Gehört und Gesehen - Terminal Velocity

30.09.2020John Petrucci

John Petrucci

Terminal Velocity

Ren Sam Songs / Sound Mind / Napalm Records (2020, CD)

John Petrucci zählt in der internationalen Rock-, Progressive-Rock- und Metal-Szene zu den besten Gitarristen überhaupt. Petrucci kennt man als Gitarrist und Mitbegründer von Dream Theater, als technisch sehr versierten Musiker und Songschreiber obendrein. 15 Jahre nach seinem ersten Solo-Album hat er mit „Terminal Velocity“ eine zweite Platte abseits von Dream Theater produziert und der Clou für viele Fans dürfte die Tatsache sein, dass sein früherer Bandkollege Mike Portnoy Schlagzeug gespielt hat. Als Bassist war Dave LaRue dabei, der zusammen mit Portnoy bei der Band Flying Colours das eingespielte Rhythmusgespann bildet. Alles andere als schlechte Voraussetzungen also.

Man muss solchen instrumentalen Solo-Projekten von herausragenden Einzelmusikern, die obendrein noch in genreführenden Bands spielen normalerweise mit noch mehr Unvoreingenommenheit begegnen, als anderen Alben. Es kann schon mal vorkommen, dass im Kern technisches Können zur Schau gestellt wird, sich Musiker noch mehr an ihren Instrumenten austoben, als sie es bei ihren Bands sonst tun.

Bei John Petrucci und seinem Ende August zunächst digital erschienenen Album „Terminal Velocity“ ist dann doch etwas anders gestrickt. Natürlich kann man Petrucci´s technische Virtuosität natürlich auch hier bewundern, aber dass der US-Amerikaner seit Jahrzehnten als Meistergitarrist gilt, dürfte wohl jedem an progressiver Rock-und Metalmusik Interessiertem ohnehin bekannt sein. In Musikerkreisen, speziell bei Gitarristen rangiert Petrucci seit langem sehr weit oben.

15 Jahre nach seinem ersten Solo-Album „Suspended Animation“ nun also neun neue John-Petrucci-Instrumentals auf „Terminal Velocity“. Dass der Gitarrist nach zehn Jahren wieder mit seinem früheren Dream-Theater-Bandkollegen, Schlagzeuger Mike Portnoy an einem Album arbeiten konnte, hat ihm möglicherweise bei manchen Aufnahmen Flügel verleiht.

Das Album kommt kernig, frisch und ausgeschlafen daher. Das Trio John Petrucci an der Gitarre, Mike Portnoy am Schlagzeug und Dave LaRue am Bass spielt wie aus einem Guss. Hörbar motiviert und ohrenscheinlich auch mit Freude und Spaß. Neben packenden Riffs und Hochgeschwindigkeits-Soli besitzt John Petrucci auch ein gutes Händchen für wunderschöne und einprägsame Melodie-Linien.

Wo es bei Dream Theater bei manchen Songs vorkommen kann, dass das abwechselnde Solieren von Gitarrist Petrucci und Keyboarder Jordan Rudness schon mal ins kühl-technische driftet, sind die Stücke auf dem vorliegenden Solo-Album des Gitarristen oft sehr durch Wärme und Ideenreichtum geprägt.

Spaß, Antrieb und Energie, die die Musiker im Studio offenbar hatten, dürften des Öfteren auf den Hörer überspringen. Ein gelungenes, hörenswertes Album. Für Fans von John Petrucci und filigraner, geschmackvoller Rock-und Metal-Gitarrenarbeit ist „Terminal Velocity“ beinahe ein Muss.

Als CD und Vinyl-Schallplatte soll das Album am 30. Oktober erhältlich sein.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.johnpetrucci.com
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