Gehört und Gesehen - Snow

08.12.2006Spock´s Beard

Spock´s Beard

Snow

Inside Out / SPV (2002)

Wo nimmt der Mann nur diese Energie her, diese schier unerschöpfliche kreative Kraft ? Neal Morse, Sänger und Mastermind der amerikanischen Prog-Rocker von Spock´s Beard scheint die personifizierte ständig sprudelnde und scheinbar nie versiegende Songwriting- Energiequelle des Genres zu sein.

Dem Rezensenten ist derzeit kein anderer Musiker bekannt, der als kreativer Kopf in einem Zeitraum von nur zwei Jahren mit zwei Bands (Spock´s Beard und Transatlantic)jeweils zwei Studio-Alben herausbringt, mit beiden Gruppen ausgiebig tourt und nebenbei noch eine Solo-Platte veröffentlicht. Schwächeperioden oder Flops ? Keine !

Dort wo sich bei anderen Bands und Musikern irgendwann mal ein gewisser Verschleiß bemerkbar macht, es der Musik nach der dritten oder vierten Veröffentlichung einer Band oft an der gewissen Magie, den Songs an Esprit fehlt, steht bei Neal Morse am Ende eines zeitlichen Abschnitts von zehn Jahren seit der Bandgründung das vorerst absolute Meisterwerk seiner Karriere: das neue Spock´s Beard-Album „Snow“.

„Snow“ gehört zur Gattung der Konzeptalben: eine durchgängige Story zieht sich wie ein roter Faden durch die Songs die häufig durch instrumentale Übergänge miteinander verbunden sind. Musik und Text sind auf feinste Art und Weise aufeinander abgestimmt. Auf „Snow“ wird die fiktive Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der von der Natur aus die Gabe bekommen hat, andere Menschen zu heilen. Mit seinen außergewöhnlichen, fast spirituellen Fähigkeiten muss er mühsam lernen umzugehen, das eigene Ego bereitet ihm dabei die größten Schwierigkeiten.

Die Songs des Albums sind über einen Zeitraum von anderthalb Jahren an verschiedenen Orten der Erde entstanden: Die Ballade „Carie“ im Tourbus, der Opener „Made Alive“ der gleichzeitig den Abschluss des 26 Stücke umfassenden Doppelalbums bildet, an einem dämmernden Morgen in New Mexico.

Spock´s Beard- spieltechnisch ohnehin eine Band begnadeter Musiker-überzeugen auf „Snow“ vor allem durch ihre wunderschönen Melodiebögen in den erstklassigen und abwechslungsreichen, geschmackvoll arrangierten Kompositionen. Wie es sich für ein Konzeptalbum gehört, ist auch „Snow“ durch musikalische Spannung und Dynamik geprägt. Kraftvolle, harte und virtuos verspielte Prog-Rock-Parts wechseln mit ruhigen Parts und -von der Songstruktur- klassischen Balladen ab.

Keyboards, Gitarren und reine Instrumental-Parts lassen des Öfteren Erinnerungen an die Prog-Urväter von Genesis zu ihrer besten Zeit wach werden. Den Ball den Gabriel, Collins, Banks, Rutherford und Hackett in den frühen Siebzigern zu Zeiten von Alben wie „Foxtrott“, „Nursery Crime“ , „Selling England by the pound“ oder „The Lamb lies down on broadway“ ein ums andere Mal spielten, nehmen Spock´s Beard auf „Snow“ gekonnt auf ohne jemals wie ein Plagiat zu klingen. Spock´s Beard mischen den Kompositionen hier und da noch einen feinen Schuss traditionellen amerikanischem Pop-Rock bei, ohne dass diese Elemente zu dominant wirken, letztlich aber zum prägnanten Stil von Spock´s Beard-Stil beitragen.

Mit „Snow“ ist der Band ein Album von erlesener Qualität gelungen, ein Album, das das Zeug zum Rock-Standardwerk hat; einer Platte, von der man noch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren sprechen könnte– ein Muss für Freunde anspruchsvoller und abwechslungsreicher Rockmusik ist „Snow“ in jedem Fall.

www.spocksbeard.com


Andreas Haug
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