Gehört und Gesehen - Live At Pompeij

23.11.2017David Gilmour

David Gilmour

Live At Pompeij

Columbia Records / Sony Music (2017, Blu-ray Disc)

Es war eine Rückkehr an eine historische Stätte. Als David Gilmour, weltweit als Gitarrist der Progressive/Art-Rock-Band Pink Floyd berühmt geworden, Anfang Juli 2016 zwei Shows im Amphitheater im italienischen Pompeij spielte, durfte er sich in einer Ausstellung in den Katakomben des früheren „Spectaculum“ an das Jahr 1971 zurückerinnern und mit dem Smartphone ein Porträtfoto seiner selbst ablichten, das ihn als jungen Musiker bei der Show „Pink Floyd – Live At Pompeij“ zeigt. Eine gut siebenminütige Doku auf dieser Blu-ray-Disk schlägt die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart. Im Mittelpunkt steht jedoch eine Zusammenstellung beider Konzerte aus dem Sommer letzten Jahres.

Die Kulisse des Amphitheaters, das 90 Jahre vor Christi gebaut und 169 Jahre später beim Ausbruch des Vulkans Vesuv unter Asche begraben und später frei gelegt wurde, ist ein denkwürdiger Ort, ein Konzert von David Gilmour und seiner erstklassig besetzten Band zu produzieren. Unter den Musikerinnen und Musikern befand sich auch Keyboarder Chuck Leavell, der in den Siebzigern als Mitglied von The Allman Brothers Band Bekanntheitsstatus erlangte und später unter anderem mit Künstlern wie Eric Clapton oder John Mayer arbeitete.

Den musikalischen Rahmen der Konzerte bilden Songs aus der Solo-Karriere von David Gilmour und zahlreiche Klassiker von Pink Floyd, darunter „Wish You Were Here“, „Shine On Your Crazy Diamond“, „Money“ und „Coming Back Alive“.

Spielerisch mit viel Gefühl und in entspannt wirkender Top-Verfassung zelebrieren Gilmour und seine Band zwei durch eine Pause unterbrochene Konzertteile, die in bester Tonqualität wiedergegeben werden. Das durfte man auch erwarten. Den besonderen Reiz gewinnt die Konzertaufzeichnung durch das atemberaubende Lichtdesign mit typischen Elementen, die man schon von früheren Pink-Floyd-Shows kannte. Der riesige, kreisförmige Cyclorama-Screen bildet dabei den Mittelpunkt und bietet äußerst geschmackvolle Licht-und Visual-Arrangements.

Arena geschmackvoll illuminiert

Richtig spektakulär wird die Produktion dadurch, dass das weite Rund des Amphitheaters nicht nur als Veranstaltungsstätte herhält, sondern als Kulisse vollständig in die Show eingebunden wird. Das Publikum hält sich im Innenraum, die nicht besetzten, weitestgehend verfallenen Sitztribünen werden in wechselnden Farben illuminiert, mehrere Moving-Lights strahlen rundherum vom oberen Rand der alten Arena. Dort wurden außerdem mehrere Fackel-Schalen installiert, in denen Feuer lodern. Bei Lufbildaufnahmen aus der Totale mit der Stadt Pompeij im Hintergrund wirkt das besonders stimmungsvoll.

David Gilmour, bekanntermaßen aus der Generation der Ausnahmegitarristen mit dem viel beschworenen eigenen Ton spielt technisch nicht spektakulär oder perfekt, es ist das Laid-Back-Gefühl mit dem er seine meist bluesigen Soli spielt. Dabei huscht im ein ums andere Mal ein Lächeln über das Gesicht.

Mit weißen Haaren, leichtem Bart und T-Shirt steht er dort, sonnengebräunt, entspannt und zufrieden wirkend. Stünde er hier nicht mit seinen Gitarren vor Tausenden im Mittelpunkt einer großen Open-Air-Bühne, könnte man ihn sich auch im Garten eines großen Landhauses in mediterraner Umgebung vorstellen, wie er –in die Sonne blinzelnd- den Fortschritt des Wachstums seiner Olivenbäume oder Weinreben begutachtet und passierenden Spaziergängern ein leises aber freundliches „Bongiorno“ zuwirft.

Sonnenbrillen und Feuerwerk

David Gilmour ist –ohne Frage- ein Superstar und so geerdet er sich auf der Bühne gibt, so groß bis pompös ist die Lichtshow. Bei „Run Like Hell“ ist die Bühne in so extrem grelles Weißlich getaucht, dass alle Musikerinnen und Musiker Sonnenbrillen tragen. Den Abschluss des groovig rockenden Songs aus dem „The Wall“-Album bildet riesiges Feuerwerk, das vom oberen Rand der Arena in den Himmel geschossen wird.

Es ist ein Konzert, das ein besonderes Ereignis ist und gegen Ende der Show steigt bei Fans und Kennern die Spannung, als es auf den Über-Song „Comfortably Numb“ zugeht, seit Jahrzehnten Höhepunkt von Pink-Floyd-und David-Gilmour-Konzerten. Wie wird der Altmeister die Gitarrensoli dieses Mal spielen, welche speziellen Licht-Show-Effekte wird es bei diesem Song geben?

In früheren Jahren, zu Zeiten von Pink-Floyd, wurde mit einer riesigen Diskokugel gearbeitet, die von der Hallendecke schwebte oder sich bei Open-Airs als überdimensionale Pflanze entblätterte und die entsprechenden Venues in gleißendes Licht tauchte. Eine Dramaturgie, die ihres Gleichen suchte. In Pompeij haben sich die Lichttechniker ein besonderes Laser-Spektakel ausgedacht, das zwar äußerst geschmackvoll inszeniert ist, aber nicht den großen Reiz der Mega-Diskokugel-Konzeption versprüht. Das ernsthaft zu kritisieren, wäre Jammern auf extrem hohem Niveau und es ist ja auch Geschmackssache.

David Gilmour soliert zum Ende wie gewohnt mit großer Leidenschaft. Nach einem fulminanten Schlussakkord bedankt er sich freundlich und bescheiden beim lautstark jubelndem Publikum: „grazie mille“

Für Fans von David Gilmour ist dieser Konzertfilm, besonders in der hervorragenden Qualität der Blu-ray-Disk ein Muss. Da dürfte es kaum ein Wenn oder Aber geben.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.davidgilmour.com
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