Gehört und Gesehen - Kick

12.04.2019Dave Hause

Dave Hause

Kick

Rise Records/BMG (2019, CD)

Nach den Vorab-Song-Veröffentlichungen „The Ditch“, „Saboteurs und jüngst „Fireflies“ durfte man auf das neue Album des US-amerikanischen Rock-Sängers, -Gitarristen und Songschreibers Dave Hause sehr gespannt sein. „Kick“ ist ein musikalisch trendunabhängiges Album im Spannungsfeld von Rock, Pop, Folk, Rock´n´Roll und einer Spur Punk-Pop-Rock, das inhaltlich auch aktuelle politische und soziale Themen aufgreift, diese in den Kontext der Lebenssituation eines Einzelnen setzt und aus dessen Perspektive beleuchtet.

Die Folk-Punk-Rock-Wurzeln hört man bei Dave Hause zeitweise immer noch deutlich heraus, tendenziell hymnenhafte Songs in dieser Richtung finden sich auch auf „Kick“. Insgesamt dürfte das Album aber ein sehr breitgefächertes Publikum ansprechen, dass sich keiner speziellen Szene zugehörig fühlt, sondern einfach Spaß an kraftvoller, energiegeladener, hochmelodischer Rockmusik nordamerikanischer Prägung hat.

Etwas jüngere Hörerinnen und Hörer, die sich in ihren Zwanzigern und Dreißigerin befinden, werden Dave Hause wohl noch tendenziell in der Folk-Punk-Singer-/Songwriter-Szene verorten, dort, wo sie ihn kennen gelernt haben. Vom Lebensalter reifere Hörer werden sich bei den frisch und leidenschaftlich klingenden Songs wie „The Ditch“ oder „Saboteurs“ unweigerlich an die 1980er Jahre erinnern, an Musiker und Bands wie Don Henley, Tom Petty, Bryan Adams, Little Steven oder auch The Hooters. Zu Letzt genannter Band hat Dave Hause einen besonderen Draht: The Hooters-Sänger-und –Gitarrist Eric Bazilian hat „Kick“ auf sehr brillante Art und Weise produziert.

Dinge anprangern, Kraft und Lebensmut entfachen

Gesellschaftliche und soziale Missstände, Ungerechtigkeiten, die eigene Rolle in der persönlichen Entwicklung, in persönlichen Beziehungen waren schon immer wichtige Themen für Songschreiber vom Format Dave Hause. Die neuen Songs hat er in enger Zusammenarbeit mit seinem Bruder Tim Hause entwickelt.

Dinge beim Namen nennen, anprangern, Sorgen und Ängste formulieren, aber gleichzeitig mit Musik Kraft und Lebensmut entfachen, sich gegen negative Entwicklungen zu stemmen, sich nicht unterkriegen oder runterziehen zu lassen, aufzubegehren, Haltung einzunehmen und –wenn es sein muss- für Ideale zu kämpfen.

Hier unterscheidet sich Dave Hause kaum von immer noch aktiven und relevanten Musikern aus früheren Generationen, wie etwa Bruce Springsteen oder Little Steven und von großen Namen der internationalen Rockmusikszene wie diesen hat sich Hause musikalisch hörbar stark inspirieren lassen.

Tritt aufs Gaspedal

Die Songs auf „Kick“ rütteln wach, motivieren, versprühen nicht zuletzt durch Tempo, Drive und großartige Melodien Lebensenergie. Man kann zu Songs wie „The Ditch“ tanzen und singen oder im Auto noch etwas stärker auf das Gaspedal treten, Fenster und Schiebedach öffnen und frische Luft und Sonne hereinlassen. Überhaupt zeigt Dave Hause auch auf diesem Album, dass er ein absoluter Großmeister in der Disziplin melodisch-packendes Rock-Songwriting ist. Ein Könner mit einem absolut treffsicheren Händchen für eingängige Ohrwürmer.

Man mag dem 40-Jährigen aus Philadelphia, der jüngst nach Kalifornien gezogen ist, gern unterstellen, dass er die Musik der Hooters, der Springsteens, Pettys, Henleys, Adams und wie sie alle heißen, mit der Muttermilch aufgesogen hat und daraus sein eigenes Songwriter-Profil entwickelt und inzwischen ein sehr hohes Level erreicht hat.

Vor rund 30, 35 Jahren wäre wohl so mancher Song auf „Kick“ in Deutschland auf großen Radiostationen rauf und runter gelaufen, damals, als „The Boys Of Summer“, „Dancing In The Dark“, „Free Fallin´“ oder „Summer Of 69“ große Hits jener Dekade waren.

„The Ditch“ oder „Saboteurs“ von Dave Hause hätten sich da durchaus einreihen können, wenigstens ungefähr. Mit seiner Band The Mermaid, in der sein Bruder Tim auch Gitarre spielt, hätte er womöglich sehr große Clubs oder auch Hallen gefüllt.

In der realen Welt des Jahres 2019 gehen Dave Hause & The Mermaid in Deutschland auf eine Tour durch eher kleine Clubs. In Hannover bespielt man Ende April 2019 das kleine, kultige Béi Chéz Heinz. Auch wenn „Kick“ nach mehr klingt: Dave Hause ist anscheinend doch noch der einfache, bodenständige Musiker geblieben, der offensichtlich noch ganz viel Punk-Rock im Herzen trägt.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.davehause.com
www.facebook.com/DaveHauseMusic

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