Gehört und Gesehen - Silver Linings

30.11.2020Less Than Jake

Less Than Jake

Silver Linings

Pure Noise Records / Membran / The Orchard (2020, (CD, LP, digital))

Mit gewohnter Heiterkeit schwingen sich Less Than Jake wieder in den Sattel veröffentlichen mit „Silver Linings“ ihr aktuelles, neuntes Studioalbum. Drei Jahre liegen zwischen der neuen Musik und dem Vorgänger „Sound The Alarm“. Geht man nach Alben in voller Länge, liegen sogar sieben Jahren zwischen „See The Light“ und dem neuen Werk. Ihre zwölf neuen Songs bringen sie in meist unter drei Minuten mit fröhlicher Grundstimmung und teils autobiografischem Inhalt auf den Punkt.

Seit 1992 ist die Ska-Pop-Punk-Band aus Gainesville Florida fest in der Szene etabliert. Wenn Less Than Jake mit Posaune und Saxophon über sämtliche einschlägige Festivalbühnen toben, macht sich kollektive gute Laune bei allen Beteiligten breit. - So verhält sich das auch beim Hören des ersten Songs „The High Cost Of Living Low“.

Auf dem Album geht die Band mal mehr mal weniger sichere Wege. Wobei die unerwartete Route meist interessanter ist als das altbewährte Schema F. Man habe nicht versucht, das Rad neu zu erfinden, sondern wollte sich treu bleiben und dabei etwas druckvoller und „in-your-face“ sein. Langweilig wird es mit „Silver Linings“ keineswegs.

Klar, kennen sich Less Than Jake bestens damit aus, gute Laune zu verbreiten. Das muss aber noch lange nicht bedeuten, dass es inhaltlich nur um Friede, Freude, Eierkuchen geht. Das vorab erschienene „Dear Me“ ist ein Brief an sich selbst und als Siuzid-Präventions-Single im Oktober veröffentlicht worden. Sänger und Gitarrist Chris DeMakes gibt seine eigene Frustration und Ratlosigkeit zu: „How did it get so bad?“. Am Ende bleibt ein Hoffnungsschimmer.

„Bill“ ist eine Hommage an den Schlagzeuger, Produzent und Songwriter Bill Stevenson (Descendents und ALL), in dem sie ihrem Freund und Wegbereiter für seine Dienste in der Punk-Szene danken. Und sie haben Recht, warum warten bis wichtige Personen in unserem Leben von uns gegangen sind? „Wir zeigen eine gewisse Zerbrechlichkeit in einer Zeit, in der die Menschen so verhärtet scheinen.“ , sagt Saxophonist Wasilewski. In „So Much Less“ legt er ein starkes und sein sogar erstes Saxophon-Solo überhaupt auf einem Less-Than-Jake-Album hin.

Während DeMakes, Lima und Wasilewski alle Texte geschrieben haben, haben sie mit ihrem frühen Tourmanager Matt Yonker neue Verstärkung am Schlagzeug bekommen. Yonker bringt die gewünschte druckvolle Art und die Erfahrung aus der Zeit mit, in der er mit Punk-Bands wie den Teen Idols und den Queers an den Drums saß.

Der Titel der neuen Platte soll zwar schon vor der Pandemie festgestanden haben, „Silver Linings“ eignet sich trotzdem optimal als „pick-me-up“, gerade in der tristen Jahreszeit.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.lessthanjake.com
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