Gehört und Gesehen - Everyone Loves You... Once You Leave Them

24.04.2020The Amity Affliction

The Amity Affliction

Everyone Loves You... Once You Leave Them

Pure Noise Records (2020, CD, LP, digital)

Auf ihrem aktuellen siebten Album „Everyone Loves You... Once You Leave Them“ rechnet The Amity Affliction mit dem Stigma von psychischen Erkrankungen wie Depressionen ab. Begleitet wird diese Offenheit und Verletzlichkeit von brachialen Post-Hardcore-Songs, die hier und da durch eine Prise Pop aufgelockert werden, ohne dabei an ihrer Ehrlichkeit einzubüßen.

Seit 2003 macht das australische Metalcore-/Post-Hardcore-Gespann aus Brisbane Musik. Aktuell besteht die Band aus Sänger Joel Birch, Sänger und Bassist Ahren Stringer, Gitarrist Dan Brown und Schlagzeuger Jon Longobardi. Zusammen mit Produzent Matt Squire, der auch schon beim Vorgänger „Misery“ mit von der Partie war, hat das Quartett elf packende Songs aufgenommen.

Den Start macht der heavy 2-Minüter „Coffin“, dicht auf seinen Fersen folgt „All My Friends Are Dead“, der wie ein Hagelsturm ins Gesicht peitscht. Der melodische Ohrwurm-Chorus „Dying slowly is dying lonely“ hätte auch von den Kollegen von Silverstein kommen können.

Die Band ist bekannt dafür, sich nicht vor schwierigen und sehr persönlichen Themen zu scheuen. Das ist auch bei „Everyone Loves You... Once You Leave Them“ nicht anders, wie man anhand des finsteren Albumtitels vielleicht erraten kann. „Alle lieben dich... sobald du sie verlässt“ - damit spielt Frontmann Joel Birch auf die Doppelmoral der „Internet-Horde“ an. Wenn man ein erfolgreicher Musiker sei, sei deren Reaktion oft: „Es ist unmöglich, dass du Depressionen hast“. Trotz des großartigen Jobs sei im Verborgenen nicht immer alles rosig. „Wenn jemand stirbt, hört man den Mob sagen: 'Oh mein Gott, dieser Künstler war so eine Inspiration'“, kritisiert Birch. „Diese ignorante Feindseligkeit gegenüber psychischen Erkrankungen in der Musik und anderen Berufen“ habe er satt.

Brutale Bilder ruft der Song „Soak Me In Bleach“ ins Gedächtnis. Zarte Klaviertöne eröffnen die Nummer wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Nummer besticht vor allem mit der Abwechslung aus ruhigeren Parts und starken Explosionen. Mit einer fast schon pop-punkigen, fröhlich-klingenden Melodie werden die makaberen Lyrics „Turn me inside out, soak me in bleach“ gesungen. Besonders die Screams reichern diesen Song mit kraftvollen Emotionen an. Ähnlich eingängig ist das an manchen Stellen teilweise fast schon poppige „All I Do Is Sink“.

Der Albumtitel bekommt einen Shoutout in „Baltimore Rain“. Der Refrain macht einfach nur Spaß. Der Titel balaniert die Mischung aus Wucht und Eingängigkeit.

„Aloneliness“ ist stellenweise schon radiotauglich poppig, mit elektronischen Elementen und angetrieben durch die Drums. Doch das Thema bleibt ernst: Es geht darum, bipolar zu sein, wie beim Titel „Forever“. Joel Birch beschreibt es als eigenen Kampf, herauszufinden, wer er gerade ist. Die Musik helfe ihm als positiver Ausgleich.

Das Album bleibt bis zum Schluss konsequent dabei, sich mit schwierigen Themen auseinander zu setzen. In „Catatonia“ geht es um den Suizid eines guten Freundes, dessen Tod ihn wie eine Tonne Ziegelsteine traf, sagt Birch.

Hörer mit ähnlichen Problemen können sich verstanden fühlen oder vielleicht neues Verständnis für psychische Erkrankungen finden.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

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