Gehört und Gesehen - Radio Free America

01.06.2018RSO

RSO

Radio Free America

BMG (2018, CD, digital)

Nicht nur privat ein Paar, sondern auch musikalisch gemeinsam aktiv sind der frühere, langjährige Bon-Jovi-Leadgitarrist Richie Sambora und die australische Gitarristin Orianthi. Mit „Radio Free America“ legen beide nun ein erstes gemeinsames Album vor, dessen 15 Songs einen großen stilistischen Bogen spannen. Das Ganze klingt sehr amerikanisch, kompositorisch und von den Arrangements an den Achtzigern und frühen Neunzigern orientiert, dann aber wiederum mit einigen sehr modernen Elementen und Mischverhältnissen überraschend.

Der Einstieg in „Radio Free America“ fühlt sich aber an wie ein Rückschritt. Ein Rückschritt in die Zeit von etwa Mitte der 1980er bis in die früher 1990er Jahre. Man hört überdeutlich die Sozialisation von Gitarrist Richie Sambora heraus: Melodischer Hardrock à la Bon Jovi mit so fast allen Elementen von damals. Ein wenig Aerosmith der frühen 90er mag ebenfalls bei einigen der eher rockigen Songs von RSO durchkommen.

Vieles, besonders die Songstrukturen kommen einem sehr vertraut vor. Das wirkt nicht besonders originell, sondern eher, wie aus der Zeit gefallen. Gibt man dem Album ein bisschen länger, dann fällt die Vielfalt und ungewöhnliche Verbindung aus Hardrock und Dance-Pop, Country, Blues oder R´n B auf. Was Sambora und Orianthi da zusammen in einen Topf werfen ist beachtlich. Beide wechseln sich auch im Leadgesang und bei besonderen Gitarrensolo-Darbietungen ab, ob akustisch oder elektrisch.

Wie bei einigen Amerika-Produktionen vergangener Jahre, setzt dieses unter der Aufsicht von Produzent Bob Rock entstandene Album besondere Akzente in Richtung Größe und Weite. Die zuweilen orchestralen und mit Chören versehenen Stücke machen einige Songs äußerlich groß und kräftig, dann ist da in Einzelfällen der Hang zur Theatralik und zum Bombast. Wenn zu Gitarrensoli in Balladen angesetzt wird, dann ist da diese dramatische, schwelgerische Melodie. Großes Gefühlskino und in ungeahnte Höhen gezogene Saiten. In einer Konzertsituation dürfte man keine Handy-App-nutzen. Feuerzeuge und Wunderkerzen wären vermutlich erste Pflicht.

Vieles hat man in Teilen schon oft gehört, vielleicht sogar auch noch besser. Ein Album mit interessanten Elementen und Verbindungen, aber auch ein Album das viel Altes neu aufwärmt und neu wie aufgeplustert verpackt.


Andreas Haug
(5 / 10 Pkt.)

Mehr:
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