Gehört und Gesehen - BCCIV

27.10.2017Black Country Communion

Black Country Communion

BCCIV

Mascot Records / Rough Trade (2017, CD)

Sänger und Bassist Glenn Hughes, Schlagzeuger Jason Bonham, Sänger und Gitarrist Joe Bonamassa und Keyboarder Derek Sherinian sind in der internationalen Rockszene große Namen mit zum Teil viel Strahlkraft. Wenn sie in unregelmäßigen Abständen gemeinsame Sache machen, dann als Black Country Communion, die auch gern als „Supergroup“ bezeichnet wird. Fünf Jahre nach „Afterglow“ ist kürzlich das vierte Album „BCCIV“ erschienen. Es geht um klassischen, bluesgetränkten Hardrock im zeitgemäßen Soundgewand.

Bands, die als „Supergroup“ angekündigt werden und mit langjährig international renommierten Musikern besetzt, mag der erfahrene Musikkenner zunächst mit einem gesunden Abstand begegnen und sich zunächst einmal herantasten. Geht es einfach um ein Projekt zur Zeitüberbrückung, um Namedropping oder steckt mehr dahinter? Es steckt mehr dahinter und zwar eine Menge.

Black Country Communion überraschen mit ihrem aktuellen Hardrock-Album an vielen Stellen, wo man dachte, man hätte in diesem Genre eigentlich schon alles gehört. Nein, möchte man spontan sagen, es reicht nicht aus, Platten von Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple & Co. gehört zu haben um ein umfassendes Bild von Hardrock zu haben. Black Country Communion setzen auf Basis klassischen Rock wie man ihn in der Grundausrichtung von genannten Größen kennt, noch neue, spannende Akzente.

Hardrock mit frischem Wind, der oft in Böen weht und sich auch mal zum Sturm entwickelt: Die Musiker agieren auf „BCCIV“ inspiriert, bissig und ungeheuer spielfreudig. Die Riffs, die Soli sind packend, zwingend, das Gesamterscheinungsbild kraftvoll bis wuchtig.

In mitunter sechs, sieben bis über acht Minuten langen Songs, lassen die Musiker ihren Ideen und ihrer Energie freien Lauf. Hier klingt nichts angestaubt oder alt. Einige Grundstrukturen der Kompositionen, Riffs und Melodielinien klingen zwar vertraut, bekommen aber durch dieses Band einen ganz besondere Ausrichtung, einen speziellen Schliff. Bemerkenswert, mit welcher Kraft und Leidenschaft Glenn Hughes hier singt, viele Gitarren-Riffs und -soli von Joe Bonamassa dürften beim geneigten Blues-/Hardrock-Fan für ein heftiges, wohliges Kribbeln und eine deutlich erhöhte Pulsfrequenz sorgen. Da macht es einfach nur Spaß, zuzuhören.

Hier scheint eine Bandkonstellation am Werk zu sein, die überhaupt keinen Ballast mit sich herumträgt und ohne Druck völlig unverkrampft und befreit aufspielt.

Hervorragend auch der Sound, die Produktion für die Kevin Shirley verantwortlich zeichnet. Zu seinen Referenzen zählen Arbeiten unter anderem für Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith und The Black Crowes. So, wie auf „BCCIV“ darf, ja muss, frischer Hardrock anno 2017 klingen: roh, rotzig und mit Wumms.

Ein bärenstarkes Album. Für Genre-Fans und –Interessierte beinahe unverzichtbar.


Andreas Haug
(9 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.bccomunion.com

Weitere oder ähnliche CD/DVD-Besprechungen:
Black Country Communion - Afterglow (2012)
Black Country Communion - 2 (2011)
© Copyright: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Weitere Infos + Nutzungsbedingungen im Impressum
Zur Übersicht Zur Startseite