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Gehört und Gesehen - Perdida

13.02.2020Stone Temple Pilots

Stone Temple Pilots

Perdida

Rhino Entertainment Company (2020, CD, LP, Digital)

„Pérdida“ ist Spanisch für Verlust und der Titel des aktuellen Albums der Stone Temple Pilots. Soundtechnisch ist das neue Werk meilenweit entfernt vom Debütalbum „Core“, das der Band Anfang der Neunziger mit dem dynamischen, vom Grunge inspirierten Hardrock erste Aufmerksamkeit bescherte und bis heute rund 7 Millionen Mal in den Vereinigten Staaten verkauft wurde. „Perdida“ ist das zweite Album mit Sänger Jeff Gutt an Bord und das erste Akustikalbum der Band. Man habe schon lange vorgehabt, ein solches Album zu machen, sagt Bassist Robert DeLeo.

Die neue Platte der Stone Temple Pilots könnte problemlos die Hintergrundmusik in einem Café sein, in dem man ein angeregtes Gespräch mit guten Freunden führt und zwischendurch hin und wieder einmal aufmerksam den ruhigen Klängen lauscht. Trotz der traurigen Note versprühen die Songs eine angenehm, wohlige Stimmung. Die meiste Zeit aber plätschern die Songs unaufgeregt dahin, sodass man schnell mal die Zeit vergessen kann.

Wie der Abumtitel schon vermuten lassen mag, geht es um Verlust, Herzschmerz, Trennung, Loslassen und Neuanfangen. Ein Teil des Albums hat die Band auf ihrer Tour in Kanada geschrieben. Bereits der Opener „Fare Thee Well“ entpuppt sich als besonders inniger, emotionaler und eingängige Ballade. Die Essenz des Songs wird mit der Zeile „I can tell you're gone by the way I'm missing you“ zusammengefasst. Dass mit dem ehemaligen X-Factor-Kandidaten Jeff Gutt ein versierter Sänger in die Fußstapfen von Gründungsmitglied Scott Weiland getreten ist, muss er nicht mehr unter Beweis stellen.

Mit Verlust hat die Band aus San Diego bereits viele Berührungspunkte: Scott Weiland, der 2015 im Alter von 48 Jahren an einer Überdosis starb und Chester Bennington, der für etwa zwei Jahre am Mikrofon aushalf und sich 2017 das Leben nahm.

„Years“ handele von Robert DeLeos kürzlicher Trennung. Es ist der erste Stone Temple Pilots Song, auf dem der Bassist Leadvocals singt. In “Miles Away,” geht es generell um verlorene Liebe.

„Wir haben alle in letzter Zeit Herzschmerz erfahren und konnten das alles mit diesem Album rauslassen“, sagt Sänger Jeff Gutt, der auch mit Chester Bennington befreundet war. Gutt war für das Schreiben der Lyrics hauptverantwortlich. Für ihn sei es furchteinflößend und befreiend zugleich gewesen, sich von seiner verletzlichen Seite zu zeigen, weil er dabei schwierige Moment in seinem Leben reflektieren musste.

Der Schreibprozess sei kathartisch für die Band gewesen, sagt Sänger Jeff Gutt, der 2017 nach einem Castingaufruf zur Band stieß. Das Album sei organisch zustande gekommen, was man den Songs auch anhört. Denn auch wenn man nicht auf den Text hört, transportieren sie die Gefühle der Melancholie, denen sich die Bandmitglieder beim Schreiben hingegeben haben. Die Lieder fließen förmlich ineinander, teilweise kann das aber auch schon fast gähnend langatmig sein.

Dennoch ist es nur konsequent, das Album vollständig im Akustikgewand und mit ungewöhnlicher, teils vintage Instrumentalisierung zu produzieren. Wenn sich zwischen zarte Nummern mit Alt-Saxofon wie in „Years“, mit indianischer Basspfeife und Marxophon aus den 1920er Jahren wie in „She's My Queen“, mit Flöte wie in „I Don’t Know The Time“ oder Guitarrón (eine besonders dickbäuchige Gitarre), zu hören in „Miles Away“ plötzlich laute, lebhafte Tracks geschlichen hätten, würde das nur irritieren.


Lisa Eimermacher
(7 / 10 Pkt.)

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