Gehört und Gesehen - Nicht raus, aber weiter

22.02.2019Hi! Spencer

Hi! Spencer

Nicht raus, aber weiter

Uncle M (2019, CD, Digital, LP)

Hi! Spencer , die es seit 2012 gibt, ist eine typische Liveband. Mit ihren Konzerten möchten sie ihre Fans von der Pike auf überzeugen und alles Schritt für Schritt aufbauen. Deshalb ist wohl auch ihr Debütalbum „Weiteratmen“ erst drei Jahre nach ihrer Bandgründung auf den Markt gekommen. Vor kurzem haben Sven Bensmann (Gesang), Malte Thiede (Gitarre, Gesang), Janis Petersmann (Gitarre, Gesang), Jan Niermann (Bass, Tasten, Gesang) und Niklas Unnerstall (Drums) ihr zweites Studioalbum „Nicht raus, aber weiter“ veröffentlicht.

Musikalisch bewegen sich die Osnabrücker im Bereich des Rock, Punk und Indie. Kettcar, Muff Potter und Jupiter Jones zählen dabei zu ihren Vorbildern. Inhaltlich soll „Nicht raus, aber weiter“ ein Album sein, „das Angst, Unzulänglichkeit und Scheitern thematisiert, dabei selbiges zur Überwindungsstrategie macht und es verpackt in teils euphorische, teils getragene Songs.“

Den Anfang macht „Weck mich auf“, den sie selber als „tosende Indie-Explosion“ bezeichnen, die voller „positiver Kraft“ ist. Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen. Der energiegeladene Song bleibt sofort im Ohr und ist ein guter Einstieg ins Album.

Der Titelsong „Nicht raus, aber weiter“ lässt es etwas ruhiger angehen als die ersten beiden Tracks. Er erinnert etwas an Jupiter Jones und gehört sicherlich zu den Highlights des Albums. Und auch inhaltlich passt er perfekt zum roten Faden der Platte, wie der Sänger Sven Bensmann verrät: „Der Titelsong beschreibt die inneren Konflikte, die sich auftun, wenn man so sehr an sich selbst arbeitet“.

Musikalisch in eine ähnliche Richtung geht auch „Der Küchentisch“. Textlich handelt er jedoch von Verlustängsten, die durch alltägliche Ereignisse beschrieben werden. Noch trauriger geht es nur bei „Klippen“ zu. Er ist, wie die Band selbst sagt, „wohl der düsterste Song der Bandgeschichte“. Der Song über Entfremdung zweier Menschen fängt ruhig an und steigert sich bis zu einem Mix aus harten Gitarren, hämmernden Drums und einem fast schreienden Sänger.

Den Schluss macht der Song „Deponie“, der musikalisch ein bisschen an Madsen erinnert. Mit der Textzeile „Zweifel auf die Deponie. Morgen sind wir wach wie nie“ findet das Album nach den ganzen traurigen und negativen Themen, doch noch einen versöhnlichen Abschluss.

„Nicht raus, aber weiter“ spricht inhaltlich eher die dunkeln Seiten des Lebens an, klingt dabei aber nie depressiv. Bis auf „Klippen“ haben alle Songs eine positive Grundstimmung. Musikalisch ist das Album, trotz seiner Beschränkung auf den Indie-Rock Bereich, sehr vielfältig geworden. Fans von deutscher Indiemusik sollten auf jeden Fall einmal reinhören.


Stephan Meßmann
(7 / 10 Pkt.)

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