Gehört und Gesehen - Purple House

16.11.2018Robben Ford

Robben Ford

Purple House

earMusic (2018, CD)

Robben Ford verfügt seit vielen Jahren über einen ausgezeichneten Ruf als filigraner bis virtuoser Blues-, Jazz-und Rockgitarrist und wird auch als Sänger und Songschreiber hoch geschätzt. Er arbeitete als Live-und/oder Studiogitarrist mit Größen wie Miles Davis, Steely Dan, Joni Mitchell, Dizzy Gillespie, George Harrison und Kiss zusammen, verfolgt darüber hinaus aber auch erfolgreich seine Solo-Karriere. Das neueste Werk von Robben Ford trägt den Titel „Purple House“.

Sein Konzept sei es für dieses Album gewesen, den Schwerpunkt noch stärker auf die Produktion zu legen, als er es in der Vergangenheit getan habe, wird Robben Ford zitiert. Um es vorweg zu nehmen: Das hört man. Die neun Songs auf „Purple House“ klingen ungeheuer frisch und kraftvoll, dass es für den Hörer eine Freude ist. Stilistisch setzt sich meist der Blues durch, und der hat bei Robben Ford ebenso wenig einen langen Bart wie bei Künstlern wie etwa Joe Bonamassa.

Vital und glanzvoll geht Robben Ford zu Werke und gleich der Opener des Albums, der Song „Tangle With You“ ist ein würziger Groove-Knaller. Vor der Album-Veröffentlichung hatte Ford bereits mit der Single „Bound For Glory“ und dem dazu gehörigen Video angedeutet, in welche Richtung „Purple House“ tendiert, hatte sich aber noch vor ein paar Wochen Luft nach oben gelassen. „Bound For Glory“ ist sicherlich nicht der stärkste Song der Platte, passt aber gut in das Gesamtkonzept.

Ein geschickter Schachzug war es wohl auch, dass zahlreiche Gastmusiker an Instrumenten wie Wurlitzer, Hammond Orgel, Perkussion oder Saxofon neben der aktuellen Robben-Ford-Band um Schlagzeuger Derrek C. Phillips, Bassist Ryan Madgra und Gitarrist Casey Wasner mitgewirkt haben, ganz zu schweigen von den speziellen Gästen, den Vokalisten Shemekia Copeland und Travis McCready. Für den Song „Willing To Wait“ überlässt Robben Ford Drew Smithers die Solo-Gitarre.

Apropos Solo-Gitarre: Robben Ford gehört auch auf „Purple House“ nicht zu den Gitarren-Virtuosen, die dem Hörer ihr technisches Können um die Ohren hauen, Ford spielt immer so viel oder so wenig wie nötig, wie es der jeweilige Song braucht. Wenn Ford aber soliert, dann geschmackvoll arrangiert, mit Leichtigkeit, Esprit und modernem, knackigem Sound.

„Purple House“ ist ein energetisches, sehr lebendiges Album von dem man den Eindruck hat, dass es allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht haben muss, es einzuspielen. Diese Spielfreude kommt rüber und dürfte sich schnell auf den Hörer übertragen. In der Kürze liegt die Würze, sagt man gern. Das Album ist von der Spieldauer vergleichsweise kurz. Sehr kurz sogar. Gerade mal etwas länger als 34 Minuten musiziert Robben Ford mit seiner Band und den musikalischen Gästen.

Es gibt keine Durchhänger, keine Langeweiler. Etwas mehr Material wäre wünschenswert gewesen, aber es bleibt ja die Möglichkeit, sofort die Repeat-Taste zu drücken.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.robbenford.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Robben Ford - A Day In Nashville (2014)
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