Gehört und Gesehen - Revolt

23.11.2017Flash Forward

Flash Forward

Revolt

Uncle M Music (2017, CD)

Raus aus der sicheren Festung, hinaus zu neuen Territorien, die mehr Freiheit für Entfaltung bieten. Genau das hat die Alternative Rockband Flash Forward in die Tat umgesetzt und damit geht es ihnen besser denn je. Ihr neues Album „Revolt“, das am 24. November erscheint, ist die musikalische Verkörperung dieser Weiterentwicklung.

„Wir haben im Winter 2016/2017 begonnen, uns noch mehr auf uns selbst zu konzentrieren und geradezu eine Wagenburg-Mentalität anzueignen“, beschreibt Frontmann Stefan Weigel die Ausgangslage. „‚Perfectionist‘ umschreibt zu gewissen Teilen unsere Frustration der vergangenen Jahre – andauernd kommt jemand von außen und sagt: `Du musst dies, du musst das.` Wir lassen uns jetzt nicht mehr verbiegen, sondern gehen selbstbewusst unseren eigenen Weg“.

Kompromisslos startet auch das neue Werk „Revolt“. Der Opener „Heart Of Gold“ packt den Hörer gleich bei der Hand und reißt ihn mit sich. Die pop-punkige Energie erinnert dabei zu Recht an die britischen Tour-Kollegen von You Me At Six, mit denen sie im Oktober in Hannover zu Besuch waren. Dabei haben die Jungs aus dem nordrhein-westfälischen Wesel ihre Live-Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt.

Als musikalische Inspiration dienen den Alternative Rockern aus dem Ruhrgebiet Bands wie Jimmy Eat World, Biffy Clyro und Fall Out Boy. Beispielhaft für die Tanzbarkeit des fünften Albums sind „Deadline“ und „Kickstart“. Doch „Revolt“ bietet nicht bloß Einprägsames und Tanzbares, wie versprochen finden sich auf der Platte auch ausgereifte und härtere Klänge.

Besonders der Track „Perfectionist“ krallt sich im Gehörgang fest. Für diesen Titel hat sich das Trio Unterstützung von Nico von „To the Rats and Wolves“, der Trancecore-Band aus Essen, geholt. Der wuchtigere Sound korrespondiert mit dem dazugehörigen Musikvideo. Hier rockt die Band in blutverschmieren Krankenhauskitteln und muss sich gegen ihren Willen einer Schönheits-Operation unterziehen. Flash Forward wollen damit überspitzt Kritik an dem ständigen, egoistischen Streben nach Selbstoptimierung üben und zu mehr Solidarität jedes Einzelnen zum Wohle aller aufrufen.

Mit „Lion“ liefert die Gruppe um Sänger und Gitarrist Stefan Weigel, Bassist Jakob Wolff und Drummer Tino Wilczewski einen emotionsgeladenen Titel, der von geschmackvollen Gitarrenriffs, wuchtigem Bass und kraftvollen Drums getragen wird. Sänger Stefan singt von einem Löwen, der in seinem Herzen schlummert. Besonders die unablässige Wiederholung der Zeilen „Wake Me Up“ transportieren dabei die Emotionen sehr wirkungsvoll.

Härter, schneller, geradliniger kommt dagegen „Payback“ featuring 8Kids, der Post-Hardcore-Band aus Darmstadt, daher. Spaß machen vor allem Songs wie „Chains“ und „Dramatic“ mit einer groovigen Rock `n Roll-Note à la Royal Republic, teils gepaart mit Post-Hardcore-Einflüssen wie man sie von Bands wie Don Bronco kennt. Bei „Dramatic“ möchte man am liebsten gleich auf „Repeat“ drücken.

Etwas generisch hingegen wirkt „Old Enough“. Als kleine Randnotiz für Nischen-Geeks: Dessen Intro weist starke Gemeinsamkeiten mit „Too Young To Feel This Old“ und „Stay With Me“ von You Me At Six und entfernt mit den Gitarren aus dem „Big Casino“-Intro von Jimmy Eat World auf. Natürlich haben Einflüsse die Eigenart, unterbewusst etwas abzufärben, was auch nicht weiter schlimm ist. Ansonsten bringen Flash Forward ihren eigenen Sound mit, den sie mit ihrem fünften Album selbstsicher und überzeugend präsentieren.

Insgesamt ist „Revolt“ ein starkes Album mit energetisch modernen Rocksongs, bei dem sich ein Reinhören durchaus lohnt.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.flash-forward-band.de
www.uncle-m.com
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