Gehört und Gesehen - Snow Live

23.11.2017Spock´s Beard

Spock´s Beard

Snow Live

Radiant Records (2017, 2 Blu-ray Disc)

Das Konzeptalbum “Snow”, 2002 als Doppel-CD erschienen, gilt als ein absoluter Klassiker der US-Progressive-Rockband Spock´s Beard. Viele Fans sprechen gar von einem Meisterwerk. Es war das letzte Album, auf dem Mastermind Neal Morse seinerzeit mitwirkte, bevor er die Band verließ, um sich seiner Solo-Karriere zu widmen. 2016 kam es zu einer einmaligen Reunion und zu einer Premiere: Spock´s Beard und Neal Morse führten „Snow“ erstmals in voller Länge live auf. Die Show wurde für verschiedene Ton-und Bildträger aufgezeichnet. Uns liegt die Doppel-Blu-ray-Disk vor.

Neal Morse gilt zu den absolut führenden Komponisten, Sängern und Multiinstrumentalisten der internationalen Progressive-Rockszene, wie sie sich seit den späten 1990er-Jahren mit damals neuen Bands wie Spock´s Beard weiterentwickelt hat.

Alljährlich veranstaltet Neal Morse in seiner Heimat Nashville das „Morsefest“. Die Konzertwochenenden geraten zu musikalischen Themenabenden, bei denen bestimmte Alben den Mittelpunkt bilden. Beim „Morsefest 2016“ war es der Spock´s Beard-Klassiker „Snow“, ein zuweilen hartes, dunkles aber letztlich hoffnungsvoll stimmendes Konzeptalbum aus dem Jahr 2002.

Erstmals wurde „Snow“ zu diesem Anlass in voller Länge live aufgeführt. Die Original-Besetzung von Spock´s Beard trat an, man vereinigte sich für die Show wieder mit Neal Morse und Tourmusiker von Spock´s Beard wie Gitarrist und Sänger Ted Leonard und Schlagzeuger Jimmy Keegan. Dazu gesellte sich eine kleine Bläser-Sektion.

Musikalisch legen die Protagonisten ein fast perfektes Konzert auf die Bühne, reich an Emotionen und Können an den Instrumenten. Den Lead-Gesang teilen sich Neal Morse und Drummer Nick D´Virgilio beinahe brüderlich. Für ein Feature darf auch mal Ted Leonard ran. Die Band rockt und groovt fantastisch und lässt die Songs von „Snow“ leuchten und strahlen. Bild und Sound der Blu-ray-Disk stehen der hohen Qualität in nichts nach. Disk 1 enthält das komplette „Snow“-Konzert, Disk 2 die Zugabe „June“ und eine „Making-Of“-Dokumentation.

Trotz neutraler Einstellung der Betrachtung, wäre man fast geneigt, der Veröffentlichung eine sehr hohe Bewertung zu geben, wären da nicht zwei Punkte, die den anspruchsvollen Konzertbetrachter weniger begeistern dürften. Da wäre zum einen der funktionell-steril wirkende Veranstaltungsaal mit seinen hellen Wänden und Decken, die des Öfteren ins Bild rücken, zum anderen hätte dieses Musikwerk eine dramaturgisch intensivere Performance gut vertragen können. Wenn Nick D´Virgilio und Ted Leonard in Casual-Wear mitunter leicht hüftsteif und tapsig über die Bühne wandern, wähnt man sich eher in einem Session-oder Soundcheck-Szenario, als in einer Show.

Das hätte man in puncto Ästethik noch ausgefeilter lösen können, denn bekanntlich hört das Auge mit.


Andreas Haug
(7 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.spocksbeard.com
www.nealmorse.com
www.radiantrecords.com

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