Gehört und Gesehen - Last Building Burning

23.10.2018Cloud Nothings

Cloud Nothings

Last Building Burning

Wichtita Recordings/Pias Coop/Rough Trade (2018, CD)

„Die Energie des Moments festhalten“ – so lautete die Devise der Lo-Fi-Band Cloud Nothings, als es darum ging, ihr neues Album „Last Building Burning“ zu erschaffen. Mit Spontanität, Leidenschaft und einer Prise Experimentierfreude brodelt auf „Last Building Burning“ eine Art kontrolliertes Chaos. Packend, brachial, wild, ambitioniert und ein bisschen komisch - aber im positiven Sinne.

Seit fast einer Dekade machen Cloud Nothings nun bereits Musik. Sie selbst bezeichnen sich als New Age Rock Band. Was Anfang 2009 als Solo-Projekt von Sänger und Gitarrist Dylan Baldi begann, entwickelte sich schnell zu etwas Größerem. Zu Anfangszeiten nahm Baldi sowohl Vocals und Instrumente im Keller seiner Eltern auf und bekam auf der Bühne von einer kompletten Band Rückendeckung, die später mit ihm zusammen Cloud Nothings bildeten.

Wenige Zeit später wurde „Turning On“, eine kombinierte Veröffentlichung von früherem Material wie der Debüt-EP und einigen 7´´-Singles, auf dem Label Carpark veröffentlicht. Ihre Debüt-LP „Attack on Memory“ wird als Durchbruchalbum für die Band genannt, welches einen neuen Weg bereitet hat. Ein nettes Detail, das Punk-/Emo-Fans freuen dürfte, ist, dass Dylan Baldis Stimme teilweise Ähnlichkeiten zu der von Blake Schwarzenbach von Jawbreaker aufweist und dennoch einen einzigartigen Charme hat.

Auf dem 2014 erschienenen „Here and Nowhere Else“ haben Cloud Nothings ihren Sound weiter ausgearbeitet. Gemeinsam mit der Pop-Punkband Wavves aus San Diego nahm die Band ein Jahr danach „No Life For Me“ auf. Mit „Life Without Sound“ aus dem vergangenen Jahr 2017 wagten sie sich in leicht poppige Gewässer, zumindest im Vergleich zu ihrem eigenen Sound.

Auf ihrem fünften, aktuellen Studioalbum „Last Building Burning“ hat sich das Noise-Rock-Quartett wieder einmal selbst gefordert und nach vorne gepusht. Cloud Nothings demonstrieren ihren unermüdlichen Eifer und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Doch dass es nicht immer so einfach ist, sich immer wieder selbst übertreffen zu wollen, beschreibt Baldi im letzten Song „Another Way Of Life“, in dem es heißt: “I gotta let go of the pressure I feel to outdo the thing I just did“.

Das Stichwort Lo-Fi spielt bei dem aktuellen Album eine entscheidende Woche. In nur acht Tagen wurde „Last Building Burning“ im Sonic Ranch-Studio in Texas mit Produzent Randall Dunn (Sunn O))), Wolves In The Throne Room, Boris) aufgenommen. Das Resultat sind 30 Minuten, die wie im Flug vergehen. Gerade diese impulsive Herangehensweise macht das Album spannend: ungeschliffen, naturbelassen, direkt, persönlich, auf den Punkt. So geht die Fast-Wie-Live-Energie über die Kopfhörer kaum verloren.

Alles wirkt eher intuitiv, so wie wenn man plötzlich vom Heißhunger auf selbstgebackenen Kuchen überfallen wird. Völlig „frei Schnauze“ beginnt man, aus den verschiedensten Zutaten, die man zufällig noch im Vorratsschrank findet und die trotzdem irgendwie zusammenpassen, sein ganz eigenes Rezept zu zaubern. Was dabei rauskommt, ist manchmal sogar besser, als die fade Fertig-Backmischung.

Bands wie Drive Like Jehu, Guided By Voices, Dinosaur Junior, The Jesus Lizard und Hüsker Dü haben ihre Spuren hinterlassen. Und auch die Art-Punk-Einschläge à la Fugazi, Butthole Surfers und Wipers sind nicht zu verachten.

Mit besonders viel Dringlichkeit in ihrem ersten Song „On An Edge“ leiten Cloud Nothings ihr neues Album ein und stehen in ihrer Schroffheit den Hardcore-Punk-Bands aus den 80ern in nichts nach. Fast schon ekstatisch prügelt das Stück „In Shame“ aus der Soundanlage der Wahl.

Geschmackssache sind die teils etwas ausufernden Experimentierparts mit einer Extra-Portion Noise wie im Song „Dissolution“. Eine Hommage an den Sound des Vorgängeralbums ist der Song „Offer An End“. Auch der zweite Track „Leave Him Now“ ist ein Wink in Richtung vorangegangene Alben wie „Attack on Memory“ und „Here and Nowhere Else“.

„I feel the last old building burning” - diese Zeile aus dem vorletzten Song “So Right So Clean” gibt dem Album seinen Namen. Doch etwas Hoffnung bleibt. Mit den Worten: „Life takes time to heal” beenden Cloud Nothings das Album.

Obwohl die Band um Schlagzeuger Jayson Gerycz, Bassist TJ Duke, Gitarrist Chris Brown und Leadsänger und Gitarrist Dylan Baldi noch immer eher als Geheimtipp gehandelt wird, sind sie in der Indie-/Noise-Pock/Low Fidelity-Szene eine treibende, progressive Kraft, die Potenzial birgt.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.cloudnothings.com
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