Gehört und Gesehen - Light It Up

16.09.2017Hot Water Music

Hot Water Music

Light It Up

Rise Records (2017, CD)

Für die Aufnahmen zu ihrem achten Studioalbum „Light It Up“ haben sich Hot Water Music an den Ort begeben, an dem in den 1990er Jahren alles begann. Innerhalb von vier Wochen entstand im Black Bear Studio in Gainsville, Florida, der Nachfolger des fünf Jahre zurückliegenden „Exister“. Das Besondere: Chuck Ragan, Jason Black, Chris Wollard und George Rebelo begaben sich diesmal zum ersten Mal ohne Produzenten ins Studio.

„Wenn du im Studio einen kleinen Fehler machst, kann das ein Glückstreffer sein“, erklärt Gitarrist Chris Wollard. „Wenn du mit Produzenten arbeitest, muss man häufig viel ausdiskutieren. Live sind wir ja auch nicht perfekt“. „Never Going Back“, „Vultures“ und der Opener „Complicated“ sind eine kleine Kostprobe davon, was die vier da im Studio gemeinsam mit ihrem Tontechniker Ryan Williams ausgebrütet haben. „Das war eine wirklich angenehme Umgebung, so ganz ohne Fremde aufzunehmen. Wir alle haben schon in einer fahrbaren Blechdose zusammen gehaust, wir kennen und vertrauen uns“, erzählt Bassist Jason Black.

Besonders der Song „Complicated“ verführt dazu, sich in die eigene fahrbare Blechdose setzen zu wollen, die Lautstärkeregler bis zum Anschlag zu drehen und mit dem Song in den Ohren ziellos über die Autobahn zu brettern. Nicht gerade umweltschonend, aber dafür umso motivierender, den grauen Alltag für eine Weile im Rückspiegel verschwinden zu sehen.

Geradezu ironisch oder eben umso beispielhafter scheint es, dass es in dem Song darum gehe, dass die sogenannte zivilisierte, westliche Welt den Planeten zerstört und auch der Einzelne mit seinen guten Absichten keine Veränderung herbeiführen könne, da unser Leben und alle Umstände nun einmal kompliziert seien, so Hot Water Music. Im Kontrast dazu stehe, dass jene Kulturen, die noch sehr einfach leben und eine Wertschätzung in ihr Land und ihre Umwelt legen, uns höchstwahrscheinlich alle überdauern werden – uns, die wir morgens aufwachen und als erstes unsere Twitter Feeds lesen, heißt es in einer Ausführung der Band. Doch wenn niemand damit beginnt, etwas zu verändern - und sei es nur eine Kleinigkeit – wäre das nicht noch verheerender?

„Als wir die Aufnahmen begannen, klang `Complicated` noch ganz anders als am Ende“, meint die Post-Hardcore-Band, die nach einem Buch von Charles Bukowski benannt ist. „Der Song hatte eine sehr langsame, brütende und Groove-orientierte Seite. Als wir im Studio daran arbeiteten, hatte Chris die Idee zu dem speziellen Lead-Gitarren Sound. So alleine für sich stehend erinnerte uns diese Lead-Melodie fast schon ein wenig an Midnight Oil – eine der Bands, auf die wir uns alle einigen können – was schlussendlich dazu führte, dass wir daran festhielten, den Song noch etwas beschleunigten und er so entstanden ist, wie er nun heute ist“, resümieren Hot Water Music. Anschließend begann Sänger Chuck Ragan, Texte zu schreiben, wie es Midnight Oil auch tun würden.

Angetrieben von den einprägsamen Bass- und Gitarrenriffs, George Rebelos hämmernden Drums und Chuck Ragans gewohnt rauer Stimme, verschafft einem bereits der erste Track des Albums den nötigen Tritt in den Allerwertesten, den jeder manchmal braucht, um es einfach anzupacken.

Ein weiterer Vorzeigesong aus „Light It Up“ ist mit „Never Going Back“ bereits vor dem Erscheinen des kommenden Albums zu hören. Textlich brennt sich vor allem diese Zeile ein: „If you rest, you rust. Trade sorrow in for trust. Find your ground and follow the light out“.

Auch die Lyrics zum Song „Bury Your Idols“ wirken wie ein Weckruf: „Wake up, distant dreamer! Time won’t wait for you“. Abgesehen davon ist der Chorus allerdings eher vorhersehbar und dadurch weniger spannend. Es erweckt beinahe den Anschein, als hätte man die Zeile „Bury Your Idol“ etwas zu sehr ausgeschlachtet.

Der Titeltrack „Light It Up“ erinnert an schnelle, donnernde Punkrock-Songs der alten Schule. Ein Hörvergnügen von gerademal eineinhalb Minuten. Kurz und schmerzlos, die Reduktion ist seiner Wirkkraft aber keinesfalls abträglich. Ähnlich verhält es sich auch beim Lemmy-esquen „Show Your Face“. Das kompromisslose „Vultures“, welches ebenfalls schon vor der Albumveröffentlichung samt Musikvideo aus „Throwback“-Clips erschienen ist, klingt wie eine Hymne, mit der man in den Kampf einzieht.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.hotwatermusic.com

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Hot Water Music - Exister (2012)
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