Gehört und Gesehen - The Great Adventure

11.01.2019The Neal Morse Band

The Neal Morse Band

The Great Adventure

Radiant Records (2019, 2CD)

Im Herbst 2016 legte die hochkrätig besetzte The Neal Morse Band mit „The Similitude Of A Dream“ ein Progressive-Rock-Meisterwerk vor. Diesem großartigen, dramaturgisch mitreißenden Konzeptalbum folgt jetzt im Januar 2019 „The Great Adventure“. Das im gleichen Cover-Artwork-Stil gehaltene Album knüpft dort an, wo, „The Similitude Of A Dream“ aufgehört hatte. Über zwei CDs mit 22 Tracks erneut sehr ausführlich erzählt. In ebenso hoher Qualität komponiert, gespielt und produziert hat „The Great Adventure“ aber auch Längen und bietet eigentlich kaum wirklich neue Erkenntnisse.

Der Neal Morse Band und ihrer Musik zu lauschen kann für einen Classic-und Progressive-Rock-Fan ein ähnlich erhebendes Erlebnis sein, wie für einen glühenden Fußballanhänger ein Finale eines Turnieres, bei dem sich Mannschaften wie CF Barcelona und Real Madrid gegenüber stehen, mit all ihren Stars in überragender Form. Wir reden also von absoluter Weltklasse und das, was die genannten Fußballteams im Sport verkörpern, mag man –ohne rot zu werden- auch The Neal Morse Band im Rock und Progressive-Rock attestieren.

Hier sind ebenfalls Weltklasse-Könner als Musiker und Komponisten in einer Bandbesetzung versammelt. Man harmoniert hervorragend mit immerhin drei, manchmal auch vier, teils großartigen Leadsängern.

Die Band um Neal Morse, Mike Portnoy, Eric Gillette, Bill Hubauer und Randy George hat in verhältnismäßig kurzer Zeit so viel Material geschrieben und produziert, dass das für zwei Doppel-Alben reicht. Da fragt man sich, wie hochinspiriert und motiviert muss man sein, das auf diesem Niveau hinzubekommen?

Der Titeltrack „The Great Adventure“, der kürzlich als Single erschienen war, bildet diese Band ganz gut und zusammenfassend ab. Anspruchsvolle Rockkomposition, haufenweise packende Hooklines, teils virtuos-technisches Spiel und Zusammenspiel, „proggy Parts“ und im Ergebnis ein schlüssiger, sehr kurzweiliger Song. Überhaupt gibt es auf dem Album, abgesehen von der obligatorischen „Ouverture“ keine sehr langen, übermäßig komplizierten oder in sich verschachtelte Kompositionen, wie man es sonst von Progressive-Alben, insbesondere Konzeptalben kennt. Trotz vielen klassischen Rock-und Progressive-Rock-Bestandteilen, ist die Produktion sehr frisch und modern.

In Sachen Produktion und spielerischer Qualität ist dieses Album dem meisterhaften Vorgänger ebenbürtig. Was die Dramaturgie und die Songs angeht, wirkt es auch nach mehrmaligem Hören weniger stark oder gar so spektakulär und ergreifend, wie teilweise „The Similitude Of A Dream“. Aufgrund einer oberflächlich sehr starken Ähnlichkeit, muss dieser Vergleich gezogen werden.

„The Great Adventure“ ist ein gutes Album, aber es hat auch Längen und es besteht die Gefahr, dass sich selbst bei einem Hörer mit überdurchschnittlichem Interesse und viel Zeit ein Gefühl der Übersättigung einstellt. Man meint, man habe alles gehört und ist ziemlich zufrieden, da ist man erst bei Track 8 oder 9 von insgesamt 22 angekommen. Gewohnte kompositorischen Wendungen, Arrangements mit Hang zu Wiederholungen. Ein bisserl viel Füllstoff ist dabei und nicht wirklich Überraschendes oder gar Neues.

So etwas wie ein Luxusproblem vielleicht, aber irgendwann wird auch ein Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel mit täglich mehreren, mehrgängigen meist ähnlichen Menümahlzeiten langweilig. Da kann das Niveau noch so hoch sein.

Wer The Neal Morse Band noch nicht oder noch nicht näher kennt, könnte von „The Great Adventure“ dennoch begeistert sein, mehr zu empfehlen ist jedoch das abwechslungsreichere und stärkere „The Similitude Of A Dream“.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.nealmorse.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
The Neal Morse Band - The Similitude Of A Dream (2016)
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