Gehört und Gesehen - Sweet Decay

15.08.2018Ciaran Lavery

Ciaran Lavery

Sweet Decay

Believe Digital/Soulfood (2018, CD)

Unter Liebhabern von poetischem Folk-Pop ist der irische Sänger, Gitarrist und Songschreiber Ciaran Lavery ziemlich populär und wird wegen seiner geschmackvollen lyrischen Texte und seiner außergewöhnlichen, variablen Stimme, die sich meist leicht angeraut und feinfühlig in höheren Lagen bewegt, geschätzt. In seiner Heimat wurde Ciaran Lavery bereits mit Preisen ausgezeichnet, auf Spotify verzeichnet der Künstler mehr als 80 Millionen Streams. Wenn er in Deutschland Konzerte spielt, dann allerdings in relativ kleinen Rahmen in ausgesuchten Spielstätten. Sein neuestes Werk „Sweet Decay“ kam im Frühjahr auf den Markt.

Es ist bestimmt nicht leicht, sich als Singer/Songwriter zu behaupten und durchzusetzen. Es gibt Unmengen von Musiker und Musikerinnen mit Akustik-Gitarre und/oder Piano, die mit leiseren, gefühlvollen Tönen, mal dunkel-melancholisch, mal fröhlich-farbenfroh ein Publikum begeistern und gewinnen wollen. In manchen Fällen fallen Unterscheidungen schwer und es bedarf einer gewissen Ruhe und Geduld sich auf jeden Künstler oder Künstlerin einzulassen. Singer/Songwriter können Hörern einiges abverlagen.

Bei Ciaran Lavery liegen die Dinge ein wenig anders. Der irische Musiker verfügt über außergewöhnliche Talente und ein ebenso gutes Händchen für Songs, Melodien und lyrische Texte. Dies transportiert Lavery mit seiner tendenziell hohen, behutsam aber gezielt platzierten leicht rauen Stimme. Es ist dieses Timbre, das gewisse Etwas in der Stimme, die den Hörer aufhorchen lässt.

Für das aktuelle Album „Sweet Decay“ hat Ciaran Lavery seinen Horizont erweitert und mit verschiedenen irischen Musikern zusammengearbeitet. Die akustische Gitarre von Lavery steht gar nicht so stark im Vordergrund. Die elf Songs sind originell und feinfühlig instrumentiert und arrangiert. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug kommen auch Streicher, Orgel, Kontrabass und Wurlitzer-Piano zum Einsatz.

Man bewegt sich stilistisch im Bereich von Folk und anspruchsvollem Pop. Trotz aller Fragilität, ist „Sweet Decay“ auch in gewisser Weise geradlinig und kraftvoll mit schönen, ergreifenden Melodien. Die Produktion ist nicht auf Hochglanz getrimmt, sondern weist eher eine kantige, alternative Note auf.

Aus „Sweet Decay“ wurde vorab die Single „13“ ausgekoppelt. Dazu wird der Künstler wie folgt zitiert: „„13“ handelt von meiner Angst vor ewiger Liebe und der damit einhergehenden Unfähigkeit damit umzugehen ohne die Liebe irgendwie zu zerstören. Der Song ist mir etwas unangenehm, aber ich möchte als Songwriter so ehrlich wie möglich sein, deswegen bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit dieser Thematik zu befassen.”

Mit diesem Album ist Ciaran Lavery ein wunderbares Werk gelungen, mit dem sich der Musiker weiter profilieren dürfte. Wenn auch teils ein wenig weit hergeholt: Musikfreunde die viel mit sehr populären Künstlern wie etwa John Mayer, Tori Amos und ganz besonders Ryan Adams anfangen können und deren Art mögen, Songs in Szene zu setzen, werden „Sweet Decay“ von Ciaran Lavery möglicherweise sogar lieben.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.ciaranlaverymusic.com
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