Gehört und Gesehen - Rom

23.10.2018Odeville

Odeville

Rom

PandaPanda (2018, CD)

Odeville können auf eine lange und wechselhafte Karriere zurückblicken. Die Hamburger Band, die im Jahr 2006 gegründet wurde, hat bisher fünf Studioalben mit sehr abwechslungsreicher Musik veröffentlicht. Begonnen haben Odeville mit englischsprachigem Emo-/Screamo und Post-Hardcore. 2012 wagten Odeville jedoch den Schritt hin zu ihrer Muttersprache und veröffentlichten mit „Heimat“ ihre erste deutschsprachige Platte. Und auch die Musik änderte sich immer wieder. So gilt ihr letzte Album „Phoenix“ als bisher poppigstes. Mit „Rom“ legen Odeville nun ihren sechsten Streich nach.

Gleich im ersten Titel „Königreich“ offenbart der Sänger Hauke Horeis einen Teil seiner Lebensgeschichte. Der Pop-Rock-Song mit Punk-Elementen handelt von seinem verstorbenen Vater und dass er gerne noch mehr Zeit mit ihm gehabt hätte. Das bringt er unter anderem mit den Textzeilen „Schenk mit noch einen letzten Tag mit dir. Ich dreh an der Uhr und dann stehe ich vor deiner Tür“ zum Ausdruck.

Der nächste Song „Funkenwalzer“ ist ein typisches Mainstream Pop-Rock-Lied, das man sich gut als Radiotitel vorstellen kann. Einen ganz anderen Einschlag nimmt hingegen der Titeltrack „Rom“. Der düstere Popsong wird durch ein Klavier bestimmt und teilweise eher gesprochen als gesungen. Inhaltlich lässt er viel Platz zur Interpretation. Wie man die Textzeile „Alle Kinder fliehen aus Düsterwald ins Kolosseum, das im Mondlicht scheint“ deutet, ist wohl jedem Hörer selbst überlassen.

Textlich sehr eindeutig ist „Bitte ja bitte gleich“. Der rockige Song mit Haltung stellt sich klar gegen Rassismus und die Überfluss-Gesellschaft. Mit der Zeile „Ich kann gar nicht so viel kotzen, wie die fressen können“ wird letzteres mehr als deutlich.

Musikalisch am interessantesten ist der Titel „Kreisverkehr“. Der Unterschied zwischen der fröhlich wirkenden Strophe und dem harten, eher unmelodiösen Refrain verleiht ihm etwas Besonderes. Und auch im Bezug auf den Text, in dem es zum Beispiel „Halt doch dein Maul. Bei dir läuft doch irgendwas verkehrt“ heißt, gibt es in der Strophe einen großen Kontrast zur Musik. Doch dies macht diesen Song gerade sehr spannend.

Zum Schluss möchte ich gerne noch auf die Widmung im Booklet eingehen. Dort ist zu lesen:

„Diese Album widmen wir den großen und kleinen Menschen, die versuchen, diese Welt in einen schöneren Ort für alle zu verwandeln. Bleibt einzigartig und haltet Stand gegen Intoleranz, gegen Homophobie, gegen Rassismus".

Wenn man diese Widmung liest, hat man die Erwartung eine Platte zu hören, die punkig ist und die Texte auch diese Haltung widerspiegeln. Richtig punkig ist das Album nicht geworden. In den Texten kann man aber gesellschaftskritische Postionen der Band wiederfinden, auch wenn diese teilweise viel Platz zur Interpretation lassen.

Odeville haben mit „Rom“ ein Mainstream-Album veröffentlicht, das musikalisch leider nicht die vermuteten Ecken und Kanten vorweisen kann. Dennoch ist es für Fans von deutschsprachigem Pop-Rock mit ein paar härteren Tönen empfehlenswert.



Stephan Meßmann
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.odeville.de

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Odeville - Phoenix (2015)
Odeville - i am tourist (2009)
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