Gehört und Gesehen - Wreckless Abandon

30.11.2020The Dirty Knobs

The Dirty Knobs

Wreckless Abandon

BMG Rights / Warner (2020, CD)

Auch nicht ganz alltäglich. Eine Band besteht seit beinahe zwölf Jahren, hat aber bis dato noch kein Album veröffentlicht. Auf The Dirty Knobs um Gitarrist, Songschreiber und Sänger Mike Campbell traf das bislang zu, doch nun liegt mit „Wreckless Abandon“ das erste, 13 Tracks umfassende Debüt vor. Die Band besteht aus arrivierten Musikern aus der ersten Liga US-amerikanischer Studio-und Live-Musiker, zu deren Referenzen Bands und Künstler wie Don Henley, Slash, Neil Diamond oder Alanis Morrisette zählen. Am Album beteiligt war auch Ben Tench, der neben Mike Campbell zu den Gründungsmitgliedern von Tom Petty & The Heartbreakers gehört.

In den vergangenen Jahren, bis zum Tod von Tom Petty 2017, waren The Dirty Knobs immer wieder die eine musikalische Plattform, einige andere Songs zu spielen, die Mike Campbell so geschrieben hatte. Zwischen den Aufnahmen und Touren mit Tom Petty & The Hearbreakers war dies eine willkommene kreative Abwechslung für den Musiker.

Aber erst jetzt bot sich die Gelegenheit, mit The Dirty Knobs ins Studio zu gehen, ein Album aufzunehmen und eine Tour zu planen. Eigentlich war die Veröffentlichung von „Wreckless Abandon“ bereits für Mitte September geplant, nach einer Terminverschiebung liegt die Platte jetzt seit Mitte November vor.

Ziel der Band war es, Songs aufzunehmen ohne den Druck von Erwartungshaltungen zu spüren oder sich gar Gedanken um mögliche Hits zu machen. Diese gewisse Gelöstheit hört man dem Album an. Routiniert spielen sich The Dirty Knobs durch Rock´n´Roll, Pop-Rock, Folk, Country und Blues und erfüllen dabei alle Erwartungen an eine abgezockte, coole und bodenständige Rockband, in der handgemachte, gitarrenbasierte Musik alles ist.

Rauer Gesang und geradliniger, handgemachter Rock dominieren dabei das Album. Mal geht es bluesig zur Sache, mal liegt der Schwerpunkt auf lockerem, schmutzigen Rock´n´Roll, dann kommen sonnige Country-Rock-Elemente zum Vorschein und schließlich sind da Songs wie „Fuck That Guy“, die in einer Lässigkeit dargeboten werden, wie es sonst wohl nur ein Lou Reed zu Lebzeiten geschafft hätte.

Kernige Riffs, mal Akustik-Gitarre, hier und da der Einsatz von Bottle-Neck-Technik: Das Album von The Dirty Knobs dürfte Puristen der genannten Genres viel Spaß machen. Wer im Rock´n´Roll, Blues und Country-Rock schon vieles oder sehr vieles gehört hat, wird bei „Wreckless Abandon“ aber auch keine neuen Erkenntnisse gewinnen.


Andreas Haug
(6 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thedirtyknobs.com
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