Gehört und Gesehen - Dissolution

14.09.2018The Pineapple Thief

The Pineapple Thief

Dissolution

kscope (2018, CD)

Ein neues Werk der britischen Alternative/Progressive-Rock-Band The Pineapple Thief, die mittlerweile auch schon seit 19 Jahren aktiv ist und der oft eine musikalisch starke Nähe zu Bands wie –allen voran- Porcupine Tree nachgesagt wird. Mit „Dissolution“ will die Band bei der seit kurzem auch der im Progressive-Rock-Genre hochrenommierte Schlagzeuger Gavin Harrison fest mit an Bord ist, neue Höhen erklimmen, sei es in puncto Songwriting oder im Hinblick auf technische Fähigkeiten.

Auf dem 2016er-Album „Your Wilderness“ spielte Gavin Harrison noch als Session-Schlagzeuger für The Pineapple Thief, mittlerweile ist der von unter anderem King Crimson und Porcupine Tree bekannte Musiker festes Bandmitglied. Aber nicht nur im Zusammenhang mit dem Schlagzeugspiel tat er sich bei der neuen Produktion hervor. Einen wichtigen Einfluss hatte Harrison offensichtlich schon bei der Entwicklung und Ausarbeitung der neun Songs auf „Dissolution“ und war für Sänger und Songwriter Bruce Soord ein wichtiger Partner. Der Song „Far Below“ etwa sei in Teilen aus einer Jam-Session zwischen ihm und Gavin Harrison entstanden, verrät Soord.

Ein inhaltlich wichtiges Thema auf „Dissolution“ ist lt.Soord der Zerfall von menschlichen Beziehungen und der Ruin des Sozialgefüges. In einer Zeit in der man annehmen sollte, näher als jemals zuvor verbunden zu sein, habe er sich nie so entfremdet gefühlt, erklärt Bruce Soord. „Wir durchleben eine Revolution und ich bin mir gerade nicht sicher, ob es eine gute ist“, wird der Frontmann von The Pineapple Thief zitiert.

Musikalisch liefert die Band Songs mit einer Spieldauer von durchschnittlich vier bis fünf Minuten. Für Progressive-Rock eine ziemlich kompakte Angelegenheit. Lediglich „White Mist“ kommt auf über elf Minuten. Die Spieldauer bedeutet hier aber weder Oberflächlichkeit noch Ausuferung. Soundtechnisch brillant produziert operieren The Pineapple Thief auf „Dissolution“ zwischen feinfühliger, melodischer Leichtigkeit und kraftvoller, teils beinahe wuchtiger Härte. Es gibt einige, für Progressive-Rock oft so typische, rhythmisch vertrackte Teile, schwelgerische Gitarrensoli und Breitwand-Sounds die manchmal ins Cineastische zu spielen scheinen.

Die oft festgestellte Nähe zu Porcupine Tree ist bei The Pineapple Thief und „Dissolution“ nicht von der Hand zu weisen. In manchen Passagen sind Gesangslinien, Harmonien und der Gesamtsound mindestens für nicht ganz so geübte Ohren zum Verwechseln ähnlich. Wer das Porcupine-Tree-Album „The Incident“ kennt und schätzt, weiß zumindest, wie sich das Klangbild von „Dissolution“ darstellt. The Pineapple Thief sind über weite Strecken ähnlich dunkel-melancholisch, bis Kühle und peitschender Regen von wärmendem Wind und Sonnenstrahlen vertrieben werden.

Die Band –Insidern war das schon vorher klar – geht auch auf ihrem aktuellen Album spielerisch äußerst versiert zur Sache. Alle Musiker sind absolute Könner auf ihren Instrumenten und ein gutes Händchen beweist man auch für ästhetische Arrangements und Klangbilder.

Einerseits ist „Dissolution“ ein Album, in das man eintauchen, sich fallen lassen kann, andererseits ist es auch ein Album mit sehr klaren, kompakten Songstrukturen, die das Hören auch für nicht Progressive-Rock-Spezialisten und das auch „nebenher“ angenehm gestalten können. Man kann zu den Songs auch Träumen und Entspannen, bis einen die nächste wuchtige Gitarre-, Keyboard-, Bass- und Schlagzeug-Welle kräftig packt und durchrüttelt.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.thepineapplethief.com
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