Gehört und Gesehen - Weltschmerz

30.09.2020Fish

Fish

Weltschmerz

Chocolate Frog Records (2020, CD)

Da ist es nun endlich, das von Fish als letztes Studioalbum seiner Karriere angekündigte „Weltschmerz“. Gut fünf Jahre haben die Kompositionen, die Aufnahmen und die Fertigstellung insgesamt gedauert. Immer wieder gab es Widrigkeiten, die die Planungen des schottischen Sängers und Songpoeten über den Haufen warfen und das finale Albumprojekt verzögerten. Der kreative Output bei Fish und seinem musikalischem Umfeld war dann so groß, dass „Weltschmerz“ zu einem Doppel-Album geraten ist. 2 CDs mit insgesamt fast 85 Minuten Spielzeit. Dass der lange Entwicklungsprozess der Qualität des Albums am Ende wohl zum Vorteil geriet, ist den insgesamt zehn Stücken teils deutlich anzuhören.

Schon mit den ersten Video-Single-Veröffentlichungen hatte sich angedeutet, dass Fish mit „Weltschmerz“ ein besonderes Album mit viel Substanz, Tiefgang, aber auch Momenten mit gewisser Leichtigkeit in Arbeit hat. Seit seinem Ausstieg bei Marillion Ende der 1980er Jahre, hatte sich der Progressive-Rock-Sänger als Solo-Künstler etabliert. Zunächst im Major-Company-Umfeld später dann als D.I.Y.-Indie-Act, der er heute noch ist. Die Entscheidung, großen Plattenfirmen den Rücken zu kehren und die Fäden der eigenen Karriere künstlerisch wie geschäftlich mit einem Team von meist engen Vertrauten selbst in der Hand zu behalten, war für Fish und seine Musik sicher eine gute.

Bei „Weltschmerz“ finden sich alle Facetten des Progressive-Rock wie man ihn von Fish in seiner individuellen Machart in Stil und Sound über alle seine Alben kennen gelernt hat, wieder. Da sind feine schottische Folk-Einflüsse, Pop, geradliniger wie auch mal rhythmisch vertrackter Progressive-Rock. Mal im kompakten Song-Format, dann wieder als in sich verschachtelte, teils komplexe Kompositionen mit über 13, 14 oder 15 Minuten Spielzeit. Besonders erwähnenswert bei Fish sind seine oft poetischen Songtexte. In Sachen Lyrics und Gesangsdramaturgie, war er schon immer ein Meister seines Faches

Fans von Fish, denen vor mehr als 20 Jahren das Stück „Raingods With Zippos“ ans Herz gewachsen ist, finden auf „Weltschmerz“ jede Menge ähnlich geprägte Einzelwerke. Herauszustellen sind epische, vielfältige und intensive Stücke wie das beeindruckende „Rose Of Damascus“ oder instrumentell reduzierte melancholische Balladen wie „Garden Of Remembrance“. Wenn Fish die Karte Rock spielt, dann sind seine Songs meist durch einen unwiderstehlichen, kraftvollen Groove geprägt, wie auf diesem Album etwa beim Titelsong, der das Album auf CD 2 abschließt.

Die lange Entwicklungs-und Produktionsphase von „Weltschmerz“ führte dazu, dass sehr viele Musikerinnen und Musiker involviert waren. Orchestrale Arrangements übernahmen Streicher und Bläser. Dass neben Fish´s Stammmusiker-Umfeld an diesem Album auch weitere, sehr hochkarätige und in der internationalen Progressive-Rockszene populäre Akteure wie Schlagzeuger Greg Blundell (u.a. Steven Wilson, Steve Hackett) und Gitarrist John Mitchell (langjähriger Gitarrist von Arena) beteiligt waren, verleiht „Weltschmerz“ zahlreiche zusätzliche Akzente und Farbtupfer.

„Weltschmerz“ ist nicht nur ein Album, es ist ein in sich konzipiertes Musikwerk das zu den besten, mindestens aber zu den aufwändigsten in der Karriere von Fish zählen dürfte. Und wenn der charismatische Schotte seine ursprünglichen Pläne einhält und „Weltschmerz“ tatsächlich das letzte Musik-Album seiner Karriere ist, dann ist das ein sehr positiv beeindruckender, großartiger Abschluss.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.fishmusic.scot
www.facebook.com/derek.dick

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