Gehört und Gesehen - Valve Bone Woe

14.09.2019Chrisse Hynde

Chrisse Hynde

Valve Bone Woe

BMG (2019, CD)

Die Sängerin Chrissie Hynde, einst mit der Band The Pretenders populär geworden, ist eine sehr vielfältig interessierte und äußerst talentierte Künstlerin. Das zeigt ihr aktuelles Projekt, dass sie mit dem Valve Bone Woe Ensemble realisiert hat. Chrissie Hynde bewegt sich dabei in bluesig-jazzigen Gefilden, interpretiert 14 Songs, die teils viele Jahrzehnte alt und im Original von so unterschiedlichen Musikern, Sänger und Komponisten wie etwa John Coltrane, Brian Wilson, Frank Sinatra oder Ray Davis von The Kinks stammen.

Ein Cover-Album? Nein, nicht wirklich. Chrissie Hynde interpretiert mit ihren sehr zahlreichen Musikern und Musikerinnen die Stücke so speziell und gefühlvoll, dass sie klingen, als wären sie erst kürzlich geschrieben und arrangiert worden. „Valve Bone Woe“ schlägt eine Brücke von Tradition zur Moderne und ist auch eine Art Crossover.

Das Klangvolumen einer Band und stellenweise eines großes Streich-und Blasorchester trifft auf feinfühlig dazugemischte elektronische Effekte und Sounds zwischen Dub und Ambient. Darüber dann die ausdrucksstarke, warme Stimme von Chrissie Hynde. Stilistisch bewegt man sich in einer Schnittmenge aus Jazz, Blues und Dub. Bluesig geht es mit den Opener „How Glad I Am“ los und gleich als zweites Stück folgt eine subtile Dub-Reggae basierte Interpretation von „Caroline, No“.

Bei diesem Album handelt es sich um ein Großprojekt. Die Band besteht im Kern aus 4-5 Musikern, dazu kommen zusätzliche Musiker und „Featured Artists“ (darunter die grandiose Bassistin Tal Wilkenfield) und das The Valve Bone Woe Orchestra mit insgesamt 45 Akteuren.

Im zweiten Teil des Albums dominiert der Jazz, gefühlvoll arrangiert und in Szene gesetzt mit einer Eleganz und Ausdruckskraft von Filmmusik. Man stelle sich große Hollywood-Romanzen oder auch Melodramen vor, große Filme, Klassiker. Großes Orchester, große Sängerin, aber alles nicht auf klangliche Größe oder gar Wucht ausgelegt, sondern eher dezent.

„Valve Bone Woe“ ist ein Album, zu dem man träumen und sich wunderbar entspannen kann. Es kann nahezu beruhigende Wirkung haben, wenn man sich darauf einlassen kann und möchte. Man kann sich frisch und erholt fühlen, wie in einer Ruhelandschaft liegend, nach mehreren Wellnessanwendungen.

Musikalisch in dieser Konstellation ziemlich außergewöhnlich und auf künstlerisch sehr hohem Niveau.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.chrissiehynde.com
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