Gehört und Gesehen - Zerfall

15.03.2019Kind Kaputt

Kind Kaputt

Zerfall

Uncle M Music (2019, CD)

Drückend, literarisch hochwertig und kurzweilig - so könnte das neue Werk der 2016 gegründeten Band Kind Kaputt bezeichnet werden. Das von Jan Kerscher in den Ghost City Studios bei Nürnberg produzierte Album hat aber noch einiges mehr zu bieten und folgt einem gewissen Konzept, denn jeder der Songs beleuchtet ganz bestimmte Aspekte in der Entwicklung eines 18 – 28-Jährigen. Der Nachfolger der Anfang 2018 erschienenen Debut-EP „Die Meinung der Einzelnen“ trägt den Titel „Zerfall“.

Die Band mit Mitgliedern aus Leipzig, Eschwege und Berlin vergleicht ihre Musik selbst mit Bands wie Heisskalt, Fjørt, Brand New und Thrice, wobei ein eigener Stil unverkennbar ist. „Zerfall“ richtet sein Augenmerk ganz klar auf eine Generation, die sich mit Themen wie Flucht, Verdrängung oder Kapitulation auseinanderzusetzen hat.

Dass dieser Zustand für einen Heranwachsenden nicht ganz einfach ist, spiegelt sich im Gesamtsound des Albums wider. Düster und schwer kommt es daher, ist jedoch gleichzeitig lyrisch und inhaltlich ganz weit oben und bietet einen echten Mehrwert. Die Stellung der Band zu Themen wie Unterdrückung, Flüchtlingspolitik oder die eigene Identität, ist dem Ganzen klar zu entnehmen.

Geboten wird Indie-Musik zwischen Alternative und Punkrock, mit schrabbelnden Gitarren, dreckigen Drums, die echt und roh klingen und eine Stimme, die sowohl glasklar klingen kann, dem Hörer bisweilen aber auch wütend und direkt ins Gesicht gedrückt wird. „Zerfall“ ist nicht unbedingt das Album für einen sonnigen Sommerabend, soll es aber auch nicht sein.

Songs wie „Abschied“ oder „Unterholz“ möchten eher in Ruhe zu Hause, mit besonderem Augenmerk auf die textlichen Inhalte genossen werden. Wobei Songs wie „Besteck“, „Schwertschlucken“ oder „Schuld“ mit Sicherheit live und unter freiem Himmel gut rüberkommen.

In den zwölf Songs verbergen sich viele Textzeilen, die es geradezu herausfordern, mit Bier in der Hand und 1500 anderen Gleichgesinnten in die Nacht geschrien zu werden.


Heiko Mohr
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.kindkaputt.de
www.facebook.com/kindkaputt
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