch.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
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Mogwai - Mr. Beast (2006)
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