Gehört und Gesehen - The Peace And The Panic

16.09.2017Neck Deep

Neck Deep

The Peace And The Panic

Hopeless Records (2017, CD)

„The Peace And The Panic“ – diesen klangvollen Titel trägt das aktuelle Album der britische Pop-Punk-Band Neck Deep. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 hat sich die Band um Frontmann Ben Barlow zu einer der beliebtesten Szene-Bands der jüngeren Generation entwickelt. Mit insgesamt 11 Tracks sind Neck Deep zwei Jahre nach ihrem letzten Album „Life’s Not Out To Get You“ nun zurück.

Pop Punk wird ja oft als inhaltlose, flache Spaßmusik von ein paar Halbstarken, die aus ihrer „Hometown“ ausbrechen wollen, abgetan. Dem setzten die fünf Jungs aus Wrexham im Norden von Wales politisch- und gesellschaftskritische und durchaus tiefgründige Songs entgegen, ohne dabei den Spielspaß zu vernachlässigen.

Was es mit dem Albumtitel auf sich hat, erklärt Sänger Ben Barlow in einem Interview mit Rock Sound: „Das Album nennt sich `The Peace And The Panic`. Das ist im Grunde die nächste Entwicklung von Neck Deep, was unsere Sicht auf die Welt angeht. Der Vorgänger heißt `Life’s Not Out To Get You`, hinter dem wir noch immer stehen. Ich glaube immer noch, dass das Leben ist, was man daraus macht und dass nicht alles immer nur negativ ist. Gleichzeitig habe ich aber realisiert, dass es auch nicht alles immer nur positiv ist. Und genau da ist `The Peace And The Panic` ins Spiel gekommen – Dass eine Balance zwischen dem Guten und dem Schlechten besteht und dass man nicht so naiv sein kann, zu erwarten, dass alles immer nur gut ist“.

Der Opener „Motion Sickness“ lädt gleich unweigerlich zum gedanklichen Auf- und Abspringen in einer wütenden Festival-Masse ein. Gleichermaßen einprägsam ist die Single „Happy Judgement Day“. Hier äußert die Band aus Wales harsche Kritik an der heutigen Gesellschaft: „We all worship celebrities, desperate foreign identity, but cigarettes and MDMA don’t give you substance“. Dabei werden scharfzügige Lyrics mit eingängiger Melodie gepaart.

Auch gewisse politische Akteure bekommen ihr Fett weg: „Builing walls and dropping bombs, stop the world, I`m getting off“. So ganz ohne den Wunsch, einfach abhauen zu können – notfalls nicht nur die Heimatstadt, sondern auch den gesamten Planeten hinter sich zu lassen - geht es dann eben doch nicht. „Good to see Sum 41 going strong“, ist in einem ironischen Kommentar auf Youtube unter dem Musikvideo zu lesen, in dem die Apokalypse im Klassenzimmer wütet.

Mit den Songs „Parachute“ und „In Bloom“ wagen Neck Deep einen poppigeren Sound. Vor allem der Song „Critical Mistake“, der mit seiner fröhlichen Akustikmelodie wie ein entfernter Cousin von All Time Lows „Bail Me Out“ klingt, befördert den Pop in den Pop Punk – im positivem Sinne.

Ebenso akustisch, dafür melancholischer wird es mit „Wish You Were Here. Der Akustik-Klassiker „A Part Of Me“ war einer der bekanntesten Songs des Debütalbums der Band. Mit dem Track „Wish You Were Here“ haben sie einen ebenbürtigen Nachfolger geschaffen, der weder vor Kitsch trieft, sondern aufrichtig und tiefgründig wirkt und für Abwechslung auf dem neuen Album sorgt.

Dennoch spürt man die Bemühungen, seinen eigenen Sound auszubauen und sich von dem familiären Klang der Idole loszulösen oder gar abzunabeln.

Für den Titel „Don’t Wait“ haben sich Neck Deep gesangliche Unterstützung von Architects-Sänger Sam Carter geholt, da sie dem ohnehin etwas härteren Song eine noch härtere Note verleihen wollten. Und wer käme da besser in Frage als der Sänger der erfolgreichen Metalcore-Band aus Brighton? Laut Band niemand.

Besonders „Where Do We Go When We Go“ und „The Grand Delusion“ sind Hymnen, die Fans des typischen Neck-Deep-Sounds zufriedenstellen sollten und auch live zum Abriss einladen können.

„The Peace And The Panic“ hat das Potenzial, der Soundtrack der aktuellen Pop-Punk-Generation zu werden.


Lisa Eimermacher
(8 / 10 Pkt.)

Mehr:
www.neckdeepuk.com
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