Gehört und Gesehen - Holy Moly!

11.01.2018Beardless

Beardless

Holy Moly!

Fond Of Life Records / Broken Silence (2018, CD)

Einige Jahre sind Beardless nun schon auf großen und kleinen Konzertbühnen unterwegs. Vor noch nicht allzu langer Zeit noch unter ihrem alten Namen Halfway Decent. Das Osnabrücker Melodic-Punkrock-Trio hat es bei Konzerten und Festivals des Öfteren geschafft, sich in die Herzen so mancher Zuhörerin und manches Zuhörers zu spielen. Es gab schon zahlreiche Video-Veröffentlichungen und EPs, nur ein „richtiges“ Album fehlte bislang. Dies liegt nun vor. Ein entschlossen wirkender Nackmull reißt den Vorhang für „Holy Moly auf“.

Melodic Punkrock Bands gibt es wie Sand am Meer und viele eifern nicht selten großen Vorbildern der internationalen Szene nach. Einige machen ihre Sache ganz okay, andere gut, wieder andere besser. Zu den Bands, die ihre Musik ganz ausgezeichnet spielen und transportieren, gehören Beardless. Das Debütalbum „Holy Moly“ ist nicht nur deshalb außergewöhnlich gut gelungen, weil es wuchtig und kraftvoll produziert ist, laut und hart herüberkommt, es ist vor allem bemerkenswert, weil es an manchen Stellen fast noch ein kleines bisschen mehr Energie und Glanz hat, als die ohnehin schon schweißtreibenden und sehr leidenschaftlichen Shows der Band.

Zehn Songs sind auf dem Debüt und es sind in erster Linie relativ neue Beardless-Kompositionen. Die seit 2011 bestehende Osnabrücker Band kann bereits aus einem beachtlichen Fundus an packenden, hochmelodischen und live-bewährten Songs mit zum Teil Genre-Hitcharakter schöpfen, für „Holy Moly!“ hat man aber keine alten Kracher herausgeholt, die bereits vier, fünf Jahre alt sind, sondern verhältnismäßig frisch Geschriebenes ins Aufnahmestudio mitgenommen.

Ähnlich wie in den allerstärksten Konzertsituationen rocken Beardless konsequent durch die zehn Songs. Die Band hatte von jeher eine gute Hand für kompaktes, schlüssiges, wie auch feinfühliges Songwriting mit starken Melodien, die sich hier und da zu ziemlich beeindruckenden Punk-Rock-Hymnen aufschwingen, wie man es sonst nur von den Großen oder ganz Großen der Szene vermuten würde. Raue Raspelstimme, würzig-bissige Gitarre und ein sehr dickes Fundament von Bass und Schlagzeug, harter Anschlag überall und ordentlich Tempo.

Es ist auch die Spielfreude, die Leidenschaft, ein scheinbar positives, optimistisches Lebensgefühl, das Beardless von der Bühne auf dieses Album gebracht haben. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand, der melodischen Punkrock amerikanischer Ausrichtung liebt, „Holy Moly!“ nicht mögen könnte.

Chris, Michael und Matze von Beardless geben auf ihrer Facebook-Seite an, dass sie Bands wie Hot Water Music, Rise Against, Alkaline Trio, The Loved Ones, Sum 41 oder The Gaslight Anthem gut finden. Es fehlen in dieser Reihe möglicherweise noch The Menzingers, wenn diese eine Spur rauer zur Sache gehen. Musikfans, die dem Stil und Sound mancher Songs dieser populären, internationalen Bands nahestehen, dürften mit großer Sicherheit sehr viel Freude mit Beardless und ihrem Debüt haben.

Musikalisch wirklich Neues gibt es zwar nicht zu hören, aber ein eigenes Profil, einen Wiedererkennungswert hat die Band. Neben der sehr ansprechenden Produktion, sind es Tempo, Härte, Melodien und das Herzblut der drei Musiker, das man an einigen Stellen der Platte vor dem geistigen Auge fast literweise fließen sieht.


Andreas Haug
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.facebook.com/BeardlessMusic
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