Gehört und Gesehen - Chinese Firecrackers

08.12.2006Kuersche

Kuersche

Chinese Firecrackers

Soundrelease/Zomba (2002)

Von den zahlreichen viel umjubelten Konzerten aus den Neunzigern ist Kuersche den meisten Menschen in erster Linie als explosive Akustik-Pop- Stimmungskanone ein Begriff. Durch sein damals schräges Bühnenoutfit (Stichwort Pudelmütze) und die gewissermaßen naiv-lustige Ausstrahlung konnte er die Sympathien beim Publikum gewinnen.

Kuersche stand für Hau-Ruck-Party und bis zum geht-nicht-mehr wiederholte Gassenhauer-Refrains zum Mitklatschen und Mitsingen. Den „seriösen“ Songwriter mit künstlerischem Anspruch sah man im Zusammenhang mit Kuersche eher weniger, mitunter zum Leidwesen des Musikers. Die neue CD „Chinese Firecrackers“ soll so etwas wie einen Neustart dokumentieren, einen möglichst explosiven, wie es sich der Musiker wünscht und in der Tat zeigt uns Kuersche, dass er mehr kann, als „nur mal eben“ ein paar mehr oder weniger simple Melodien zur Drei-Akkord- Akustikgitarre zu trällern. Lieder wie „Princess of the Moon“ sind ein Beispiel für in sich stimmiges, harmonisches und anspruchsvolles Pop-Songwriting.

Zu Kuersche´s Stärken zählt zweifellos, dass er ein sicheres und feines Gespür für schöne Melodien hat, die sich wie im Fall von „Big World“ oder „Plastic Figures“ auch schnell im Ohr festsetzen. „Plastic Figures“ ist dann auch so etwas wie der Hit des Albums. Die groovige, eingängige Midtempo-Nummer dürfte-ähnlich wie „I´m here“ vom gleichnamigen Vorgänger-zu den Evergreens Kürsches avancieren. Bei diesem Stück stimmt einfach alles: es ist äußerst geschmackvoll arrangiert und produziert, der lyrisch angehauchte und ziemlich originelle Songtext kommt auf den Punkt.

Insgesamt hinterlässt die Produktion des Albums aber ein teilweise zwiespältiges Gefühl. Kürsche verzichtet überwiegend auf die traditionelle Band –Instrumentierung und setzt stattdessen auf Computer-Samples und –Effekte, die die Songs verzieren und all zu oft auch dominieren.

Hier liegt dann auch der Hase im Pfeffer. Was bei „Plastic Figures“ funktioniert, nimmt Titeln wie „Where you belong“ und dem an sich genialen „The Prize“ die nötige Energie. Bass und Schlagzeug bzw. lebendige Musiker sind auf die Dauer eben nicht zu ersetzen. Mit dem Einsatz von Samples und Effekten wurde auf „Chinese Firecrackers“ unterm Strich einfach übertrieben. Sehr deutlich wird das u.a. auch bei dem alten Storemage-Klassiker „Happy Day“- an jeder Ecke rappelt, klappert und blubbert es. Auf die Dauer nervt das und bringt auch nix.

Mehr Druck und Biss hätte dem Album insgesamt gut getan, auch gesanglich hätte Kürsche seinen Beitrag dazu leisten können, dass das Ganze mit etwas mehr Leidenschaft rüberkommt. In diesem Zusammenhang agiert er vielfach etwas zu zurückhaltend. Tipp: einfach mal die Handbremse lösen und rollen lassen. Fazit: Der ganz große Knaller ist „Chinese Firecrackers“ dann letztlich nicht geworden, wohl aber ein qualitativ hochwertiges, stimmungsvolles und auch empfehlenswertes Pop-Album.

www.kuersche.de


Andreas Haug
()

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Kuersche - Wooden Chandelier (2019)
Kuersche & Members of Fury in the slaughterhouse - New Live Album (2015)
Kuersche - Boxed (2014)
Kuersche - You Can Use A Man With These Nerves (2012)
Kuersche - Oxygen Overdose (2007)
Kuersche - Live feat.Members of F.I.T.S. (2005)
Kuersche - Chinese Firecrackers-Piano Edition (2003)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite